Neue Richtlinie zur Abführung von Tantiemen
DGB gewährt Aufsichtsräten mehr Geld

Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten dürfen ab 2006 einen höheren Anteil ihrer Tantiemen behalten als bisher. Vor allem Aufsichtsräte großer Konzerne mit hohen Vergütungen müssen künftig einen kleineren Prozentsatz an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung abgeben.

dc/fo BERLIN. Das sieht eine neue Abführungsrichtlinie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor, bestätigte Vorstandsmitglied Dietmar Hexel dem Handelsblatt.

Das neue Regelwerk wurde in der vergangenen Woche vom DGB-Bundesausschuss beschlossen. Danach dürfen die Aufsichtsräte von Tantiemen bis zu einer Höhe von 3 500 Euro in Zukunft 90 Prozent oder maximal 3 150 Euro behalten. Die anderen zehn Prozent oder maximal 350 Euro müssen sie Stiftung abführen. Oberhalb dieser Marke gilt das umgekehrte Verhältnis: 90 Prozent müssen abgeführt werden, zehn Prozent dürfen die Aufseher selbst behalten.

Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Regelung ist, dass der Eigenanteil nicht mehr gedeckelt ist. Nach der derzeit noch gültigen Richtlinie aus dem Jahr 2000 müssen die Arbeitnehmervertreter ihre Bezüge oberhalb der Grenze von 32 500 Euro in voller Höhe an die Stiftung überwiesen. Von den Beträgen darunter dürfen sie nach einem Prozent-Schlüssel maximal 4 600 Euro selbst behalten.

In der Praxis werden von dem neuen Regelwerk vor allem Arbeitnehmervertreter bei Unternehmen wie BASF, Eon und Daimler-Chrysler profitieren, die ihren Aufsichtsräten jährliche Tantiemen in Größenordnungen von 75 000 bis über 100 000 Euro zahlen. Statt 4 600 Euro wie bisher werden etwa Arbeitnehmervertreter bei Daimler-Chrysler von ihrer 75 000-Euro-Vergütung nun 10 300 Euro behalten dürfen. Bei einer Tantieme von 100 000 Euro, wie zuletzt bei Eon üblich, werden es 12 150 Euro sein.

Bei den Gewerkschaften wird die Neuregelung auf Anfrage als „routinemäßige Anpassung“ deklariert. Diese solle vor allem dem Ausgleich gestiegener Steuerberatungskosten dienen. Der Hintergrund: Da sich Steuerberaterhonorare in der Regel nach dem Gesamteinkommen richten, führte die bisherige Deckelung tendenziell zu einem Nachteil für Aufsichtsräte mit sehr hohen Vergütungen. Manche Aufsichtsräte mit nominal besonders hohen Tantiemen hätten darüber geklagt, dass sie faktisch ihren Eigenanteil an den Steuerberater überweisen müssten, heißt es in Gewerkschaftskreisen.

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