Neue Pisa-Studie
Deutsche Schüler können Rückstand kaum verringern

Bildungsministerin Annette Schavan stellt in Berlin die Ergebnisse der neuen weltweiten Pisa-Studie vor. Schon jetzt ist klar: Deutschlands Schüler schneiden besser ab als in den vergangenen Jahren. Dennoch hinken sie ihren asiatischen und finnischen Altersgenossen hinterher.
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dne/HB BERLIN. An dem Schulleistungsvergleich haben diesmal 65 Staaten teilgenommen. Getestet wurden fast eine halbe Million 15-jährige Schüler. Schwerpunkt der Untersuchung war diesmal Lesen und Textverständnis. Aber auch die Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften wurden miterfasst. Gegenüber dem ersten Test vor zehn Jahren haben sich Deutschlands Schüler nach Vorab-Berichten leicht verbessert. Allerdings sind ihnen die 15-Jährigen in Finnland oder den asiatischen Pisa-Spitzenländern wie China und Südkorea mit ihrem Wissen und Können immer noch um ein bis zwei Schuljahre voraus.

Deutschland muss deshalb nach Ansicht des Chefs der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, die Auswahl seiner Lehrer verbessern. "Man muss versuchen, die besten Köpfe für die Schulen zu gewinnen. Länder wie Finnland machen das recht erfolgreich vor", sagte der OECD-Bildungs- und Statistikexperte der "Frankfurter Rundschau". In Deutschland folge der Lehrerberuf oft noch dem Modell des Industriearbeiters. "Irgendjemand entwirft einen Lehrplan und der Pädagoge sitzt in seiner Klasse und soll das dann umsetzen." Fortschritte sieht er dagegen bei der Qualität der Ausbildung, die praxisorientierter sei als früher.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, wies die Behauptung des Chefs der Pisa-Studie mit scharfen Worten zurück. „Herr Schleicher hat mal wieder keine Ahnung vom deutschen Schulwesen und seinen wirklich unbewältigten Herausforderungen“, sagte Kraus Handelsblatt Online. „Wir haben nicht in erster Linie ein Problem mit der Auswahl geeigneter Lehrer, sondern zunächst damit, dass in vielen Fachbereichen, etwa naturwissenschaftlichen und technologischen Fächern, zu wenig junge Leute überhaupt Lehrer werden wollen.“

Hier hat nach Kraus’ Überzeugung einerseits die Personalplanung der 16 Kultusminister versagt. „Andererseits haben wir in Deutschland zu viel dümmliches, auch von Politikern und sogenannten Bildungsforschern verbreitetes Stammtischgerede über Lehrer“, sagte der Verbandschef. Mit Blick auf den Pisa-Leiter fügte Kraus hinzu: „Die Lehrerbeschimpfungen eines Herrn Schleicher fördern nicht unbedingt die Bereitschaft engagierter junger Leute, Lehrer werden zu wollen. Herr Schleicher sollte außerdem aufhören, Finnland zum gelobten Schulland hochzujubeln.“ Dass dort die Quote arbeitsloser Jugendlicher mehr als doppelt so hoch sei wie in Deutschland, sei nicht unbedingt ein Ausweis eines hervorragenden Bildungssystems.

Schleicher meinte indes, insgesamt habe sich in Deutschland seit dem Start der ersten von vier Pisa-Runden im Jahr 2000 viel bewegt. Verbesserungen sieht er bei der frühkindlichen Bildung und der Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund. Positiv sei auch die Entwicklung von der Drei- zur Zweigliedrigkeit des Schulsystems in manchen Bundesländern: "Die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen ist ein entscheidender Schritt, um Bildungsbarrieren abzubauen." Das werde sich langfristig auch in den Resultaten des internationalen Pisa-Tests niederschlagen.

Tatsächlich ist es Deutschland laut Medienberichten in den vergangenen Jahren gelungen, die Lesefähigkeiten seiner 15 jährigen Schülerinnen und Schüler "spürbar" zu verbesssern. Deutschland liege damit aber international immer noch nur im OECD-Durchschnitt, hießt es demnach in der Studie. Die Verbesserung sei erreicht worden, weil der Anteil der Schüler mit bisher schlechten Ergebnissen stark verringert werden konnte. Nach wie vor sei die Ergebnisse jedoch stark beeinflusst vom "sozio-ökonomischen Hintergrund" der Schulen, auich wenn sich dieser Einfluss verringert habe. Auch die Leistungsrückstände von Schülern mit Migrationshintergrund hätten reduziert werden können.

