Neue Studie
Argumente für Bildungspolitiker

Neue Erkenntnisse spielen Familienministerin von der Leyern und ihrer gerade durchgesetzten Forderung nach mehr Krippenplätzen in die Hände. Eine Studie der Ökonomin C. Katharina Spieß zeigt, dass die Dauer des Aufenthalts in einer Kindertagesstätte durchaus auch den späteren schulischen Erfolg beeinflusst. Die Faustformel lautet: Je länger, desto besser.

DÜSSELDORF. Die „Herdprämie“ ist erst einmal vom Tisch, Gutscheinmodelle sind noch in der Diskussion, die Krippenfinanzierung steht. Doch der politische Streit über Kinderbetreuung treibt weiterhin wöchentlich neue Blüten, seit sich Anfang April Bund, Länder und Kommunen auf eine Verdreifachung der Krippenplätze bis 2013 verständigt haben. Dazu soll es auch einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz geben. Für den Krippenausbau sind zwölf Milliarden Euro vorgesehen, der Bund will ein Drittel davon tragen.

Streit und Polemik bilden die Obertöne der Debatte – ein Zeichen dafür, dass die Kluft zwischen theoretischer Erkenntnis, politischem Änderungswillen, finanziellen Grenzen und allgemeinem Menschenverstand in diesem Land noch groß ist. Doch es gibt eine positive Entwicklung: „Der gesellschaftliche Wandel schlägt sich in der Forschung nieder, und vielleicht hat auch die Forschung den gesellschaftlichen Wandel mit herbeigeführt “, sagt die Ökonomin und Sozialwissenschaftlerin C. Katharina Spieß.

Sie hat zusammen mit Charlotte Büchner vom Forschungszentrum für Erziehung und Arbeitsmarkt (ROA) der Universität Maastricht soeben eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnis als Vademecum für Bildungspolitiker dienen kann: Je länger ein Kind in eine Kindertageseinrichtung geht, umso mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später auf die Hauptschule kommt. Andersherum ausgedrückt: Viele Kita-Jahre sind eine gute Voraussetzung dafür, später ein Gymnasium zu besuchen.

97 Prozent aller Kinder in Deutschland besuchen in ihrer gesamten frühen Kindheit zumindest ein Jahr eine Kita, das ist eine bekannte Größe, doch bisher hat niemand die Dauer des Kita-Besuchs untersucht und danach gefragt, ob es einen Zusammenhang mit dem Schulerfolg gibt. Die Auskunft ist wichtig, denn der Bund hat einen Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren durch das Tagesbetreuungsausbaugesetz bereits angestoßen. „Kinder werden in Zukunft früher als bisher in Kindertageseinrichtungen kommen. Damit wird die Dauer in institutionellen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen steigen“, heißt es in der Studie.

C. Katharina Spieß nutzte für ihre empirische Analyse die Daten des Soziooekonomischen Panels (SOEP), angesiedelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. In der Längsschnittstudie werden seit 1984 jedes Jahr in 10 000 Haushalten thematische Schwerpunkte abgefragt wie Erwerbsbiografie, Einkommen, familiäre Strukturen, Wohngeschichte, Zeitverwendung und Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten des Lebens. „Die Panel-Daten sind präziser für die Analyse, als wenn man retrospektiv fragt, wie lange das Kind in der Kita war, denn es kann auch Erinnerungsfehler geben“, erläutert Spieß, die zur Forschergruppe des Panels gehört. Mit diesen Daten aus jährlichen Befragungen über den Zeitraum vor dem Schuleintritt „konnte für 15 Geburtsjahrgänge die gesamte frühe Kindheit beobachtet werden“, sagt Spieß. Als Indiz für den Schulerfolg nahm sie die Schulform, die das Kind mit 14 Jahren besuchte, „denn dann sind in Deutschland die Bildungschancen von Kindern bereits weitgehend determiniert“.

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