Neuer CSU-Generalsekretär
Guttenberg: Ein Adliger als „Wadlbeißer

Mit Karl-Theodor zu Guttenberg als Generalsekretär bekommt die CSU nicht nur ein neues Gesicht. Mit dem Spross eines fränkischen Adelsgeschlechts an der Spitze wird die Partei auch einen anderen Stil pflegen. Weniger vollmundig als unter Markus Söder, der sich als Generalsekretär als Lautsprecher der CSU verstanden hatte. Aber doch tiefschürfender als Christine Haderthauer, die mit dem etwas inhaltsleeren Slogan "Sommer Sonne Bayern" im Wahlkampf reüssieren wollte.

BERLIN. Ein Adeliger als "Wadlbeißer der CSU, kann das gut gehen? Ein Feingeist auf dem Posten, auf dem man zupacken, den Gegner stellen muss? In der CSU-Zentrale in München sind die Portraits bisheriger Generalsekretäre hinter Glas zu besichtigen. Parteilegende Franz Josef Strauss ist da zu sehen und das "blonde Fallbeil" Edmund Stoiber. Eine Truppe von Politikertypen war das, die ihr Geschäft als Kampf verstanden und den Generalsekretär als ersten Minenhund der Partei.

Schon Christine Haderthauer hat mit dieser Tradition gebrochen - freilich ohne in ihrer kurzen Amtszeit für einen Aufbruch zu sorgen. Diese Aufgabe fällt nun zu Guttenberg zu. Inhaltlich wird die CSU moderner werden, offener für Großstadtpublikum, weltläufiger. Dies mit den konservativen Werten Bayerns, der Tradition und Religion zu verbinden, hat die Partei in ihrem noch recht frischen Grundsatzprogramm versucht. Jetzt muss zu Guttenberg es mit Leben füllen.

Weltoffen, das jedenfalls ist zu Guttenberg. Als Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat er sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Beim Afghanistaneinsatz der Bundeswehr drückt er sich um das Wort "Krieg" nicht herum. Wenn sein Landesgruppenchef Peter Ramsauer markig eine Abzugstrategie fordert, fügt zu Guttenberg ein "aber" an - erst wenn die Ausbildung der afghanischen Armee beendet sei. Im Sommer 2007 bekam er Ärger wegen eines Aufsatzes, in dem er gemeinsam mit dem SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose ausgerechnet für einen Einsatz der Bundeswehr auch im Süden Afghanistans plädierte.

Schon lange gilt zu Guttenberg als eines der Talente in der CSU. In knapp sechs Wochen feiert er seinen 37. Geburtstag. Wenn Reportagen über vielversprechende Jungpolitiker geschrieben wurden, war zu Guttenberg stets an erster Stelle dabei. "Der schon wieder", stöhnten CSU-Abgeordnete, die weniger beachtet wurden. Manche stört, dass zu Guttenberg erst seit neun Jahren in der Partei ist und jetzt als Senkrechtstarter daher kommt.

Dabei gehört Politik zur Geschichte derer zu Guttenberg - seit mehreren Jahrhunderten. Im 17. Jahrhundert waren sie Fürstbischöfe in Würzburg, der Urgroßvater gehörte zur Opposition gegen Hitler, der Großvater war Staatssekretär im Kanzleramt Kurt-Georg Kiesingers. Zu Guttenbergs Vater ist Dirigent.

Der neue Generalsekretär mag also ein Feingeist sein, doch in ihm steckt auch Machtmensch, natürlich. Einen Beweis dafür lieferte er mit seiner Wahl zum Bezirksvorsitzenden Oberfrankens. Im Dezember 2007 trat zu Guttenberg gegen Hartmut Koschyk , immerhin als parlamentarischer Geschäftsführer der Landesgruppe die Nummer zwei der CSU in Berlin. Doch der junge Adlige hielt eine Rede, die ankam - und gewann. Auch im Personalgerangel der vergangenen Wochen meldete er sich zu Wort und forderte offen ein "Ende der Hinterzimmer-Mentalität".

Eine Herausforderung ist es, die Leitung der CSU-Zentrale mit dem Abgeordnetendasein in Berlin zu vereinbaren. Bernd Protzner, just der Abgeordnete, dessen Wahlkreis zu Guttenberg 2002 übernahm, hatte das einmal versucht - glücklos.

Schon länger hatte zu Guttenberg erkennen lassen, dass er entgegen allen Meldungen nicht Bundeslandwirtschaftsminister werden wolle. Als ihn Agenturen Mittwochabend einmal mehr zu Seehofers Nachfolger in Berlin ausriefen, tippte er an einen Reporter eine SMS: "Nicht jedes Gerücht folgt der richtigen Spur."

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