Neuer Abrechnungsmodus soll Kliniken effizienter machen
Druck auf kleine Krankenhäuser wächst

Die neuen Fallpauschalen für die Kostenabrechnung in Krankenhäusern werden nach Einschätzung von Gesundheitsexperten den Druck auf die kleineren, nicht spezialisierten Kliniken erhöhen.

BERLIN/DÜSSELDORF. „Die Spannweite zwischen den Preisen für einfache und schwierige Fälle wird deutlich zunehmen“, sagt Heinz Lohmann, Vorstandschef des Hamburger Klinikverbunds LBK – mit Blick auf die neuen Pauschalen, die Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) Anfang September offiziell vorstellen wird und die ab 2004 gelten. Für einfache Leistungen, die bislang relativ gut bezahlt wurden, gebe es künftig weniger Geld, während die Behandlung schwieriger Fälle mit modernster Technik mehr einbringe. Das Vergütungssystem nähere sich damit an die realen Kosten pro Patient an, sagen Gesundheitsexperten – und die großen, modern ausgestatteten Kliniken profitierten.

Nach Schmidts Plänen sollen Krankenhäuser künftig je nach Diagnose eine bestimmte Fallpauschale abrechnen – bis auf wenige Ausnahmen unabhängig davon, wie lange ein Patient in der Klinik bleibt. Gut die Hälfte der 2241 deutschen Krankenhäuser testet das neue System bereits in diesem Jahr. Ab 2004 ist es für alle verpflichtend, doch dürfen die Kliniken bis 2007 die Pauschalsätze noch an die eigenen Kosten anpassen. Danach gilt dann für alle die gleiche Bezahlung.

„Kleine Häuser haben es dann noch einmal schwerer, kostendeckend zu arbeiten“, erläutert Carin Rösener, auf die Gesundheitsbranche spezialisierte Unternehmensberaterin bei Deloitte & Touche. „Vor allem falls sie versuchen, möglichst die gesamte Behandlungspalette abzudecken.“ Der Druck zu mehr Effizienz und Spezialisierung bei Krankenhäusern nehme weiter zu.

Berechnet werden die neuen Fallpauschalen vom Siegburger Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (Inek), das gemeinsam von der Deutschen Krankenhausgesellschaft und den Krankenkassen betrieben wird. Basis der neuen Sätze sind die Kostenstatistiken von 145 deutschen Kliniken – und damit von etwa 2,5 der jährlich 17 Millionen behandelten Patienten.

Allerdings ist die Datenlage unsicher: „Die Krankenhäuser wissen noch immer nicht, wie viel sie der einzelne Patient genau kostet“, sagt Rösener. Viele kleinere Krankenhäuser hätten ein Jahr lang eher zu hohe Vergütungen bekommen, glaubt Inek-Geschäftsführer Frank Heimig.

Dagegen hätten viele große Häuser geklagt, dass die Fallpauschalen für komplizierte Fälle um 25 bis 30 % unter den tatsächlichen Kosten lägen. Nach den Zahlen des Hamburger LBK kostete die Behandlung einer Magen-Darm-Entzündung im vergangenen Jahr etwa 800 Euro. Abrechnen konnte der Klinikverbund nach dem bisherigen System der Fallpauschalen aber 1 500 Euro. Umgekehrt kostete es 21 000 Euro, ein krankes Neugeborenes zu behandeln. Die Krankenkassen zahlen dem LBK jedoch nach dem aktuellen Abrechnungsschlüssel dafür nur 12 800 Euro.

Solche Extremwerte würden sich 2004 abschwächen, sagt Lohmann. Die bisherigen Sätze hätten die Leistungen und ihre Kosten nur schlecht abgebildet, da unter den 120 Kliniken, aus deren Daten die Fallpauschalen zunächst berechnet wurden, fast nur kleine Häuser waren. In die Neuberechnung werden jetzt die Daten von etwa einem Dutzend Universitätskliniken einfließen.

Gesundheitsexperten erwarten, dass die Kliniken durch die festen Sätze gezwungen werden, effizienter zu arbeiten. Die Häuser würden sich deshalb stärker spezialisieren, viele kleine Kliniken könnten sich zu den Festsätzen nicht mehr finanzieren und müssten schließen, die Patienten könnten im Durchschnitt schneller nach Hause gehen. Diese Trends dürften sich durch die anstehende Anpassung der Fallpauschalen beschleunigen. Während der deutsche Durchschnittspatient derzeit noch 9,4 Tage im Krankenhaus bleibt, sind es in Australien nur 5,9 Tage. Dort rechnen die Kliniken schon lange nach Fallpauschalen ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%