Neue Verkehrsagenda
Bundesregierung setzt auf das Fahrrad

29 Millionen Deutsche fahren regelmäßig mit dem Rad. Die Bundesregierung will mit dem jüngst beschlossenen Radverkehrsplan noch mehr Bürger zum Umsteigen bewegen. Manch einer kritisiert jedoch das Wie.
  • 12

BerlinDie Bundesregierung will mehr Deutsche zum Umsteigen auf das Fahrrad bewegen. Außerdem prüft sie härtere Strafen gegen sogenannte Kampfradler. Das Kabinett beschloss dazu am Mittwoch einen neuen nationalen Radverkehrsplan. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) strebt bis 2020 gemessen an den zurückgelegten Wegen eine Steigerung des Radanteils von 10 auf bundesweit 15 Prozent an. Im Zusammenspiel mit den Kommunen sollen die Infrastruktur für Fahrradfahrer verbessert und die Verkehrssicherheit erhöht werden.

Der Plan nennt keine konkreten Bauvorhaben für Radwege, sondern ist ein Strategiepapier, um den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Zu den genannten Maßnahmen gehört aber auch, dass Ramsauer härtere Strafen gegen Radler prüft, die Regeln oft missachten. Die Bußgelder für Verstöße sind weit niedriger als für Autofahrer. Zugleich sollen auch neue Strafen für Autofahrer geprüft werden, die zum Beispiel Radwege blockieren.

Bei der strafbaren Alkoholgrenze von 1,6 Promille soll es laut Verkehrsplan bleiben. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert hingegen als neuen Gefahrengrenzwert 1,1 Promille. Ab diesem Wert sollten Bußgelder verhängt werden. Das neue Konzept des Bundes knüpft an den Ende 2012 auslaufenden bisherigen Radverkehrsplan an.

Ramsauer betonte nach der Verabschiedung im Kabinett: „Mit dem Nationalen Radverkehrsplan setzen wir wichtige Impulse für nachhaltige Mobilität, für attraktive Städte und Gemeinden sowie die Stärkung von Mittelstand und Tourismus insbesondere im ländlichen Raum“. Seit 2002 habe der Bund rund 877 Millionen Euro in den Bau und die Erhaltung von Radwegen an Bundesstraßen investiert. Für alle anderen Radwege sind Länder, Kommunen und Städte zuständig. Allerdings hat der Bund zuletzt Mittel für den Radverkehr gekürzt.

Angesichts hoher Spritkosten und einer Zunahme von Elektrorädern, sogenannter Pedelecs, steigt die Zahl der Radfahrer seit Jahren bundesweit rasant an. Dank der elektrischen Hilfsantriebe werden Räder auch für längere Strecken zunehmend attraktiver. Der ADFC lobte, dass sich die Regierung des Themas Radfahren stärker annehmen wolle. „Bei Strecken unter acht Kilometern ist das Rad unschlagbar, man kommt am schnellsten von A nach B“, sagte Sprecherin Bettina Cibulski der dpa.

Seite 1:

Bundesregierung setzt auf das Fahrrad

Seite 2:

Lücke zwischen Plänen und Umsetzung

Kommentare zu " Neue Verkehrsagenda: Bundesregierung setzt auf das Fahrrad"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Dank der elektrischen Hilfsantriebe werden Räder auch für längere Strecken zunehmend attraktiver." Wie breit müssen
    die Wege für diese schnellen Räder sein, damit sie auch
    sicher sind? Wieviel Landschaft wird das kosten? Gefährliche
    Engpässe in den Orten werden bleiben. Bisher gab es
    wenige, die die Kraft hatten 25 mit dem Rad zu fahren.
    Jetzt kann es jeder. Die Fußgänger neben den alten Radwegen
    werden gefährlicher leben: Ein Schritt auf den Radweg
    kann das Ende sein. Es muss sich zeigen, wieviele dann
    doch lieber auf der Straße fahren möchten. Schon
    jetzt beobachte ich schnelle Radfahrer, die die Straße
    dem Radweg daneben vorziehen. Es ist vermutlich bequemer
    und auch sicherer. m.A. Sollte man die neuen Verkehrsmittel
    ein paar Jahre sich entwickeln lassen und dann sehen was
    man tun muss. Einige Straßen ganz dem neuen Verkehr widmen
    ist relativ preiswert und kann lokal schnell gemacht werden: Ein Geschwindigkeitsbegrenzung auf 25 reicht. Autofahrer
    werden dieser Strecken meiden und sich freuen auf den anderen Straßen weniger Radler zu sehen.

  • Früher dienten die Beiträge auf der letzten Seite der Zeitschriften und Illustrierten häufig der Unterhaltung und der Belustigung. Herr Ramsauer ist mitlerweile so etwas wie die "letzte Seite" der deutschen Politik geworden.

  • Herr Ramsauer übetreibt immer mehr in seinem Amt. Die Unfallstatistiken sind seit Jahrzehnten rückläufig. Kinder ist ein Helm auf dem Fahrrad vorgeschrieben, Erwachsene auf dem Omarad setzen ihn freiwillig als Vorbild auf. Helme gaukeln falsche Sicherheit vor und erhöhen dadurch die Leichtsinnigkeit beim Fahren.
    Wie weit will er denn noch die Deutschen in Watte packen? Beim überqueren des Bürgersteigs einen Helm aufsetzen und einen Fussgängerführerschein dabei haben? Mir fehlt da die Klugheit fürs Ganze zu denken, und Statistiken richtig zu deuten. Aber das gehört nicht zur Ausbildung eines Bäckermeisters.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%