Neuer Bankenverbands-Präsident
Merkel redet Fitschen ins Gewissen

„Banken müssen dem Gesamtsystem dienen“: Bundeskanzlerin Angela Merkel ermahnt Jürgen Fitschen am ersten Tag seiner Amtszeit als Bankenverbands-Präsident. Weitere Regulierungen im Finanzbereich müssten her.
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für weitere konsequente, international abgestimmte Regulierungen im Finanzbereich plädiert. „Wir haben damals (nach 2008) den Bürgerinnen und Bürgern versprochen (...), dass jeder Finanzplatz, jeder Finanzmarktakteur und jedes Finanzprodukt einer Regulierung unterzogen werden sollen“, sagte sie am Montag in Berlin anlässlich des Präsidentenwechsels beim Bundesverband deutscher Banken. „Davon sind wir weltweit noch weit entfernt“, beklagte sie. Durch die Finanzkrise sei enorm viel Vertrauen in die Banken, auch in die Politik, verspielt worden. Das sei noch nicht in vollem Umfang wieder zurückgewonnen worden.

„Vertrauen, das ist in einem umfassenden Sinne extrem wichtig“, sagte die Kanzlerin. Sie erinnerte die Banken an ihre dienende Funktion für die Wirtschaft. „Es ist ganz wichtig, dass sich die Banken auch in dieser dienenden Funktion für das Gesamtsystem fühlen“. Was Regulierungen angehe, so sei, gerade auch auf internationaler Ebene, noch einiges zu tun.

Einiges sei allerdings schon geschafft worden, um die Banken in Deutschland zu stärken, etwa ihre Kapitalbasis. Damit sei das Vertrauen in die Solidität der Institute gestärkt worden. Die Politik habe die Aufsicht gestärkt und ausgebaut. Was aber noch fehle, sei ein einheitlicher Abwicklungsmechanismus, wenn eine Bank mit ihrem Geschäftsmodell scheitere, sagte Merkel.

Die Kanzlerin mahnte: „Wir haben noch ein Stück Wegstrecke zu gehen“. Was etwa die Eigenkapitalregeln von Basel III angehe, so müssten die nun wirklich international umgesetzt werden. Es dürfe nicht dazu kommen, dass sich andere Regionen der Welt darum drückten.

Bei allen Regulierungsnotwendigkeiten müsse man jedoch auch eine Überforderung der Banken vermeiden. „Die Gesamtbelastung der Branche muss im Auge behalten werden“, sagte Merkel. Das gelte umso mehr, als sich Deutschland und Europa derzeit in einer sehr wachstumsschwachen Phase befänden. Da seien die Banken wichtig, damit es nicht zu irgendwelchen Kreditklemmen komme. Die gespaltene Situation in Europa was Zinssätze und Wirtschaftsentwicklung angehe, sei ohnehin ein Problem.

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  • @Prequod:
    Natürlich sollte man Banken auch pleite gehen lassen - wie jedes andere Unternehmen auch, wenn es schlecht arbeitet / wirtschaftet.
    Aber dann muss man eben auch akzeptieren, dass alle ("Spar-")Einlagen, die den Maximalbetrag des entsprechenden Sicherungssystems (EU-Standard: 100.000,00 EUR) überschreiten, ganz oder teilweise weg sind, je nach Konkursquote. Denn auch wenn es viele Sparer nicht gerne hören oder für "unromantisch" halten: Auch Kontoeinlagen sind am Ende nur eine Forderung gegen ein Unternehmen (die Bank), genau so wie die Forderungen eines Lieferanten an ein Industrieunternehmen, wenn er seine Waren geliefert hat aber noch nicht bezahlt wurde.
    Dann muss man beim Geld anlegen eben auch (wie von Herrn Fitschen ganz richtig gesagt) genauer hinschauen, welcher Bank man sein Geld anvertraut. Die stabileren Banken sind meistens nicht die, die die höchsten Zinsen bieten. Stabilität kostet Geld.

  • Wenn man Banksterböcke zum Gärtner macht......Ist Angela Merkel so blauäugig oder spielt sie hier wieder irgendeine ihrer Rollen? Der neoliberale Schröder hat, mit Hilfe der Bilderberg-Grünen, den Schattenbanken in Deutschland den Weg geebnet. Merkel führt ihn ungehindert fort.

  • So müssen Banken weder gerettet noch reguliert werden,
    so lange man sie in Konkurs gehen läßt, wie jedes an-
    dere Unternehmen, auch wenn naiven Politikern, wie
    einer Angela Merkel, vorgeflunkert wird, daß man
    'systemrelevant' sei und das auch noch von ihr ge-
    glaubt wird.
    Nimmt man dem Finanzsektor die Verantwortung für ihr
    Geschäftsverhalten und läßt den Steuerzahler haften,
    kommt man aus dem Retten und Regulieren nicht mehr
    heraus, denn die Banken werden immer Wege finden,
    um die Rechte des HGB zu umgehen, wie es sich auch
    bei der Begrenzung der Boni für Banker herausstel-
    len wird. Jüngstes Beispiel ist Lloyd C. Blankfein
    von Goldman & Sachs, der offensichtlich von den
    frommen Postulaten von politischer Seite über-
    haupt nichts hält und 23 Millionen U$ Dollar an
    Boni kassierte, die aus den Geschäften am Sekun-
    tärmarkt mit der EZB, auf Kosten der Deutschen
    Steuerzahler 'erwirtschaftet' wurden, abgesegnet
    von einer ignoranten Bundesregierung mit einer
    indirekten Finanzierung über den ESM, wie mit den
    weiteren 2,8 Milliarden 'Hilfe' für Griechenland,
    die direkt in den Bankensektor fließen und damit
    an Goldman & Sachs!


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