Neue Studie

Karriere statt Kinder

Die Geburtenrate bleibt niedrig, die Lust auf eine eigene Familie sinkt. Dabei zeigen andere Länder, dass Kind und Karriere kein Widerspruch sind. Tun die Firmen zu wenig? Oder sind die Deutschen schlicht zu feige?
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Kind oder Kohle? Das muss sich nicht ausschließen – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Quelle: dpa

Kind oder Kohle? Das muss sich nicht ausschließen – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/BerlinEs riecht nach nassem Hund an diesem kalten und fiesen Maimorgen in Dortmund. Das Gedränge auf der Hundemesse ist groß. Skurrile Bilder zeigen sich, die im Kopf bleiben. Zum Beispiel der kleine Mops, der im umgebauten Kinderwagen durch die Halle geschoben wird. Die adrett gekleidete Mitfünfzigerin beobachtet die Szene und schüttelt mit dem Kopf: „Die Tiere werden immer mehr zum Ersatz für Kinder“, schimpft sie.

Haustiere sind in Mode, Kinder zu kriegen nicht. Die Stiftung für Zukunftsfragen befragte 2000 Bürger in einer repräsentativen Umfrage, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt. Die gute Nachricht: Der Stellenwert der Familie bleibt ungebrochen hoch – für 88 Prozent der Deutschen ist die Familie das Wichtigste im Leben. Die schlechte lautet: Das ist eine ziemlich theoretische Aussage, denn immerhin sagen auch beinahe zwei von drei Deutschen, dass ihnen die Karriere wichtiger ist als Kinderkriegen.

Da wundert es nicht, dass die Geburtenrate in Deutschland mit 1,36 Kindern pro Frau weiterhin sehr niedrig ist. 2,1 wären nötig, damit die Bevölkerung stabil bleibt – der EU-Durschnitt liegt bei 1,57. Es gibt nur wenige Länder, in denen die Fertilität noch niedriger ist. Dabei versuchen Politiker und Unternehmer seit Jahren, das zu ändern – zumindest mit markanten Aussagen. Unterm Strich ist der Effekt gleich null, wie die Umfrage mit ihrem Vergleich zu Werten aus 2011 zeigt: Die Lust auf Kinder bleibt konstant niedrig. Berufliche Gründe werden auffällig häufiger angeführt als früher.

Dass die Karriere schlecht mit einer Familie zu vereinbaren ist, geben 54 Prozent der Paare ohne Kinder an. Und für 59 Prozent ist die Karriere im Zweifel wichtiger als der Kinderwunsch. Fachleute verweisen bei der Beurteilung solcher Zahlen auf die Ängste der Deutschen beim Thema Familiengründung: Sie haben Angst ihre Freiheit aufgeben zu müssen, Angst die Karriere zu vernachlässigen, Angst den eigenen Lebensstandard einschränken zu müssen, Angst um die Zukunft der Kinder, Angst vor einer Scheidung, Angst den falschen Partner oder den falschen Zeitpunkt zu wählen.

Die meisten Kinder kriegen Mütter, die arbeiten
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9 Kommentare zu "Neue Studie: Karriere statt Kinder"

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  • Genauso und nicht anders müsste es sein!
    Endlich mal jemand, der klar denken kann, so wie ich.

    Noch ein paar weitere Gedanken:
    Familien sind isolierende Einheiten
    Unsere Gesellschaft ist kaputt, warum soll die Vermehrung gefördert werden?
    Karriere ist Ausdruck eines ausgeprägten Ego, was gedeihliches Aufziehen von Kindern ausschließt

  • "Wenn man sich das Einsam fühlt kauft man sich Hund oder Katze. Die wird man auch schnell wieder los."
    ---
    Blödsinn! Noch einer, der nicht begreift, was es heißt, mit Hunden zu leben (nicht sie nur zu besitzen).
    Einen Hund holt man sich nicht ins Haus, weil man einsam ist (seine Seele kann man ohnehin nicht mit Geld "kaufen"), sondern weil das Leben mit Hunden bei einem Teil der Menschen ein tiefes Bedürfnis ist, ein viele Jahrzehntausende alter Weg. Ein Hund ist kein Kindersatz, sondern ein Lebensgefährte, ein vollwertiges Familienmitglied (zusätzlich zu evtl. Kindern)!
    Genauso wenig wird man ihn "schnell wieder los". Das Band zwischen "Hundemensch" und Hund ist unauflöslich und dauert ein Leben lang, über den Tod des kürzer lebenden Hundes hinaus! Wer dieses Band nicht spürt, sollte sich niemals einen Hund anschaffen, er würde ihm nicht gerecht und sich selbst auch nicht!
    Mit Kindern hat das alles nichts zu tun. Wer Kinder möchte, schafft die sich auch so an, Haustier hin oder her.

