Neue Studie
Minijob-Reform könnte zigtausende Jobs schaffen

Rund 60.000 neue Vollzeitjobs könnten durch nur zwei Maßnahmen geschaffen werden. Das zeigt eine neue Studie. Dafür müsste das Ehegattensplitting gedeckelt und Minijobs ab dem ersten Euro versteuert werden.
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GüterslohReformen bei Minijobs und der Einkommensteuer könnten einer Studie zufolge 60.000 neue Vollzeitarbeitsplätze in Deutschland schaffen. Dies sei erreichbar, wenn Minijobs - anders als bislang - "ab dem ersten Euro der Einkommensteuerpflicht unterliegen und steigende Beitragssätze zur Sozialversicherung aufweisen", heißt es in einer am Donnerstag von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlichten Studie. Zudem müsse das sogenannte Ehegattensplitting begrenzt werden, das Ehepaare bei der Einkommensteuer gegenüber Alleinstehenden und Unverheirateten bevorteilt.

Beim Ehegattensplitting müsse der Betrag, der zur Berechnung der Einkommensteuer vom besser verdienenden Partner auf den schlechter verdienenden Partner übertragen werden könne, bei rund 13.800 Euro gedeckelt werden, heißt es in der Studie.

Verheiratete können durch das Ehegatten-Splitting Steuern sparen, weil bei der Berechnung beide Einkommen zusammengezählt, dann halbiert und besteuert werden. Die Entlastung kommt deswegen zustande, weil der Steuersatz mit dem Einkommen steigt. Grob gesagt ist die Entlastung vor allem dann groß, wenn ein Partner viel verdient und der andere kaum etwas.

Eine solche Deckelung beim Ehegattensplitting könnte dem Staat Mehreinnahmen von neun Milliarden bringen, wie es in der Studie heißt. Die derzeitigen Regelungen zum Ehegattensplitting verhinderten jedoch "das Entstehen von Arbeitsplätzen und fesseln Menschen in der Geringfügigkeitsfalle prekärer Arbeitsverhältnisse".

Würden die Regelungen im Feld der Einkommensteuer und bei Minijobs entsprechend der Vorstellung der Forscher geändert, ließe sich die Zahl prekärer Jobs "reduzieren zugunsten von zusätzlichen Vollzeitstellen mit einer besseren sozialen Daseinsvorsorge".

Profiteure entsprechender Änderungen "wären vor allem Frauen", teilte die Bertelsmann-Stiftung mit. Deren Einkommen würden sich verbessern - gleichzeitig auch die Aufstiegsmöglichkeiten. Die Gefahr von Altersarmut verringere sich hingegen. Auch die sozialen Sicherungssysteme würden profitieren. Nach Angaben der Bundesregierung machen Frauen unter den Beziehern von Einkommen aus geringfügiger Tätigkeit einen Anteil von rund 63 Prozent aus.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Zum Splitting: In der Regel sitzt der Partner, der ein geringes Einkommen in der Ehe hat nicht untätig herum sondern kümmert sich um alte Eltern, kleine Kinder und schmeißt den Haushalt, der sich nicht von alleine erledigt. Wer das Splitting abschafft, der soll dafür bitte ein Familienarbeitsgeld einführen, das die durchschnittliche 110 Stundenwoche eines Haushaltstätigen berücksichtigt im Rahmen seiner Ausbildung und des entsprechenden Verdienstausfalles. Nichtverdiener werden als Nichtstuer abqualifiziert, obwohl gerade sie in der Familie der starke Rücken für die anderen sind. Familienpolitik ind Deutschland: Katastrophal!

    Außerdem: Wer Minijobs ab dem ersten Euro besteuert, der schafft die Minijobs ab. Das macht dann keiner mehr. Aber das merken die Politiker erst, wenn dann ihre eigene Perle den Job schmeißt..

  • "...und Minijobs ab dem ersten Euro versteuert werden." - Das REICHT schon!! Der Staat ist PLEITE. Auch D ist "DELTA=PLEITE"! Nun geht es im Sinne der Chicagogroup 1930 weiter an die nicht einmal mehr essentiellen Einkommen der KLEINEN. Die, welche nichts haben, werden dem wirtschaftlichen Ruin entgegen gedrückt. Sie sind ja in Panik um ihren Job...abgelenkt...iPhone (idiotenphone) trägt essentiell weil überproportional dazu bei.

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