Neuer Chef der Wirtschaftsweisen: „Die Zeit der Alphatiere ist vorbei“

Neuer Chef der Wirtschaftsweisen
„Die Zeit der Alphatiere ist vorbei“

Christoph Schmidt ist neuer Vorsitzender der Wirtschaftsweisen. Er will das hochkarätig besetze Ökonomengremium viel stärker internationalisieren. Zumindest räumlich soll der Rat aber Abstand zur Politik halten.
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WiesbadenDer neue Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Christoph Schmidt, will das hochkarätige Ökonomengremium stärker internationalisieren. Es nutze niemandem, „wenn wir Fragen nicht auf der Ebene diskutieren, auf der sie sich stellen“, sagte Schmidt dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). „Und eine Energiewende kann Deutschland nun einmal nicht allein umsetzen, genauso wenig wie wir einen stabilen europäischen Währungsraum auf einer deutschen Insel konstruieren können“, sagte Schmidt, zugleich Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Der Rat veröffentliche beispielsweise inzwischen Beiträge in englischer Sprache auf internationalen Diskussionsplattformen wie VoxEU, sagte Schmidt.

Die Wirtschaftsweisen selbst haben Christoph Schmidt am Dienstag zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Er folgt damit auf Wolfgang Franz, der Ende Februar aus dem Amt ausgeschieden war. Neben Schmidt, seit 2009 im Rat, gehören Peter Bofinger, Lars Feld, Claudia Buch und seit März Volker Wieland dem Gremium an. Schmidt soll den Rat nun drei Jahre lang bis Ende Februar 2016 führen. Der Sachverständigenrat berät die Politik seit 1963. Die sogenannten Wirtschaftsweisen analysieren die Lage der deutschen Volkswirtschaft und die künftige Entwicklung im Auftrag der Bundesregierung.

„Wir müssen uns anpassen“, sagte der neue Ratsvorsitzende Schmidt dem Handelsblatt. Das gelte für die Fragen, was sie analysieren, wie sie das tun und an wen sie ihre Botschaften adressieren. Ein Umzug des Rates aus Wiesbaden nach Berlin, der in der Vergangenheit immer wieder diskutiert worden war, steht laut Schmidt allerdings nicht an: „Die räumliche Nähe hätte Vorteile – aber auch Nachteile“, sagte er. Die Unabhängigkeit sei ein hohes Gut, das sich auch durch die regionale Trennung manifestiere. „Wir beraten zudem nicht in dem Sinne, wie etwa die Berater der US-Regierung, die die Entschlüsse der Regierung den Wählern vermitteln sollen. Wir hingegen sind niemandem verpflichtet und deshalb der Anwalt der Interessen der Öffentlichkeit.“

Über seinen Führungsstil sagte Schmidt: „Die Zeiten, in denen ein Alphatier an der Spitze den Ton angibt, sind für ein so hochkarätiges Beratungsgremium vorbei.“ Die Themen seien zu vielschichtig, als dass nicht der Beitrag aller Ratsmitglieder gleichermaßen wichtig wäre. „Der Sachverständigenrat muss weiter als Team funktionieren“, sagte der neue Vorsitzende.

Das komplette Interview mit Christoph Schmidt finden Sie ab 20 Uhr bei Handelsblatt Live.

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  • 1. In das Gremium gehören keine Goldmänner, keine anderen Personen, bei denen eine Abhängigkeit von der Finanzindustrie zu vermuten ist, keine Exregoerungsmitglieder anderer Staaten und ebenso keine Personen die in irgendwelchen verdeckt arbeitenden Logen oder Komissionen organisiert ist.
    2. Ratgeber mit deutscher Staatsbürgerschaft sollten zumindest die Hälfte def Mitglieder stellen.

  • Moment mal ! Wir haben aber nach wie vor einen nationalen Rechtsraum in welchem alle Protagonisten immer noch für diesen gewählt werden, nämlich um Staat und Volk zu schützen. allein dafür ergibt sich der turnusmäßige Wahlauftrag.

    Wenn jetzt Herr Oberwirtschaftsweise herkommt und schwadronisiert die bundesdeutschen Wirtschaftsweisen müssen sich internationaliiseren, dann ist das zwar richtig in der Behebung der Problematik, nur ist das rechtliche Fundament dafür nicht valide, da wir immer noch in der Bundesrepublik verankert sind und internationale Interessen diametral konträr zum politischen Volksauftrag laufen können und werden, wie die Realität der letzten Jahre zeigt.

    Insofern ist das so einfach nicht mit der Brechstange jetzt bundesdeutsche Interessen an die Seite zu schieben Herr Oberwirtschaftsweise.

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