Neue Unabhängigkeit
Schäuble will keine Banken mehr im BaFin-Verwaltungsrat

Ausgewiesene Akademiker statt Broker mit Hintergedanken: Wolfgang Schäuble will die Finanzaufsicht BaFin unabhängiger von den großen Banken machen und deren Mitglieder aus dem Verwaltungsrat ausschließen.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will einem Magazinbericht zufolge den Einfluss der Bankenverbände auf die Finanzdienst-Aufsicht Bafin beschneiden und so deren Unabhängigkeit stärken.

Dem Verwaltungsrat der Behörde sollten daher künftig keine Mitglieder von Banken- und Sparkassenverbänden mehr angehören, schreibt der „Spiegel“ unter Berufung auf einen Gesetzentwurf zur Reform der nationalen Bankenaufsicht.

Stattdessen sei geplant, den Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) mit Fachleuten von Universitäten und Forschungseinrichtungen zu besetzen. Das Bundesfinanzministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Die Pläne passen zur neuen Tonlage in Frankfurt. Die neue Präsidentin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, hatte zu Beginn des Monats ihren Kurs abgesteckt und gewarnt, die schärferen Eigenkapitalvorschriften nach Basel und weitere Kapitalzuschläge für systemrelevante Banken würden nur für scheinbare Sicherheit sorgen, solange der Schattenbankensektor nicht ebenfalls angemessen reguliert werde.

Welche Ansteckungsgefahren hier für den regulierten Markt schlummern, habe die Finanzmarktkrise gezeigt, so König. Nötig seien weltweit geltende Standards für die vielen Ausprägungen der Hedge Fonds, aber auch für Geldmarktfonds und die Wertpapierleihe. „Wir sollten den Erfindergeist der Finanzindustrie im Blick halten“, empfahl König.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Man kann ernsthaft darüber diskutieren, ob die Beaufsichtigten in die Aufsicht der Aufsicht gehören. Viel wichtiger ist es aber den Kopf der "BAFin" kompetent zu besetzen. Kompetent heißt nicht, dass man die beiden ersten Absätze eines Paragraphen auswendig kennt.

    Kompetenz zeichnet sich durch Kenntnis in der Sache aus, die im zweiten Schritt dann auch in ordentliche Gesetze gegossen wird. Hier erscheint mir großer Nachholbedarf, die sich bereits aus der Vita der Zuständigen ableiten läßt.

    Im übrigen gehört die BAFin wieder als Abteilung des BMF integriert und an die kurze Leine genommen. Der Ausflug "BAFin" darf wohl eher als eine Gehalts- und Pensionsoptimierung betrachtet werden.

  • @ DERRichter,
    nicht nur das; mit welcher begründung wird unterstellt, dass Akademiker keine "Hintergedanken" haben?!
    Selbst "Politiker" aller Couleur haben doch "Hintergedanken" was z.B. ihre Pension betrifft.

  • Mag ja sein, dass die Banker im BAfin-Gremium manchmal Hintergedanken hatten. Gleichwohl ist aber doch klar zu sehen, dass unsere akademisch-beamteten Wirtschaftsweisen und Personen ähnlichen Zuschnitts sich in den letzten Jahrzehnten nicht gerade durch Prognosesicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung und Kompetenz in der Handhabung wirtschaftlicher Krisen ausgezeichnet haben. Vielleicht wäre da der ein oder andere Banker, auch wenn er manchmal Hintergedanken haben sollte, doch immer noch die bessere Wahl. Dies sage ich trotz der Tatsache, dass die oft gierig und kurzsichtig agierenden Banker mir emotional nicht gerade am Herzen liegen.

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