  • ... es ist alles gesagt!
    hier:
    http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-die-quote-spaltet-die-frauen/v_detail_tab_comments/9596960.html?pageNumber=2&commentSort=debate

  • Ein Kind bedeutet Verantwortung, Verzicht, Einschränkung. So sehen es die Meisten der Deutschen. Das ist der Hauptpunkt. Da können Frauen noch so gefördert werden, Kindergartenplätze zur Verfügung gestellt werden, Kinderbetreuungsmöglichkeiten geschaffen werden, etc.. Mit mangelnden Kinderbetreuungsmöglichkeiten hat das wenig zu tun. Es ist die persönliche Einstellung zum Kind. Da fliegt man doch lieber zweimal im Jahr in den Urlaub oder kauft sich das schicke Cabrio und geht Essen. Wozu Kinder? Die kosten doch Geld und machen Krach. Wenn man sich das Einsam fühlt kauft man sich Hund oder Katze. Die wird man auch schnell wieder los. Aber die Rente soll dann trotzdem funktionieren und dann ganz besonders für Kinderlose, denn die haben ja Kariere gemacht. Man hat sich nur um sich selbst gekümmert. Besonders wird sich dann noch über die Ausländer aufgeregt. Diese Menschen sagen ja zum Kind, zeigen Verantwortung. In einigen Jahren wird unser Land nur durch Zugewanderte funktionieren.

  • Gender-Nazismus! + der Weg in die Dunkelheit!
    hier:
    (tinyurl.com/m2rp37c)

    * T I S A *
    (*1)
    hier:
    (stop-tisa.ch/wordpress/?p=17#more-17)

  • "Es riecht nach nassem Hund an diesem kalten und fiesen Maimorgen in Dortmund. Das Gedränge auf der Hundemesse ist groß. Skurrile Bilder zeigen sich, die im Kopf bleiben. Zum Beispiel der kleine Mops, der im umgebauten Kinderwagen durch die Halle geschoben wird. Die adrett gekleidete Mitfünfzigerin beobachtet die Szene und schüttelt mit dem Kopf: „Die Tiere werden immer mehr zum Ersatz für Kinder“, schimpft sie.
    ---
    Wenn man keine Ahnung hat, soll man vielleicht mal die Klappe halten. Im Gedränge dieser Messe ist ein kleiner Mops, der ohnehin nicht gut zu Fuß und bei Puste ist, in einem umgebauten Kinderwagen gar nicht mal schlecht aufgehoben. Das hat mit Kindersatz genau nichts zu tun.
    Ich habe übrigens auch keine Kinder, aber mehrere Hunde ("richtige", kernige Hunde, die, ausdauernd wie Wölfe, viele zig km pro Tag traben können, keine Möpse). Die sind aber mitnichten ein Ersatz für etwas, das ich ohnehin nicht wollte, sondern haben ihre ganz eigenständige Qualität, was Nicht-Hundefreunde schlicht und ergreifend nicht begreifen resp. begreifen können.

    Btw., was ist am Geruch nasser Hunde so schlimm? Die Parfüm- oder Rasierwasserwolken, die manche Zeitgenossen verströmen, sind entschieden ätzender, im wahrsten Sinne des Wortes. :-)

    Wenn einer Kinder mag, schön für ihn und keiner wird was dagegen sagen. Mag/will einer keine Kinder, ist das ebenfalls ohne dumme Kommentare zu akzeptieren. Jeder wählt sein Leben selbst, die Gesellschaft/der Staat hat da nichts zu sagen!
    Übrigens favorisiere ich eine eigenständige Altersvorsorge. Leider greift, sobald man eine gewisse Summe angespart hat, der Staat ungeniert zu, so daß Sparen de facto nicht mehr lohnt, es sei denn, man hortet wie zu Urururopas Zeiten Goldmünzen im Strumpf, von denen keiner was weiß. Böse Falle, das ganze, vor allen Dingen, wenn Sozen anfangen, das Geld zum Fenster rauszuwerfen und so unter dem Strich langfristig die Renten gefährden resp. die Beiträge in ruinöse Höhen steigen lassen.

