Neuer Name für FDP-Stiftung
„Friedrich Naumann war kein Liberaler“

Wie kommt die FDP aus der Krise? Eine Umbenennung der Partei lehnt ihr Chef Lindner ab. Der eurokritische Liberale Schäffler rät zu einer Profil-Erneuerung und will damit bei der parteinahen Stiftung anfangen.
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BerlinAngesichts der Krise seiner Partei hat sich der eurokritische FDP-Politiker Frank Schäffler für eine Schärfung des liberalen Profils ausgesprochen und dafür als ersten Schritt die Umbenennung der Friedrich-Naumann-Stiftung vorgeschlagen. Die „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ solle auf den Namen Friedrich Naumanns verzichten und sich lediglich „Stiftung für die Freiheit“ nennen. „Naumann war mindestens Sozialist und Militarist, aber mit Sicherheit kein Liberaler“, sagte Schäffler Handelsblatt Online.

Schäffler empfahl seiner Partei die Denktradition der Linksliberalen um Eugen Richter und Hermann Schulze-Delitzsch aufzugreifen, „um daraus eine unverwechselbare Agenda zu entwickeln, die sie von Konservativen und Linken gleichermaßen unterscheidet“. „Gerade Schulze-Delitzsch hat mit der Gründung der Genossenschaftsbewegung gezeigt, wo der methodische Weg für die FDP hingehen muss: zu einer Graswurzelbewegung aus praktizierter Selbsthilfe statt einem immer mehr umverteilenden Wohlfahrtsstaat“, sagte Schäffler. „Den wollen bereits alle anderen Parteien in diesem Land.“

Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung wurde am 19. Mai 1958 im Hause des damaligen ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss gegründet. Ihr Name erinnert an den Theologen, Sozialpolitiker und Publizisten Friedrich Naumann (1860-1919).

Schäffler ist überzeugt, dass Naumann die falsche Persönlichkeit ist, um für das zu stehen, was die die Liberalen künftig ausmachen sollte. In seinem Newsletter, den er wöchentlich auch an zahlreiche FDP-Mitglieder verschickt, stellt er fest, dass inzwischen selbst die Stiftung den Namen Friedrich Naumanns in ihrem Namenszug „geradezu versteckt“ und klein halte, weil sie ihren Publikationen den Zusatz „Für die Freiheit“ voranstelle.

Doch konsequent sei dies nicht, bemängelt Schäffler. „Konsequent wäre es, wenn die FDP und die Stiftung mit der Tradition und dem Namen eines Friedrich Naumann rigoros brechen würde und sich nicht auf denjenigen besinnt, der „besoffen“ durch die Zeit torkelte, sondern stattdessen auf Personen in ihrer Geschichte schaut, die für einen konsequenten Liberalismus standen.“ Natürlich sei Naumann auch ein Kind seiner Zeit gewesen, räumt Schäffler ein. „Doch es wäre zu einfach, die Entwicklung Deutschlands und des deutschen Liberalismus damit zu entschuldigen.“

„Friedrich Naumann endlich zu Grabe zu tragen“

Denn andere hätten sich gegen diese Entwicklung gestellt. Der wichtigste Liberale Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland ist aus Schäfflers Sicht Eugen Richter gewesen. „Als Linksliberaler war er 30 Jahre lang der eigentliche Gegenspieler zu Bismarck und den Sozialdemokraten.“ Bereits in jungen Jahren habe Richter an der Seite von Hermann Schulze-Delitzsch gestanden, der durch die Gründung der „Vorschuss-Vereine“ die Genossenschaftsbewegung in Deutschland initiierte. „Diese Graswurzelbewegung an praktizierter Selbsthilfe war die Antwort der Linksliberalen auf den steigenden Konsum-, Kapital- und Investitionsbedarf einer wachsenden Bevölkerung, die am Wohlstand teilhaben wollten“, erklärt Schäffler.

Naumann sei dagegen „der Totengräber des deutschen Liberalismus bis zum Beginn der Weimarer Republik“ gewesen. „Sein Wirken vergiftet bis heute den organisierten Liberalismus in Deutschland“, ist Schäffler überzeugt. „Es ist die Naumann‘sche Prinzipienlosigkeit, die den organisierten Liberalismus auch heute kaputt macht. Es sind die Naumann‘schen Zugeständnisse an Sonderinteressen einzelner, die den organisierten Liberalismus zerstören. Und es ist der Naumann‘sche Glaube an die Übermacht des Staates, der lenkt, formt und für Dritte entscheidet, der heute noch die FDP zersetzt“, konstatiert Schäffler. Daher sei es an der Zeit, „die neue FDP an den Werten von Eugen Richter auszurichten und Friedrich Naumann endlich zu Grabe zu tragen.“

Schäfflers Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Mit ihrer Stiftung steht die FDP noch vergleichsweise gut da. Während die Partei noch schwer unter ihrem Bundestagswahl-Debakel im vergangenen Jahr zu leiden hat – auch finanziell, hat die Stiftung noch keine Einschränkungen zu befürchten.

2013 bekam sie rund 46 Millionen Euro, das meiste davon aus Bundesmitteln. In diesem Jahr ist es nicht viel weniger. Nach den informellen Regeln, die der Bundestag anwendet, bemisst sich die Stiftungsförderung an den vier letzten Bundestagswahlergebnissen, nicht nur am jüngsten Urnengang. Erst für 2015 rechnet man bei der Naumann-Stiftung mit weniger Geld.

Aufgabe der Stiftung, die ihren Sitz in Potsdam-Babelsberg hat, ist es laut Satzung, „Wissen im Sinne der liberalen, sozialen und nationalen Ziele Friedrich Naumanns zu vermitteln, Persönlichkeitswerte lebendig zu erhalten und moralische Grundlagen in der Politik zu festigen“. Dazu veranstaltet die Stiftung unter anderem Kongresse und fördert begabte junge Menschen mit Stipendien. Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist seit 2006 der frühere FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • "(FDP solle)...zu einer Graswurzelbewegung aus praktizierter Selbsthilfe statt einem immer mehr umverteilenden Wohlfahrtsstaat“, sagte Schäffler."
    Aber auch wie bei den anden Parteien ist nicht mehr Geschwätz, sondern Fakten ein Kriterium der Wählbarkeit.
    So sind Diäten um 10%, bei angeblichen 0,4% Teuerung, unakzeptabel. Völlig vergessen wird die Tatsache, dass diese Erhöhung bei ca. 800 EURO/Monat liegt, während 82,3% der Rentnerinnen (Stat. 2010) bis max 800 EURO/Monat Rente -nach einer Beitragsleistung- erhalten.
    Eine Partei ist wohl erst ethisch wählbar, wenn sie sich nicht mehr den Gepflogenheiten von Volkstretern (Volksräubern) anpasst und nicht mehr die simpelste Mathematik beugt nur um die eigene Gier zu stillen.
    Ber so lange "das Bier die richtige Temperatur hat...." ist die Welt der meisten Deutschen noch in Ordnung.

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