Neue Studienplätze
Schavan will Fachhochschule ausbauen

Bis 2015 will Bundesbildungsministerin Schavan mindestens 275 000 Studienplätze schaffen - besonders an Fachhochschulen. Künftig soll jeder zweite Student eine FH besuchen. Die Trendwende weg von der Uni ist damit eingeleitet.
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BerlinDer anhaltende massive Ausbau der Hochschulen soll nebenbei zu einer neuen Struktur führen: Künftig sollen die Fachhochschulen eine deutlich größere Rolle spielen, forderte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Schon in den letzen fünf Jahren war der Anteil der Fachhochschüler von 35 auf 40 Prozent gestiegen. Mittelfristig solle sich das Verhältnis der Studenten an Universitäten und Fachhochschulen auf „etwa halbe-halbe“ einpendeln, sagte Schavan bei der Vorstellung einer Zwischenbilanz zum Hochschulpakt.

In der ersten Phase des Hochschulpaktes von 2007 bis 2010 sind insgesamt 182.000 zusätzliche Studienanfänger aufgenommen worden. Das waren rund doppelt so viele wie Bund und Länder ursprünglich vereinbart hatten. Wie angepeilt, entstand die große Masse – 127.000 neue Studienplätze – an den „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“, wie sich die Fachhochschulen neuerdings gerne nennen.

Das Rekordergebnis des Hochschulpaktes insgesamt lobt auch der bildungspolitischer Sprecher der SPD, Dieter Rossmann, als „großartigen Erfolg“. Dieser sei allerdings ohne den Widerstand der SPD gegen eine totale Aufgabentrennung von Bund und Ländern bei der jüngsten Verfassungsreform gar nicht möglich gewesen. Grüne und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisieren den Hochschulpakt für den weiteren massiven Ausbau in den kommenden Jahren jedoch als massiv unterfinanziert.

Nach den Plänen sollen bis 2015 mindestens weitere 275.000 Studienplätze entstehen. Allein dafür schießt der Bund 3,2 Milliarden Euro zu. Dazu kommen wegen des Wegfalls der Wehrpflicht bis zu 60.000 weitere Studenten. Auch diese würden im Rahmen des Hochschulpaktes finanziert, versicherte Schavan. Das sei mit dem Bundesfinanzminister abgesprochen. Da in den nächsten Jahren auf 100 altersbedingt ausscheidende Akademiker nur 90 nachrückten, müsse man jede Chance zur Ausbildung zusätzlicher Studenten nutzen. 2010 hatten sich so viele Menschen wie nie für ein Studium entschieden: Die 441.800 Studienanfänger entsprachen 46 Prozent des Jahrgangs. 2005 waren es nur 37 Prozent.

Die Plätze an den Fachhochschulen haben vor allem die Länder Berlin, Bayern, Hamburg und das Saarland massiv aufgestockt. Nachfrage ist offenbar auch darüber hinaus vorhanden: Schon seit längerer Zeit häufen sich die Berichte, dass abgelehnte FH-Bewerber an den Unis landen, wo sie ursprünglich gar nicht hin wollten, berichtete Schavan. Das liege auch daran, dass die Fachhochschulen teilweise schon sehr ausgefeilte individuelle Bewerbungsverfahren entwickelt hätten.

Dazu kommt die wachsende Beliebtheit der dualen Studiengänge, in denen die künftigen Akademiker jeweils die Hälfte der Zeit an der Hochschule und in einem Betrieb verbringen. „Hier erwarte ich die größte Dynamik“, sagte Schavan.

Hält der Trend zur FH weiter an, würde ein alter Traum der Bildungsexperten in Erfüllung gehen: Seit Jahrzehnten halten Fachleute ein Verhältnis von 60 Prozent FH-Studenten und 40 Prozent Uni-Studenten für sinnvoll. De facto war das Verhältnis aber umgekehrt. Mitte der 70er Jahre besuchte nur jeder vierte Student eine Fachhochschule. Auch zu Beginn der 90er waren es erst gut 30 Prozent.


Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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