Neue Studie: Wer Kinder hat, zahlt im Rentensystem drauf

Neue Studie
Wer Kinder hat, zahlt im Rentensystem drauf

Trotz vieler Steuermilliarden ist das deutsche Rentensystem familienfeindlich, ungerecht und nicht demografiefest – heißt es in einer neuen Studie. Die Autoren fordern Reformen, zu Lasten vor allem von Kinderlosen.
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Rund 200 Milliarden Euro gibt der Staat im weitesten Sinn pro Jahr für familienbezogene Leistungen aus – und ausgerechnet bei der Rente gibt es offensichtlich ein großes Defizit: Die Rentenversicherung benachteiligt nach einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung Väter, Mütter und Kinder massiv. Also jene, auf die das System besonders angewiesen ist, sagt Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger.

Das Fazit der Studie lässt sich schlicht so umschreiben: „Wer Kinder hat, zahlt drauf.“ In welchem Ausmaß, hat der Autor der Analyse, der Bochumer Ökonom und Berater der Bundesregierung Martin Werding, ermittelt: In sogenannten Projektionen, die weit in die Zukunft reichen. Danach wird ein heute 13-Jähriger im Laufe seines Lebens im Schnitt etwa 77.000 Euro mehr in die Rentenkasse einzahlen als er später daraus erhalten wird. Für Werding steht damit fest: „Das rentenfinanzierte Umlagesystem belastet Familien in besonderer Weise - und beengt damit die Spielräume, unter denen Kinder aufwachsen.“

Er hat auch die ganz große Rechnung aufgemacht: Wenn alle staatlichen Leistungen für Familien - von der Kita über die Schule bis zum Kindergeld oder die beitragsfreie Kranken-Mitversicherung für Kinder und nichterwerbstätige Ehepartner oder Erziehungszeiten in der Rente – zusammengezählt und dann gegen die entrichteten Sozialbeiträge und Steuern aufgerechnet werden, übersteigen die Einzahlungen die im Gegenzug erhaltenen Geld- und Sachleistungen nach Werdings Studie immer noch um 50 500 Euro.

Der Lehrstuhlinhaber für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum spricht von einem „grundlegenden Systemfehler in der Konstruktion der Rentenversicherung“. Gemeint ist damit, dass die Doppelbelastung von Familien – anders als kinderlose Erwerbstätige investieren Eltern neben ihren Beiträgen zur Alterssicherung auch noch Zeit und Geld in ihre Kinder – im System der Rente nicht angemessen honoriert wird. Das wird auch die von Schwarz-Rot angepeilte bessere Mütterrente nicht erreichen.

Kommentare zu " Neue Studie: Wer Kinder hat, zahlt im Rentensystem drauf"

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  • Zum Thema Diskriminierung können wir nur sagen, dass wir uns als Familie auch diskriminiert fühlen:
    1. Wir fühlen uns diskriminiert wenn wir in den Urlaub fahren möchte mit unseren Kindern: Da dies nur zur Ferienzeit möglich ist zahlen wir meist mehr als das Doppelte wie alle diejenigen welche in der ferienfreien Zeit Urlaub machen können.
    2. Wir fühlen uns diskriminiert, da wir zwar Kindergeld kriegen, dieses aber gleich wieder für die Kinderbetreuung im Kindergarten und Schule weitestgehend draufgeht.
    3. Wir fühlen uns diskriminiert, da wir von unseren Nachbarn als Plage gesehen werden, da unsere Kinder doch tatsächlich teilweise draußen spielen und Krach machen. Wie unerhört!
    4. Wir fühlen uns diskriminiert, weil sich unsere Arbeitgeber jedesmal aufregen wenn ein Elternteil wegen der Erkrankung eines Kindes zu Hause bleiben muss.
    5. Wir fühlen uns diskriminiert, da wir die Erziehungsarbeit leisten und neue Steuerzahler in diese Welt setzen, welche dann auch kinderlose Rentner mitfinanzieren werden.
    6. Wir fühlen uns diskriminiert, da wir jeweils zwei Wochen nach der Geburt unserer Kinder bereits deren Steuernummer erhalten haben? Das ist wirklich das wichtigste im Leben eines Kleinkindes und zeigt einem doch schon mal wieder um was es in diesem Lande geht?!
    7. Wir fühlen uns diskriminiert, da wir das Gefühl haben, dass Familien keine Lobby ein diesem Lande haben.
    Deutschland ist und bleibt nun mal kinderfreundliches Land und daran wird sich so schnell nichts ändern.
    Die Politik setzt lieber auf Zuwanderung als auf gute Familienpolitik um das System am Laufen zu halten.

  • Es ist doch immer wieder dasselbe, wirf der Meute ein Stück Fleisch hin und sie sind abgelenkt.
    Kinder hin, Kinder her - letztendlich wird es sich erst in der Zukunft zeigen ob alle Kinder einen Job haben und damit auch in die Rentenkasse einbezahlen. Viel wichtiger wäre, das man sich Gedanken macht ob nicht alle Einkünfte für die Rente herangezogen werden, d. h. Selbständige, Beamte, Kapital und Mieten - in unterschiedlichen Abstufungen, dann hätte die Rentenkasse sicherlich keine finanziellen Probleme - auch in Zukunft nicht!
    Dazu noch eine Deckelung der Höchstgrenze (Schweizer Modell) und wir würden für lange Zeit keine Rentendiskussion mehr haben!

  • Ich kenne diese Studie.
    Imemr wieder eigentartig fidne ich, dass niemand mal benennt, wie viele versicherungsfremde Leistungen aus der Rentenkasse gezahlt werden. Man solle mal offen benennen, was das ist. Es ist Diebstahl.
    Denn es sind alles Leistungen die Staatsaufgäbe wären. Oder warum müssen die Beitragszahler der Rentenvers. alleine NS oder Stasi-Unrecht zahlen? Nur mal als Beispiel

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