Neue Internetseite
Übersicht zu Pferdefleischskandal-Händlern im Netz

Auf einer Internetseite des Landes NRW erfahren Verbraucher, ob die Lasagne im Kühlschrank von einer Rückholaktion betroffen ist. Auch andere Länder wollen eine solche Übersicht bieten. Doch das Angebot hat einen Haken.
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DüsseldorfAuf eigenen Internetseiten können die Verbraucher ab sofort verfolgen, welche Fertigmahlzeiten wegen des Pferdefleischskandals zurückgerufen oder aus den Regalen genommen wurden. Vorreiter ist das NRW-Verbraucherschutzministerium, das seine Seite „www.rueckrufe.nrw.de“ bereits freigeschaltet hat. Landesminister Johannes Remmel (Grüne) begründete die Aktion mit der aus seiner Sicht unzureichenden Information durch einen Teil der Lebensmittelwirtschaft.

„Inzwischen nähern wir uns der Zahl von zwei Dutzend Rückrufen und Verkaufsstopps und das führt zu einer großen Unübersichtlichkeit“, sagte Remmel. NRW habe Konsequenzen aus der unzureichenden Information durch einen Teil der Lebensmittelwirtschaft gezogen und eine eigene Internet-Seite zum Thema gestartet. „Bisher mussten die Verbraucher jede Firmenseite einzeln aufrufen, um sich ein Bild zu machen. Mit dem Start der ersten bundesweiten Internet-Seite zum Pferdefleischskandal wird diese Lücke geschlossen.“

Die Liste enthält derzeit neun Produkte von Unternehmen, die ihren Hauptfirmensitz in Nordrhein-Westfalen haben. Sie soll fortlaufend aktualisiert werden. Im Mittelpunkt steht der Servicegedanke: Es werden die Warnungen, die die Unternehmen freiwillig auf ihren eigenen Seiten machen, zusammengefasst. Der Verbraucher muss sich also nicht mehr einzeln bei Aldi, Real, Rewe und Co. durchklicken, um zu erfahren, ob seine Lasagne unbedenklich ist. Der Haken: Unternehmen sind rechtlich nicht verpflichtet, Rückholaktionen im eigenen Haus zu veröffentlichen, heißt es seitens des Ministeriums. Eine Gesetzeslücke, die man scharf kritisere. Da von den Produkten keine akuten Gesundheitsgefahren ausgehen, ist eine Nennung rechtlich nur dann zulässig, wenn die betroffenen Unternehmen selbst öffentlich informieren.

Einige Handelsunternehmen hätten in den vergangenen Tagen und Wochen stille Rückrufaktionen unternommen, ohne die Verbraucher unverzüglich zu informieren, die möglicherweise die Produkte noch in ihren Haushalten haben. Wie das NRW-Verbraucherschutzministerium nun mitteilt, hätten sich Bund und die Länder daher entschlossen, dieses Informationsdefizit durch eigene Internet-Auftritte selbst zu schließen. Diese Internet-Seiten geben einen zentralen Überblick über die Produktrückrufe und Verkaufsstopps von falsch gekennzeichneten Fleischprodukten durch die jeweiligen Unternehmen.

Die Info-Seiten sind Teil des Nationalen Aktionsplans, den Bund und Länder derzeit in Berlin diskutieren. Das Konzept von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner sieht unter anderem eine europaweite Herkunftskennzeichnung auch für verarbeitete Fleischprodukte vor.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ernährungs-physiologisch soll Pferdefleisch besser als Rind sein. Pferde sehen oft sogar noch Heu, Weide. Andererseits, welche Pferde wurden da wohl verhackt? Rennpferde, Pferde als "Haustiere" könnten durchaus (noch) Medikamenten-Rückstände beinhalten.

    Teilweise ist aber auch nur von geringen Mengen Pferd im Inhalt die Rede. Was evtl. auf unterlassene Reinigung an den verarbeitenden Maschinen liegen könnte? Zeitmangel, Gewinnmaximierung?

