Neue Strecke
Jungfernfahrt für die Kanzler-U-Bahn

Im Berliner Untergrund hat am Samstag die "Kanzler-U-Bahn" Fahrt aufgenommen. Hunderte Neugierige säumten die Bahnsteige, als das geschmückte Mini-Shuttle am Eröffnungstag zwischen dem Brandenburger Tor und dem gläsernen Hauptbahnhof hin- und herpendelte.

HB BERLIN. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die neue Linie U 55 eine "U-Bahn der Einheit". "Ohne den Fall der Mauer und den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin wäre sie nicht gebaut worden", sagte er vor der ersten Abfahrt.

Der Bau von Deutschlands kürzester und teuerster U-Bahn-Linie dauerte fast 14 Jahre und kostete 320 Mio. Euro. Für die Strecke mit den drei neuen Stationen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor brauchen die gelben Waggons nur knapp drei Minuten. Rechnen wird sich die Linie erst, wenn sie bis 2017 vom Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz weitergebaut wird. Das kostet den Steuerzahler voraussichtlich weitere 433 Mio. Euro.

Die Linie wird dann unter dem Boulevard Unter den Linden entlangrollen und auch an der Museumsinsel halten. Kritiker zweifeln allerdings am Sinn der gesamten Linie, weil die S-Bahn fast parallel fährt.

Am Festtag waren solche Zweifel und auch die jahrelangen Verzögerungen beim Bau der sogenannten Kanzler-U-Bahn zumindest vorübergehend vergessen. "Klein und fein" nannte Wowereit die neue Linie, die im Bahnhof Brandenburger Tor mit einem kleinen Mauer- Museum aufwartet. Beim Warten auf die U-Bahn können sich Fahrgäste vor Foto-Leuchtkästen in die Zeit der Teilung Berlins hineinversetzen. Auch in den Zwischengeschossen finden sich Antworten auf die Frage: Wo und wie war die Mauer?

Den neuen Bahnhof Brandenburger Tor mit seinen Säulen und Lichtbändern erklärten die ersten Fahrgäste am Samstag schnell zur schönsten der drei neuen Stationen. Der Haltepunkt Bundestag, der bereits in den 90er Jahren zusammen mit dem Regierungsviertel entstand, fiel bei den Bewertungen dagegen durch. "Betonbunker" oder "Krematorium" lauteten erste Urteile schwäbischer Touristen. Die Premierengäste aus Stuttgart lobten das Berliner Verkehrsnetz mit allein 146 U-Bahnkilometern vor allem für einen Vorteil: "Es isch billisch".

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