Neue Milliarden für Athen
Deutschland zahlt den Löwenanteil

8,7 Milliarden Euro beträgt die jüngste Hilfstranche für das hochverschuldete Griechenland. Gestemmt wird die Zahlung dabei vor allem von einem Staat: Deutschland. Denn 5,05 Milliarden stellt allein die KfW Bank.
  • 9

Brüssel/Berlin/Athen Deutschland zahlt einem Medienbericht zufolge einen Großteil der jüngsten Hilfstranche für das hoch verschuldete Griechenland. Die KfW stelle 5,05 Milliarden Euro bereit, berichtete die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Damit übernehme Deutschland mehr als die Hälfte der von den Euro-Ländern zu leistenden Hilfen von 8,7 Milliarden Euro. Die höhere Beteiligung Deutschlands kommt nach Informationen der Zeitung dadurch zustande, dass Deutschland bisher bei seinen Gesamthilfen unter dem vereinbarten Anteil von rund 28 Prozent liegt. 

Insgesamt soll Griechenland bis Mitte des Monats von den Euro-Staaten und Internationalem Währungsfonds (IWF) zwölf Milliarden Euro erhalten. Neben den 8,7 Milliarden Euro der Europäer, entfallen 3,3 Milliarden Euro auf den IWF. Insgesamt summieren sich die bisherigen Hilfen damit auf 65 Milliarden Euro. 

Der Rettungsplan von Europäern und IWF läuft seit Mai 2010. Griechenland war damit als erstes an den internationalen Finanztropf gekommen; später folgten Irland (85 Milliarden Euro) und Portugal (78 Milliarden Euro).

Flüssig bis zum Herbst 

Mit dem neuen Kredit dürfte Griechenland bis zum Herbst über die Runden kommen, hieß es in Brüssel. In Athen forderte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos von seinen Landsleuten: „Nun kommt es darauf an, dass die Sparbeschlüsse des griechischen Parlaments rechtzeitig und wirkungsvoll in die Tat umgesetzt werden.“ Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rief die Griechen auf, die am Donnerstag endgültig beschlossenen Maßnahmen zügig umzusetzen. 

Der Umfang und die Bedingungen zur Einbeziehung von Banken und Versicherungen in das neue Paket sollten in den „kommenden Wochen“ festgelegt werden, hieß es in einer Erklärung der Minister. Eine europaweite Lösung für die freiwillige Laufzeitverlängerung ist kompliziert.

Beteiligung privater Institute 

Die privaten Banken und Versicherer aus Deutschland wollen sich mit zwei Milliarden Euro daran beteiligen. Bis 2014 fällige Anleihen sollen erneut in Griechenland investiert werden. Die staatlichen Abwicklungsbanken der HRE und WestLB sollen nach Schäubles Angaben weitere 1,2 Milliarden Euro beisteuern. Zu der Unterstützung Griechenlands gebe es für die Europäer keine Alternative, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann dem „Spiegel“. „Sich auf einen Plan B einzulassen, bedeutet, sich eine Kapuze aufzusetzen und mit 200 Stundenkilometern auf der Autobahn zu fahren.“ Eine Insolvenz Griechenlands hätte größere Auswirkungen als die Pleite der US-Bank Lehman, warnte er. Der Beitrag anderer europäischer Banken und Versicherer ist noch offen.

Erzwungene Kurskorrektur 

Schuldensünder Griechenland wird nach Einschätzung von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker einen Teil seiner Souveränität verlieren. „Es ist wahr, die Souveränität der Griechen wird massiv eingeschränkt“, sagte Luxemburgs Premier dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Griechenland habe jahrelang vom Euro profitiert. „Es hat durch eigenes Verschulden einige Dinge ins Rutschen gebracht. Und wenn man die jetzt wieder mit vereinten Kräften in Ordnung bringt, müssen die Griechen auch verstehen, dass eine kollektive Antwort nötig ist“, fügte Juncker hinzu. „Wir zwingen die griechische Politik mit deren Einverständnis zu einer totalen Kurskorrektur.“ Schäuble forderte zur Stärkung der griechischen Wirtschaft eine Art europäischen Marshallplan. „Entscheidend ist, dass Europa stärker als bisher bereit sein muss, Griechenland dabei zu unterstützen, Wachstum zu generieren.“ Hier lägen auch „beträchtliche Aufgaben und Chancen für die deutsche Wirtschaft.“ Nach Überzeugung der deutschen Industrie benötigt das Land ein langfristiges Investitionsprogramm. 

Die polnische Regierung macht sich vor diesem Hintergrund für einen verfeinerten Werkzeugkasten für Hilfen zugunsten angeschlagener Mitgliedsstaaten stark. Die Mechanismen, die für Griechenland, Irland und Portugal geschaffen wurden, müssten noch verbessert werden, sagte der Finanzminister Jacek Rostowski, der am 1. Juli den Vorsitz über den Rat aller EU-Finanzminister übernommen hat.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Neue Milliarden für Athen: Deutschland zahlt den Löwenanteil "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • weg mit dem globalhanel. zurück in die steinzeit. solange es handel gibt, wird es kriege, ungerechtigkeiten und krisen geben.

  • Das ist OK, dass jetzt die anderen die Rechnungen der Griechen zahlen müssen.
    .
    Wer jahrelang wegguckt und Export-Business as usual macht, kriegt irgend wann die Rechnung präsentiert. Wir leben in der Globalisierung. Jede Unfairness, die wir nach rechts austeilen, rennt einmal um die Welt und erwischt uns von links wieder. Gleiches gilt noch mehr für Europa.
    .
    Die Zeiten, als Deutschland sich fein raushalten konnte und nur die Creme abschöpfte, sind vorbei. Wenn Deutschland heute nach Griechenland oder Amerika exportiert, ohne dass die bezahlen können, dann muss Deutschland heute selber per Kredit das Geld mit der einen Hand rausgeben, das es mit der anderen Hand wieder über die Exporte einnimmt.
    .
    Bisher machen Deutschlands Exporteure einen super Schnitt, denn es sind gerade die Kapitalinvestoren und Unternehmensgewinne, die am wenigsten zur Finanzierung der Hilfen per Steuern beitragen.
    .
    Wenn die deutsche Politik sich mal entschließen könnte, dort für Ausgleich zu sorgen, wären vermutlich auch die Unternehmer nicht mehr so scharf, auf Teufel komm raus in Länder zu exportieren, die eigentlich nicht das Geld haben, um zu bezahlen können.
    .
    So lange die Exporteure aus der Verantwortung ausgeklammert werden, haben die keinen Grund, das Spielchen sein zu lassen. Dann ist Weiterhin der Steuerzahler der Dumme.
    .
    Die Exporteure könnten z. B. einen Fonds verschrieben bekommen, über den sie die Kredite der Warenimporteure absichern. So lange Exportfinanzierung über ein Dreiecksgeschäft Exporteur-Importeur-Bank betrieben wird, kriegen wir da keinen Deckel drauf.

  • So einen Schwachsinn kann man ja nicht unkommentiert lassen. Diese Keulen zu schwingen ist geradezu unverantwortlich. Der Euro hat NICHTS mit der EU und Völkerfreundschaft zu tun! Gar nichts! Der Euro ist hingegen ein sozialistisches Projekt französischer Prägung, unter dem ALLE Nationen Europas leiden.
    Im übrigen: Eine starke Währung bedeutet immer Wohlstand für die Nation. Schauen Sie sich mal die Schweiz an, oder Schweden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%