Neue Studie
SPD droht Verlust von fast 50 Direktmandaten

Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 wohl etliche Direktmandate verlieren. Betroffen sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.

BERLIN. 54 der 299 Wahlkreise werden nach heutigem Stand bei der Bundestagswahl hart umkämpft sein. 48 davon verlöre die SPD – 40 an die CDU, acht an die Linkspartei. Die CDU gäbe vier Direktmandate an die SPD ab, zwei an die Linkspartei. „Die SPD hat viele Wahlkreise nur mit geringem Vorsprung gewonnen“, erläutert Geschäftsführer Thorsten Lüthke das Ergebnis. „Wenn die Linkspartei jetzt stärker wird und selbst nur ein kleiner Teil der SPD-Wähler nicht gehalten werden kann, fällt der Wahlkreis an die CDU.“

Gleiches gelte umgekehrt: „In Rheinland-Pfalz aber auch in Schleswig-Holstein sehen wir Chancen für engagierte SPD-Wahlkämpfer.“ Auch in Dresden würde es nach der Landtagswahl 2009 noch spannend.

2005 holte die SPD 145 Direktmandate, die Union 106, die Linke drei, die Grünen eines. Der neuen Rechnung zufolge würde die Union die SPD überholen. Das wirkt sich auch auf das Stimmverhältnis im 17. Deutschen Bundestag aus. „Die SPD hatte 2005 insgesamt neun Überhangmandate in Brandenburg, Hamburg und Sachsen-Anhalt erreichen können“, analysiert Lüthke. „Wenn die SPD in diesen Ländern Wahlkreise einbüßt, verliert sie diese Mandate.“

Bei der Kommunalwahl in Brandenburg zeigte sich vor kurzem, wie schwer es für die SPD werden kann: Erstmals legte die Linkspartei prozentual zu, obwohl die Wahlbeteiligung und die Zahl der Briefwähler höher war als bei der letzten Wahl. In der SPD wird daraus geschlossen, dass die Linkspartei neue Wählerschichten gewonnen hat.

Die Studienergebnisse wirken sich auch auf das Machtverhältnis von Parteilinken und -rechten innerhalb der Bundestagsfraktion aus. „Häufig kommen die Wirtschaftspolitiker aus Direkt-Wahlkreisen“, sagt Garrelt Duin, Landesvorsitzender der Sozialdemokraten in Niedersachsen und industriepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Vertreter der Parteilinken sichern sich meist über die Landesliste ab. Beim „Seeheimer Kreis“, in dem sich die Konservativen und Wirtschaftspolitiker der SPD-Fraktion organisieren, gilt die Regel: Je mehr Direktmandate die SPD holt, desto mehr von ihnen schaffen es ins Parlament – und umgekehrt.

Nun drohen die Seeheimer an Einfluss zu verlieren. Zu den gefährdeten Wahlkreisen gehört der von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, von Ditmar Staffelt, ehemals Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, und von Petra Bierwirth, der Vorsitzenden des Umweltausschusses. Obendrein hören Wirtschaftspolitiker wie Rainer Wend oder Gerd Andres auf.

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