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  • @ Wir motivieren unsere Schüler nicht genug und weniger ist mehr (6)

    „in der Schule meiner Kinder herrscht ein derart negatives bild über die Fächer Chemie, Physik und Mathematik, dass es mir schon sauer aufstößt, wenn verschiedene Eltern auf den Elternabenden gegen diese Fächer oponieren.“

    Oh ja, das sind Fächer, in denen man sich nicht mit labern aus der Affäre ziehen kann, sondern wissen und belegen muß. Das bedeutet, daß sich der Schüler auch nach der Schule eines Problems widmen muß. Ein weiterer Punkt sind die Unterrichte selbst, in vielen Fällen langweilig, weil der Lehrer als Vorführer agiert und die Schüler zusehen.

    „Der Religionslehrer empfindet sein Fach natürlich als ganz furchtbar wichtig.“

    Wenn Religion zum Lehrplan gehört, wird in der Schule Religion unterrichtet. Was ihre Kinder zusätzlich privat machen, ist deren Sache.

    „.........dass ein Kind, das privat ein anspruchsvolles Musikinstrument lernt, auch noch in den Musikunterricht gehen soll.“

    Wie hätten Sie es denn gerne?

    „...........da ein guter Sportunterricht den Klassenverband stärkt und wichtig für die Gruppenmotivation ist....“

    Das ist der Unterricht, der sofort ersatzlos gestrichen gehört. Was soll denn für ein bewegungspotential und welche Gruppenmotivation bei 3 Wochenstunden Sport erreicht werden, die in sehr vielen Fällen von den Vereinsspielern gestaltet werden?

    „Nur für alle Leser, die keine Kinder in der Schule haben: Meine Kinder haben drei Fremdsprachen in der Schule, kommen zweimal in der Woche um 17.00 Uhr nachhause.“

    Ja und? Dies ließe sich ändern, scheitert aber mit Sicherheit am Elternwillen, die Wiedereinführung des Sonnabendunterrichts. Was meinen Sie, was dann erst an den Elternabenden los ist, wenn der zur Debatte stünde. ich habe eher das Gefühl, daß sehr viele Eltern ihre Kinder mit Aktivitäten überfrachten, sodaß die keine Zeit mehr für sich haben und vor lauter Terminen nicht mehr wissen, wann sie für die Schule arbeiten sollen.

    „ich erwarte nicht, dass wir unsere Schüler in der Schuluniform in die Schule schicken..........“

    Schulkleidung würden sogar viele Schüler akzeptieren, damit der Markenklamottenwahnsinn endlich beendet würde. Viele Eltern sind dagegen, weil ihre Kinder dann „uniformiert“ wären. Was sind sie denn jetzt?

    „Aber wir müssen schon auf der Grundlage unserer Mentalität einen Weg finden, unsere Kinder zu motivieren, sie zu fördern.“

    Dazu ist es erforderlich endlich wahrzunehmen, daß jedes Kind ein anderes Leistungspotential hat, es starke und schwache Schüler gibt. Mit anderen Worten, es muß die sozialistische Gleichmacherei beendet werden, die Menschen sind nun einmal unterschiedlich.

  • „Deutschland muss deshalb nach Ansicht des Chefs der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, die Auswahl seiner Lehrer verbessern.“

    Das ist sicher zum großen Teil richtig, denn die meisten der heute agierenden Lehrer hat lediglich die Seite im Klassenraum gewechselt. Allerdings ist zwischen den Schularten zu differenzieren, ein Gymnasiallehrer kann vom Talent her ein guter Pädagoge sein, obwohl Pädagogik nicht zu seiner Ausbildung gehört. Die schwersten Lasten haben die Grundschullehrer zu tragen, denn dort werden die Weichen für das gesamte Schulleben eines Schülers gestellt.

    „Hier hat nach Kraus’ Überzeugung einerseits die Personalplanung der 16 Kultusminister versagt.“

    Da hat er recht, nur, wo bleibt der Einspruch der Verbände, die sich doch sonst so wichtig in alles einmischen?

    „„Wir haben nicht in erster Linie ein Problem mit der Auswahl geeigneter Lehrer, sondern zunächst damit, dass in vielen Fachbereichen, etwa naturwissenschaftlichen und technologischen Fächern, zu wenig junge Leute überhaupt Lehrer werden wollen.““

    Das betrifft nicht nur die im Zitat angesprochenen Fächer und wer als junger Lehrer und Freigeist auf ein links- und grünlastiges Kollegium stößt, hat schon verloren und sollte, wenn nicht den beruf, so doch schnellstens die Schule wechseln.

    „........die Lesefähigkeiten seiner 15 jährigen Schülerinnen und Schüler "spürbar" zu verbesssern.“

    ich bin immer wieder erstaunt, in wie vielen Familien wenig oder gar nicht gelesen wird. Dies wird leider auch durch die sich ständig erweiternden Angebote von Hörbüchern verstärkt, die die Lesefreudigkeit und das Sprachverständnis nicht fördern. „ich hab im Moment wenig Zeit für mich, wegen den Klausuren“ sagte die an der Kasse meines Verbrauchermarktes sitzende Gymnasiastin.
    Was das Lesen an sich betrifft: „Wer lesen kann, hat ein zweites Paar Augen, und er muß nur aufpassen, daß er sich dabei das erste Paar nicht verdirbt." Erich Kästner
    Eltern tun gut daran, ihre Kinder zeitig an bücher und lesen heranzuführen, es verbreitert den Horizont des Kindes.

