
HannoverDie Dauer-Affäre um Bundespräsident Christian Wulff perlt an der Union ab. Eine aktuellen Umfrage zufolge legte die CDU/CSU in der Wählergunst erneut zu. Am Mittwoch wurden gegen Wulff unterdessen neue Vorwürfe der Vorteilsannahme unmittelbar nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt laut. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ und das Magazin „Stern“ berichteten, bat Wulff den Eventmanager Manfred Schmidt, am Abend des 30. Juni 2010 etwa 80 Gäste zu einer Party in Berlin einzuladen.
Die Kosten der Feier in seinem Appartement am Brandenburger Tor habe Schmidt getragen, Wulff selbst sei zu der Feier erschienen. Unter seinen Wunschgästen waren den „Stern“-Angaben zufolge auch der Freund und Unternehmer Egon Geerkens sowie der heutige FDP-Chef Philipp Rösler. Acht Tage vor dem Fest hätten Schmidts Mitarbeiter nicht nur den Einladungstext mit dem damaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker abgestimmt; sie hätten auch eine Einladungsliste von Wulffs persönlichem Büroleiter in der niedersächsischen Staatskanzlei erhalten, die nach dessen Worten mit dem damaligen CDU-Ministerpräsidenten.
„Wenn Wulff bestimmen kann, wer eingeladen wird, ist das natürlich ein Vorteil“, sagte Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim dem Magazin. Hier liege ein Verdacht der Vorteilsannahme vor. Für die Teilnahme an der Feier ließ Schmidt laut „Stern“ zumindest einen von ihm selbst eingeladenen Gast bezahlen. Er habe dem Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin, Hans Joachim Reck, 3.000 Euro berechnet.
Gegen Schmidt und Wulffs ehemaligen Sprecher Glaeseker ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover derzeit wegen Bestechlichkeit und Bestechung. Hintergrund dafür ist Sponsorenwerbung für das von Schmidt veranstaltete private Wirtschaftstreffen „Nord-Süd-Dialog“.
Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft einen Urlaub von Wulff mit dem Filmunternehmer im Herbst 2007 auf Sylt. Groenewold hatte die Kosten zunächst ausgelegt. Wulff habe den Betrag später in bar beglichen, sagt dessen Anwalt Gernot Lehr. Ins Blickfeld gerückt ist der Trip vor allem deshalb, weil eine Firma Groenewolds knapp ein Jahr zuvor eine Landesbürgschaft von vier Millionen Euro erhalten hatte - die aber nie zum Tragen kam. 2008 soll Groenewold beim Münchner Oktoberfest in einem Hotel ein 400-Euro-Upgrade für das Ehepaar Wulff bezahlt haben, angeblich ohne dessen Wissen. Nach Bekanntwerden des Falls erstattete Wulff den Betrag.
Wulffs früherer Sprecher Olaf Glaeseker wird von der Justiz verdächtigt, von dem Eventmanager Manfred Schmidt mit kostenlosen Urlauben bestochen worden zu sein. Es geht vor allem um die Lobbyveranstaltung „Nord-Süd-Dialog“, an der Schmidt kräftig verdient haben soll. 2009 hatte die Landesregierung die Party mit dem Einsatz von Studenten und kostenlosen Kochbüchern für die Gäste unterstützt, was sie aber lange bestritt. Wulff habe davon nichts gewusst, sagt sein Anwalt. Die niedersächsische SPD will nächste Woche eine Verfassungsklage gegen Wulff wegen Täuschung des Parlaments und Verletzung der Auskunftspflicht einreichen.
Der niedersächsische Landtag befasst sich Wochen mit der Frage, ob Wulff gegen das Ministergesetz verstoßen hat, als er 2008 als Ministerpräsident ein Darlehen bei der befreundeten Unternehmergattin Edith Geerkens aufnahm. Mit den 500.000 Euro finanzierte Wulff sein Haus in Burgwedel. Im Landtag verneinte er später Geschäftsbeziehungen zu Egon Geerkens. Die Opposition sieht in dem Darlehen einen Verstoß gegen das Ministergesetz und das Verbot für Regierungsmitglieder, Geschenke in Bezug auf ihr Amt anzunehmen. Doch selbst wenn so ein Verstoß festgestellt würde - strafrechtliche Konsequenzen hätte das nicht unbedingt.
Um den Kredit bei Edith Geerkens abzulösen, vereinbarte Wulff im März 2010 ein Geldmarktdarlehen bei der BW-Bank - mit günstigen Zinsen zwischen 0,9 und 2,1 Prozent. Im Dezember 2011 wandelte er den Kredit in ein langfristiges Hypothekendarlehen um. Gegen die Bank gingen mehrere Anzeigen ein, wegen des Verdachts auf Untreue, Vorteilsnahme oder Vorteilsgewährung. Die Staatsanwaltschaft sah aber keinen Anlass für Ermittlungen.
Der Anruf Wulffs bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann blieb ebenfalls ohne juristische Folgen. Der Bundespräsident hatte am 12. Dezember versucht, Diekmann zu erreichen, um gegen die geplante Berichterstattung des Blattes über seinen Hauskredit zu protestieren. Als das misslang, sprach er dem Chefredakteur auf die Mailbox. Dabei soll Wulff den „endgültigen Bruch“ und „Krieg“ angedroht haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft sah keinen Anfangsverdacht für eine versuchte Nötigung oder ein anderes strafbares Verhalten.
Wulff hatte im Dezember eine Liste mit sechs privaten Urlaubsreisen veröffentlicht, bei denen er zwischen 2003 und 2010 Gast von befreundeten Unternehmern war - überwiegend kostenlos. Die Opposition in Hannover will wissen, ob die Liste vollständig ist. Wulffs Anwalt sagt, sie sei komplett.
2010 hat Wulff einen Ausflug zum Filmball in München samt Übernachtung im „Bayerischen Hof“ vom Marmeladen-Hersteller Zentis finanzieren lassen. Wenige Wochen zuvor war er als Redner bei der Jahresabschlusskonferenz des Unternehmens aufgetreten. Wulffs Anwalt bestätigte beides. Vorschriften des Ministergesetzes seien dabei aber gewahrt worden.
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25.01.2012, 11:43 Uhr
Finanzieren wie ein Promi: Handelsblatt-Redakteure haben versucht, bei Banken die günstigen Hauskreditkonditionen der Eheleute Wulff zu beantragen. Dabei haben sie manche Überraschung erlebt.
Guten Morgen, die Zinsen fallen und die Mieten steigen….
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Welche Wertschätzung gegenüber dem politischen Gegner, wenn er noch nicht einmal daraus einen Vorteil schlagen kann?
Man hat in der Tat den Eindruck, die wollen gar nicht. Die leben ja gut damit. Haben keine Verantwortung und bekommen die gleichen Diäten und Pensionen.
Ein Schelm, der böses dabei denkt!
Ah, da ist sie endlich wieder, "meine" gute alte CDU, an der alles abperlt. Ist doch klar, daß die sich jetzt wieder erhöhter Wählergunst erfreut: So will der Wähler "seine" CDU: ignorant, unbelehrbar, ein bißchen korrupt ...
Danke liebe Medien, das habt Ihr großartig gemacht ...
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