  • Ich bin alleinerziehender Vater von zwei Kindern. Ich kann dazu nur sagen, dass der Staat zwar große Taten leistet, da er doch viel Kindergeld zahlt.

    Aber andererseits handelt es sich beim Kindergeld auch zum größten Teil leider nur um eine Transferleistung.

    Man bekommt Kindergeld, leitet dies aber fast 1:1 in jungen Jahren an den Kindergarten weiter, später für Bahn+Bustickets an den ÖPNV, Schulfreizeiten und inzwischen sogar ergänzende Schulbücher. Und seit Jahren steigt die EEG-Umlage derart stark, dass mit einiger Sicherheit die Haushalte der Alleinerziehenden zu jenem gehören, die unter der sogenannten "Stromarmut" leiden.

    Bereits die Bahn und Bustickets zusammen mit der EEG-Umlage machen einige Monate Kindergeld aus. Das Kindergeld wird so im Prinzip nur zu einem Transferkreislauf als Nullsummenspiel.

    Und dann sind da noch die lächerlichen Steuerfreibeträge zu erwähnen, die Alleinerziehende dafür erhalten, weil sie als Singles zwar die ungünstigste Steuerklasse haben, aber dennoch die Kinder finanzieren.

    Alleinerziehend zu sein ist das größte Armutsrisiko in Deutschland. Und welcher Elternteil will das seinen Kindern antun? Einen so tollen Partner gibt es dann vermutlich für junge Menschen nicht, um dieses Risiko einzugehen.

    Dann kann ich es kaum fassen, was uns da in den letzten Jahren so an blonden und blauäugigen Familienministerinnen präsentiert wurde. Die süßen Dinger sollen Familienpolitik machen? Oder sind sie dafür da, um Werbung fürs Kinderkriegen zu machen?

    Mir liegt Deutschland sehr am Herzen, ist es doch wirklich ein sozialer Staat. Aber bei Kindern transferiert der Staat das Liquiditätsrisiko voll auf die Eltern. Mit dem Kindergeld kauft er sich lediglich frei von der Verantwortung die Preissteigerungen der letzten Jahre mitzutragen.

    Wenn dieser Staat will, dann kann er damit zum Dieb werden und das demonstriert er gerade auch, denn das Kindergeld ist nicht gestiegen und die Steuerfreibeträge für Alleinerziehende auch nicht.

  • Sie schreiben: Die meisten Kinder kriegen Mütter, die arbeiten Warum wohl ? Ganz einfach, weil sie es aus finanziellen Gründen müssen. Kindergeld, Elterngeld, Mütterrente ?? Das soll als Entschädigung herhalten ? Das Leben ist so teuer geworden das es längst nicht mehr reicht. Die Zeiten - als die Väter als Alleinverdiener das Geld nach Hause brachten und sich Familien noch einen bscheidenen Wohlstand mit Eigenheim, Auto und Sparguthaben aufbauen konnten- sind längst vorbei. Und alleinstehende Mütter will die Politik mit Kindergeld und Mütterrente abspeisen ? In welcher Phantasiewelt leben wir ? Die Deutschen sterben aus, das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Und alles nur weil keine grösseren Gehälter gezahlt werden und mit Flickschusterei versucht wird das Kinderkriegen schmackhaft zu machen. Die heutige Arbeitswelt ist derart kinderfeindlich, schlimmer gehts nimmer.

  • Politisch könnte man das Rentensystem so aufbauen, wie in kinderreichen 3.-Welt-Ländern: Das Einkommen und die Abgaben der Kinder bestimmen die Rente der Eltern. Dann steht jeder einzelne vor der Wahl, entweder Kinder zu haben und sich gut um deren Ausbildung zu kümmern (was mindestens so wichtig ist wie das Kinderkriegen selbst) oder er kümmert sich eben anderweitig um seine Versorgung im Alter. Ein solches System wäre dann natürlich komplett unsolidiarisch, weil sich jeder um sich kümmern müsste - aber im Endeffekt funktioniert das meist besser als Umverteilungssysteme.

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