Dagegen werde die Industrie durch die Zielpreise, auf deren Höhe sie - anders als bei den zwischen Unternehmen und Kassen ausgehandelten Rabattverträgen - keinen Einfluss nehmen könne, in einen ruinösen Preiswettbewerb gezwungen. "Jedes Unternehmen wird alles tun müssen, um mit seinem Preis unter Zielpreis zu bleiben, will es nicht vom Markt verdrängt werden." Denn die AOK sei mit einem Umsatzanteil von über 40 Prozent der größte Einzelnachfrager auf dem über die Krankenkassen finanzierten Arzneimittelmarkt.
Dabei dreht sich die Preisspirale auch ohne das neue Zielpreissystem schon seit 2006 nach unten. Damals befreite der Gesetzgeber Unternehmen, die ihre Produkte 30 Prozent unter Festbetrag anbieten, vom gesetzlichen Zwangsrabatt. Allein durch die dadurch ausgelösten Preissenkungen sparen die Kassen laut ABDA 763 Mill. Euro im Jahr.
Folge dieser Preissenkungen war, dass die Kassen ihre Erstattungshöchstpreise, die Festbeträge, entsprechend der gesetzlichen Vorgaben senken mussten. So traten allein im Januar neue niedrigere Festbeträge in Kraft, die den Kassen 230 Mill. Euro Ersparnis bringen sollen. Weitere Festbetragssenkungen im Umfang von 530 Mill. Euro sind für Anfang Juni bereits geplant.
Kommen nun die Zielpreise unterhalb des Festbetrags hinzu, würden die dadurch ausgelösten Preissenkungen die Kassen erneut zwingen, auf das Absinken des Preisniveaus mit neuen, niedrigeren Festbeträgen zu reagieren. Im nächsten Schritt müssten die Zielpreise gesenkt werden usw. Dieser "Kellertreppeneffekt" bei den Preisen sei schlicht ruinös für die deutschen Generikahersteller, warnt Hoffmann. Dies könne auch nicht im Interesse der AOK sein.


