Neuer EZB-Chef
Schäuble stellt sich hinter „Super-Mario“ Draghi

Offiziell ist nichts entschieden. Aber hinter den Kulissen signalisiert Bundesfinanzminister Schäuble Unterstützung für Mario Draghi als neuen EZB-Chef. Ist damit der Weg frei für Italiens Notenbankchef?
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Berlin/Frankfurt/MailandIm Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Trichet hat sich Finanzminister Schäuble hinter den Kulissen nach Handelsblatt-Informationen auf den italienischen Notenbankchef Mario Draghi festgelegt. Damit steigen Draghis Chancen, im November den Chefsessel der Notenbank zu erklimmen. Im Gespräch mit Vertrauten im Finanzministerium und Bundesbank-Führungskräften hat Schäuble Draghi in den höchsten Tönen gelobt: "Schäuble schätzt Draghis guten Ruf als Notenbanker, seine Integrität und Persönlichkeit", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter dem Handelsblatt.

Nach dem angekündigten Rückzug Axel Webers von der Bundesbankspitze und seiner Ankündigung, er stehe nicht für den EZB-Chefposten zur Verfügung, sucht Schäuble nach einem Ersatzkandidaten, der die deutsche Stabilitätskultur an der EZB-Spitze vertreten kann. Schäubles Wahl setzt auf Draghi, weil Draghi stets betont, wie wichtig Preisstabilität und die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik sind. In dem instabilen geldpolitischen Umfeld in Italien hat Draghi seine Unabhängigkeit bereits bewiesen. Und wahrscheinlich wäre gerade ein Südländer wie Draghi gut geeignet, den Schuldenstaaten Griechenland, Spanien und Portugal die deutsche Stabilitätskultur beizubringen.

Draghis Chancen steigen auch, weil neben Schäuble auch andere Euro-Finanzminister wie Frankreichs Christine Lagarde den Ex-Banker von Goldman Sachs an der EZB-Spitze sehen wollen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy empfing den Italiener kürzlich sogar zu einem Vier-Augen-Gespräch.

Einzig Kanzlerin Angela Merkel bleibt Draghi gegenüber weiter skeptisch. "Ein Südeuropäer wäre kein gutes Signal", hieß es im Umfeld des Kanzleramts mit Blick auf die Trichet-Nachfolge. Wegen der wachsenden Sorgen der Deutschen um die Stabilität des Euros sei ein Italiener "innenpolitisch schwer erklärbar". Mit Webers Verzicht steht Deutschland allerdings ohne Bewerber für das EZB-Spitzenamt da. "Es gibt keinen allgemein akzeptablen Kandidaten", heißt es in Berlin.

Im Rennen um die Nachfolge läuft der Kanzlerin die Zeit davon. Schon bei ihrem nächsten Treffen Ende Juni wollen die EU-Staatschefs entscheiden, wer Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank beerben soll. Draghis Chancen im Rennen um den Chefsessel sind mit Schäubles Rückendeckung nun gestiegen.

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Draghis größtes Manko ist seine Herkunft

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  • Einst lebten in Deutschland kluge und tolerante Menschen. Heutzutage wird über alles und jeden gelästert. Die Bild-Zeitung zieht hemmungslos über Niederländer, Briten, Italiener, Franzosen, Griechen, etc. her (sei es in Politik oder auch im Sport) und keinen stört es mehr. Deutschland ist zum Meister in Beleidigung und Besserwisserei geworden.

    Es ist mit gesundem Menschenverstand völlig klar, dass es sich bei Herrn Draghi um den geeignetsten Kandidaten um den Posten handelt. Was hat denn bitteschön seine Nationalität damit zu tun? "Herr, schmeiß Hirn runter..." möchte man da sagen.

  • Sind Sie aus Griechenland, Spanien oder Portugal?
    Ich kann mir ein Schmunzeln bzgl der Rechtschreibung nicht verkneifen...

    Hier geht es genau darum! Wer erinnert sich nich in Deutschland an die Hyperinflation und die daraus resultierende Armut? Inaltionsbekämpfung war immer das unantasbare Hauptziel der deutschen Notenbank.. und was nun? Wir geben es auf um erst die Schulden der anderen Länder zu zahlen um dann die eigenen Schulden nicht mehr bedienen zu können!

    Das Paradoxe ist, dass Niemand davon profitiert! Wirklich Niemand! Weder die Schuldenstaaten, noch Deutschland, noch die Entscheidungsträger in der Politik...

    Die Elite versteht nicht, das sie sich selbst begräbt.. Kriege waren, geschichtlich betrachtet, immer ein Selbstreinigungsprozess der herrschenden Klasse. Ich bin schon gespannt wie es die nächsten Jahre weiter geht...

  • Nein wir Enden nicht im Krieg wegen dem Geld.
    Der naechste Krieg entscheidet das saubere Trinkwasser.

    Spagetthi oder Tortelini, die deutschen haben doch das Geld. Privat 4 Billionen Euro, Gesamtschulden 2,010 Billionen zur Zeit. Bleiben 2 Billinen uebrig. Abzueglich Rettungsschirm 1,5 Billionen , bleiben ergo noch 0,5 Billionen zur Zeit uebrig. Einfach gerechnet ohne Unbekannte, Portugal, Griechenland, Irland, Island, den USA, Japan ect.
    Wir habens doch , also nur keine Panik, das Merkel laetzt sich schon garnichts einfallen, war doch bei Helmut in der Lehre, oder.

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