    M. M. geht die jetzige Hektik aber völlig an der wirklichen Problematik vorbei. Und das sind die verschlungenen Wege über zig Ländergrenzen und Hände von mit verdienenden wollenden Händlern. Ursprungsland, nicht nur bei Lebensmitteln, für den Verbraucher meist überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.

    Und, für mich als Kunde äußerst frustrierend: mehr bezahlen (können) heißt inzwischen schon lange nicht mehr, dass man dafür etwa bessere Qualitäten erwarten könne. Der preisbewusste (nicht billige) Einkauf ist so nur noch zum ärgerlichen Hindernis-Lauf für mich geworden. Dazu der politischerseits völlig unterlassene / vernachlässigte Verbraucherschutz, das kann einem das Konsumenten-Dasein ganz schön verleiden.

    Meine Verbraucher-Reaktion bezüglich Lebensmitteln seit Jahren: Fleischkauf beim Metzger des Vertrauens (das er hoffentlich nicht enttäuscht), dafür eben weniger Fleischverbrauch. Fertigprodukte der Lebensmittel-Industrie möglichst vermeiden. Rind und Pferd jemals am Stück in den eigenen Händen, dann (er)kennt man auch den Unterschied. Jetzt dazu kommt: eigenes Hack wieder, wie früher, direkt vor Verbrauch selbst wolfen. Damit hat man die Frische des Hackfleisches auch im Griff.

    Tja, und Hack außer Haus? Das meiden wir seit Anfang Wirtschaftskrise strikt, wo jede/r Verkäufer sparen will, muss oder Gewinne für seine Shareholder maximiert. Fleisch, die eingesetzten Zutaten erfordern jetzt eben noch mehr Vertrauen in das jeweilige Restaurant. Somit werden das immer weniger Gaststätten, über deren Schwelle wir gehen.

  • Volle Zustimmung.
    Neue Tests und neue Regeln erhöhen nur die Kosten: Wenn sie von der öffentlichen Hand durchgeführt werden, zahlt der Steuerzahler. Wenn die Kosten auf die Unternehmen umgelegt werden, zahlt der Verbraucher. Außerdem entstehen so neue Markteintrittsbarrieren für kleinere Hersteller.
    Statt dessen sollten diejenigen, die sich fehlverhalten, die "Kosten" dieses Verhaltens tragen: Berufsverbot und empfindliche Strafen.

  • Pferdefleisch! Esliegt hier sicherlich eine Betrugsabsicht vor, die staatsanwaltlich zu untersuchen und dem Strafvollzug zuzuleiten ist. Der Ruf (wie immer) nach neuen Gesetzen ist reiner Populismus. Denn schon heute erfolgen Kontrollen (Gaststätten etc.)aufgrund von Personalmangel nur sporadisch. Insofern dürften neue gesetzliche Regelungen nur Augenwischerei sein. Die Werkzeuge für die Überwachung von Produktionsprozessen sind längst vorhanden. Ob sie aber angewendet werden, ist eine andere Frage. Die Hersteller bzw. die Rohstofflieferanten sind im Rahmen ihrer Qualitätsmanagement-Zertifizierungen verpflichtet,Eingangskontollen durchzuführen und zu dokumentieren. Solche Kontrollen gelten auch innerhalb des ÜProduktionsprozesses.Damit wird, wenn angewendet,der gesamte Prozess erfaßt und nachvollziehbar gemacht. Die Herstller verlagern häufig diese Kontrollfunktionen auf ihre Zulieferanten (Kosten). Dann sind sie aber verpflichtet, Kontrollen bei den Lieferanten durchzuführen (Stichproben). Wenn die Kontollen sich auf die gesamte Prozesskette beziehen, dann wird ein versuchter Betrug von vornherein abgewendet. Wenn aber letztlich die Verarbeiter sich nur auf das verlassen, was Zulieferanten ihnen mit gefälschten Dokumenten vorgaukeln, dann kann ein Betrugsversuch auch funktionieren. Also: Keine neuen Gesetze aber Anwendungen der betehenden Regularien. Wenn nicht, dann hohe Strafen.

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