    „in den ersten Schuljahren, wo kleine Klassen wichtig sind, sind die Klassen in Deutschland überdurchschnittlich groß.“

    Das ist schon immer so gewesen, jeder weiß es und offensichtlich will es niemand ändern. Hier wäre ein betätigungsfeld für Politiker eine sinnvolle und nachhaltige Reform einzuleiten und durchzusetzen. Die Lehrer hätten dann Zeit sich nicht nur um die schwachen zu kümmern, sondern auch die nötige Zeit die starken Schüler mit Zusatzaufgaben bei Lernlaune zu halten und deren Langeweile sinnvoll aufzufangen.

    „Auch bildungsforscher Klaus Klemm sieht die bildungsfinanzierung in Deutschland kritisch.“

    Solange bildungspolitik nach Kassenlage betrieben wird, wird sich daran nichts ändern. Dabei sind sich alle Politiker einig, daß bildung die Ressource unseres Landes ist. Unverständlich daher, daß sie diese Erkenntnis nicht umsetzen. Es scheitert wohl all zu oft daran, daß es keine zentrale Schulpolitik gibt.

  • ich weiß nicht, ob andere auch diese Erfahrung haben, aber es gibt bei mir regelmäßig Eltern in den Elternabenden, die sich negativ über die naturwissenschaftlichen Fächer äußern.

    in der Schule meiner Kinder herrscht ein derart negatives bild über die Fächer Chemie, Physik und Mathematik, dass es mir schon sauer aufstößt, wenn verschiedene Eltern auf den Elternabenden gegen diese Fächer oponieren. Meinungsfreiheit ist ja in Ordnung, aber man sollte auch nicht alles schlechtreden - "Sag nicht alles was Du weißt, sondern wisse was Du sagst."

    Es wäre erfreulich, wenn verschiedene Eltern nicht dauernd die Lernatmospähre der Kinder in der Schule dadurch stören, dass man bestimmte Fächer stigmatisiert. Gilt es nicht Kinder positiv zu fördern?

    Dann haben wir es teilweise aber auch mit einer sehr ungesunden Übermotivation der Lehrer zu tun. ich empfinde es als unnötig, dass meine Kinder im achten Schuljahr neben dem Konfirmandenunterricht auch noch in den Religionsunterricht gehen müssen. Könnte man die Konfirmanden nicht vom Religionsunterricht befreien?

    Aber hier wird dann wieder die eigensinnige Sichtweise vieler Lehrer sichbar. Der Religionslehrer empfindet sein Fach natürlich als ganz furchtbar wichtig.

    Tja, und dann stelle ich die Frage, ob es wirklich sein muss, dass ein Kind, das privat ein anspruchsvolles Musikinstrument lernt, auch noch in den Musikunterricht gehen soll.

    Natürlich, wenn man in meiner Denkweise weiter denken würde, dann könnte man Kinder vom Sportunterricht befreien, wenn sie... Nein, dies ist nicht so, da ein guter Sportunterricht den Klassenverband stärkt und wichtig für die Gruppenmotivation ist - sie oben: "Mathe, Pysik, Chemie und des Geistes elterliches Kind". im Übrigen ist bewegung sehr wichtig.

    Nur für alle Leser, die keine Kinder in der Schule haben: Meine Kinder haben drei Fremdsprachen in der Schule, kommen zweimal in der Woche um 17.00 Uhr nachhause. Einmal in der Woche haben sie Konfirmandenuntericht und sind dann bis 19.00 Uhr in der Kirchengemeinde. Einmal in der Woche gibt es Musikunterricht und Sport.

    Was hier in Deutschland passiert, empfinde ich nicht mehr als Kindegerecht. ich empfinde die schulische Organisation in Deutschland als zu perfekt, zuviel des Guten, als ob die Verantwortlichen glauben würden, dass man mit mehr input mehr Leistung erzielen könnte.

    Aufnahmebereitschaft hat etwas mit Leistungsbereitschaft zu tun und erst sekundär mit der Menge der Unterrichtsstunden. Leistungsbereitschaft hat etwas mit Motivation zu tun. ich denke, dass wir unsere Schüler nicht genug motivieren und da sitzen viele deutsche Eltern zusammen im boot mit dem Schulsystem.

    ich erwarte nicht, dass wir unsere Schüler in der Schuluniform in die Schule schicken und diese morgens erst einmal auf dem Pausenhof Gymnastik machen lassen, so wie dies die durchaus erfolgreichen asiatischen Staaten machen. Aber wir müssen schon auf der Grundlage unserer Mentalität einen Weg finden, unsere Kinder zu motivieren, sie zu fördern.

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