Neuer Bundesbank-Präsident
Weidmanns Heil - und Merkels Beitrag

Ein "farbloser Technokrat" und Merkel-Diener soll Europas wichtigste Zentralbank durch die Euro-Krise steuern - kann das gut gehen? Welche Aufgaben auf Weidmann warten und was sich mit dem neuen Bundesbank-Chef ändert.
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Berlin/Frankfurt/Düsseldorf

Stabwechsel an der Spitze der Deutschen Bundesbank: Bundespräsident Christian Wulff hat dem bisherigen Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann, die Ernennungsurkunde als Präsident der Deutschen Bundesbank überreicht. Bei einer kurzen Zeremonie in Wulffs Amtssitz Schloss Bellevue händigte der Bundespräsident zuvor dem bisherigen Bundesbank-Chef Axel Weber seine Entlassungsurkunde aus - er führte die Bundesbank seit 2004. Weber war lange als Kandidat für die Nachfolge von Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt worden. Mit seiner Kritik an der Zentralbank in der Euro-Krise hatte er sich jedoch international isoliert und kündigte schließlich seinen Rückzug an.

Seinen Nachfolger Weidmann feierte seinen 43. Geburtstag erst vor wenigen Tagen. Damit wird er der mit Abstand jüngste Mann, der je an der Spitze der Deutschen Bundesbank stand. Seit er Mitte Februar zum Nachfolger seines alten wissenschaftlichen Mentors Axel Weber gekürt wurde, ist der immer akkurat gekleidete und gescheitelte Spitzenbeamte, den bisher nur die Insider im Gefolge von Merkel wahrnahmen, wie vom Erdboden verschwunden. Vermutlich bereitete sich der freundliche, jungendlich wirkende Familienvater gewissenhaft auf sein schwieriges Amt vor.

Ab Montag, nach der feierlichen Amteinführung, steht Weidmann dann aber voll im Feuer: ohne Netz und doppelten Boden muss er in schwierigen Zeiten Europas gemeinsame Währung bewahren, die Inflation bekämpfen, die Wirtschaft am Laufen halten und den Euro gegen die vielen EU-Regierungschefs verteidigen, die ihn nur zu gern mit noch mehr Schulden aufweichen wollen. Große Aufgaben für einen Mann, der bisher Entscheidungen nicht getroffen, sondern bloß vorbereitet hat, wie er selbst sagt.

Weidmann werde ein ausgezeichneter Präsident der Bundesbank, hatte ihm Merkel schon vor Wochen einen Kranz von Vorschusslorbeeren gewunden. Und Weber, der Merkel mit seinem so misstönenden wie überraschenden Abschiedsakkord erst in diese missliche Lage und Weidmann damit indirekt ins Amt gebracht hatte, nannte ihn einen "hervorragenden Ökonomen".

Andere sind sich nicht so sicher, ob Weidmann seine Aufgaben meistern kann. Der ehemalige Bundesbankpräsident Ernst Welteke, der die deutsche Zentralbank von 1999 bis 2004 führte, äußerte sich skeptisch zur Weidmanns Ernennung: " Eine Schwäche ist sicher, dass Weidmann noch nie einen so großen Apparat mit so vielen Mitarbeitern geführt hat". Allerdings stehe Weidmann als Bundesbankchef nicht alleine da, sondern die Institution funktioniere auch "aus sich heraus". Zuvor hatte bereits der Münchener Ökonom Gerhard Illing den angeblich mangelnden akademischen Hintergrund Weidmanns kritisiert.

Weidmanns ehemaliger Doktorvater Roland Vaubel übergoss gar öffentlich mit Häme und Kritik: " Ich fürchte, er ist der Aufgabe nicht gewachsen ", kritisierte Vaubel kritisierte in der "Stuttgarter Zeitung" und in der "Welt" Weidmanns Berufung zum Bundesbankchef. Weidmann sei ein "farbloser Technokrat". Weidmann hatte bei dem Mannheimer Wirtschaftsprofessor mit seiner Promotion begonnen, dann aber bei Manfred Neumann in Bonn promoviert.

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Weidmanns Heil - und Merkels Beitrag

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Weidmann muss erst noch zum Weber werden

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  • Na diese gut geschuldte FDJ-Merkel bekommt unser Land schon kaputt. ERst Wulff, dieser Antideutsche und aalglatte Typ, nun ein weiterer Vasalle für die Bundesbank.
    Ganz und gar wie Honecker

  • Klare Frage, klare Antwort:
    Nein, dan KANN NICHT gutgehen!

    Aber der Bürger begreift es erst, wenn die Spirale auf vollen Touren dreht.....!

  • Das Kind liegt bereits im Brunnen. Er braucht nur noch den Untergang zu verwalten und dabei auf "Mutti" hören.
    Zum Kriegsende wollten auch Hitlerjungen die amerikanichen Panzer aufhalten.

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