Neue Studie wird am Donnerstag vorgestellt
Pisa-Bericht warnt vor mangelnden Deutschkenntnissen

Migrantenkinder, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, sind im deutschen Schulsystem so gut wie ohne Chancen.

HB BERLIN. Dies geht aus dem neuen Pisa-Bundesländerbericht hervor, den die Kultusminister an diesem Donnerstag in Berlin offiziell vorstellen. Danach haben 15- jährige Schüler deutscher Herkunft im Vergleich zu gleichaltrigen Einwandererkindern ohne ausreichende Sprachkenntnisse einen Wissens- und Lernvorsprung von bis zu drei Schuljahren.

Insgesamt haben die Kompetenzunterschiede zwischen den 15-jährigen Schülern, deren beide Elternteile in Deutschland geboren sind und Jugendlichen mit ausländischen Eltern gegenüber dem ersten Pisa- Bericht 2000 noch zugenommen. Ausnahme bilden dabei die Naturwissenschaften.

Etwa die Hälfte der untersuchten 15-jährigen aus Migrantenfamilien spricht im Alltag vorwiegend deutsch, zehn bis 16 Prozent dagegen zum größeren Teil eine andere Sprache. Rund 30 Prozent nutzen Deutsch und ihre Muttersprache in etwa gleich.

Erneut bestätigt auch dieser neue Pisa-Bericht die krassen Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Die Ergebnisse der im Frühjahr 2003 durchgeführten Tests von bundesweit über 45 000 Schülern hatten die Kultusminister bereits im Sommer vorgestellt. Erstmals werden nun auch Leistungs-Ergebnisse für die einzelnen Schulformen genannt. Erwartungsgemäß schneiden dabei Bayerns Hauptschulen am besten ab, die Hauptschulen aus den Stadtstaaten Berlin und Bremen besonders schlecht. Wegen des unterschiedlichen Hauptschüleranteils pro Jahrgang - in Bayern besuchen etwa ein Drittel aller Schüler die Hauptschule, in Berlin und Bremen gut 10 Prozent - gelten die Daten jedoch als schwer vergleichbar.

Besonders krass sind die Leistungsunterschiede auch zwischen den einzelnen Schulformen eines Bundeslandes. So liegen die Leistungs- Mittelpunkte der verschiedenen Schulformen in Mecklenburg-Vorpommern rund 100 Pisa-Punkte auseinander, in Berlin sogar bis zu 193 Punkte, was einem Lernfortschritt der 15-jährigen Gymnasiasten gegenüber den gleichaltrigen Hauptschülern von bis zu fünf Schuljahren entspricht.

Deutlich wird auch, dass viele Bundesländer die Begabungen der Kinder nicht vollständig ausschöpfen. Viele Chancen, höhere Schulabschlüsse zu erreichen, bleiben ungenutzt. In Baden-Württemberg könnten laut Pisa-Test beispielsweise fast zwei Drittel der Realschüler und gut ein Viertel der Hauptschüler mit ihren guten Mathematikleistungen auch ein Gymnasium besuchen. In Bayern erreichen drei Viertel der Realschüler gymnasiale Werte. In der Tendenz gilt dies für viele Bundesländer. In Niedersachsen erreichen mehr als die Hälfte der Realschüler Gymnasialniveau, aber nur fünf Prozent der Hauptschüler.

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