Neue Regelung für Organspenden
Kampf um verlorenes Vertrauen

Ja oder nein? In den nächsten Monaten müssen sich alle Bürger äußern, ob sie im Fall der Fälle Organe spenden würden. Doch zum Start der Reform ist die Unsicherheit groß.
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Innerhalb der nächsten zwölf Monate bekommen alle Bürger über 16 Jahren Post von ihrer Krankenversicherung: Mit dem Start der Organspende-Reform haben die Kassen nun ein Jahr Zeit, ihren Versicherten einen Organspendeausweis mit Informationen darüber zu schicken. Doch zum Start der neuen Regelung machen sinkende Spenderzahlen Ärzten und Politik Sorgen.

Im Oktober gab es deutschlandweit nur rund 60 statt wie üblich 100 Organspenden. Grund dürfte die Verunsicherung durch Tricksereien bei der Organvergabe sein. «In allen Regionen haben wir einen Rückgang bei den Organspendern außer in Baden-Württemberg», sagte die Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Birgit Blome. Bereits in den ersten drei Quartalen sei die Spenderzahl von 900 im Vorjahreszeitraum auf 829 gesunken. Nur im Südwesten stieg sie leicht von 87 auf 95.

Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO, sagte im NDR, Angehörige von Verstorbenen hätten angegeben, wegen der Skandale das Vertrauen in das System verloren zu haben. In Kliniken in Göttingen, Regensburg und München soll es Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Techniker Krankenkasse will ihre 6,9 Millionen Versicherten bis Ende November mit einem Ausweis versorgt haben. Die meisten andere Kassen warten noch ab. Aus Branchenkreisen hieß es, das Zögern der meisten Kassen rühre von der Hoffnung her, das Thema werde bis dahin wieder positiver gesehen. Von den 12 000 Menschen, die in ganz Deutschland auf eine Spende warten, sterben jeden Tag 3.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte die Krankenkassen auf, ihre Versicherten möglichst schnell über das Thema aufzuklären. Vertrauen lasse sich nur zurückgewinnen, „wenn man jetzt offensiv aufklärt und informiert“, sagte Bahr am Donnerstag im Deutschlandfunk. Er sei guten Mutes, „dass wir in den nächsten Monaten und Jahren die Organspendebereitschaft verbessern können“. Dafür sei aber Aufklärung nötig.

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  • "In den nächsten Monaten müssen sich alle Bürger äußern, ob sie im Fall der Fälle Organe spenden würden."
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    Ich MUSS gar nichts. Das Ding fliegt zerissen in winzige Stücke in die Papiertonne oder ich halte ein Streichholz dran.
    Mich schlachtet keiner aus und macht meine Organe zu Geld, solange Transplantations-Skandale wie kürzlich Deutschland erschüttern oder Prinzchen von und zu Hastenichjesehen binnen 6 Wochen gleich ZWEI Ersatzherzen erhalten, was einen mehr als faden Geschmack hinterläßt, weil offensichtlich manche eine bevorzugte Behandlung genießen. Ich traue da keinem einzigen der Halbgötter in Weiß...

  • Vom Prinzip bin ich für die Organspende, aber meine Vorstellung, berechtigt? ist die: Ich werde zu 95% krank ohne Spenderausweis in die Klinik gebracht. Man kämpft um mein Leben. Ich werde zu 45% krank in die Klinik gebracht mit Spenderausweis und schon freuen sich die Ärzte, endlich Ersatzteile und ich bin tot!!!

  • Das Problem ist doch die Organ-SPENDE.

    Wir haben ein System erschaffen, bei dem der SPENDER alle möglichen Nachteile hat und alle anderen Beteiligten nur Vorteile.

    Die Definition des Hin-Todes ist willkürlich. Was viele nicht wissen: Der SPENDER-KÖRPER wird bis "letzt" beatmet, ernährt und intensiv gepflegt. Sonst ist eine Entnahme unmöglich.

    Im Kern ist es eine Frage: Wem gehören die Organe?

    Was, wenn ich nicht "SPENDEN" will, sondern nach einem Unfall auch eine Versorgung meiner meiner Kinder wünsche und diese anweise, meine Organe meistbietend zu verkaufen, um deren Ausbildung zu finanzieren?

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