Neuer Richtungsstreit bei der AfD
Petry und Höcke streiten um Parteiausrichtung

Neuer Zoff in der AfD: Gerade erst hat die Parteivorsitzende Frauke Petry über Ex-Parteichef Bernd Lucke triumphiert, da bahnt sich bereits der nächste Richtungsstreit an. Der neue Kontrahent heißt Björn Höcke.

BerlinDie Geschichte der rechtspopulistischen AfD scheint sich gerade zu wiederholen. Drei Monate nach ihrem Sieg über den wirtschaftsliberalen Flügel unter Ex-Parteichef Bernd Lucke steuert die Vorsitzende Frauke Petry wieder auf einen Richtungsstreit zu. Ihr neuer Kontrahent ist der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke. Im Machtkampf mit Lucke setzte Petry noch eine Rechtsruck der AfD durch, indem sie etwa das Staatsverständnis des Islam als unvereinbar mit dem Grundgesetz bezeichnete. Jetzt geht es ihr darum, ein weiteres Abdriften in die äußerste rechte Ecke des politischen Spektrums zu verhindern.

Damit aber wird Höcke identifiziert, der von der „tausendjährigen Zukunft“ Deutschlands spricht und damit Erinnerungen an den Nazi-Jargon vom „tausendjährigen Reich“ heraufbeschwört. Besonders eindringlich warnt der Lehrer vor den vermeintlichen Gefahren der Flüchtlingskrise. „Wenn wir diese Entwicklung nicht stoppen, dann prognostiziere ich einen Bürgerkrieg“, sagte er etwa bei einer Kundgebung vor zwei Wochen. Zudem steht er im Verdacht, unter einem Pseudonym Texte für eine Publikation der rechtsextremen NPD verfasst zu haben.

Petry tut bislang Höckes Äußerungen öffentlich als stilistische Entgleisungen ab: „Er hat mir gegenüber eingeräumt, dass er Fehler gemacht hat und dass er bereit ist, diesen Stil zu ändern“, erklärte sie in einer Talkshow. Auch in einer Mail an die AfD-Mitglieder distanzierte sich Petry vom Auftreten Höckes, der bei seinen Kundgebungen in Erfurt Tausende Menschen anzieht. Eine öffentliche Konfrontration, wie sie sie mit Lucke geführt hat, scheut Petry bislang. Höcke selbst zeigte sich unbeeindruckt. „Wir haben einen gewählten Bundesvorstand, der eine gute Arbeit macht und der in der Lage ist, ein großes Meinungsspektrum innerhalb der AfD zu erhalten. Interne Angelegenheiten regeln wir intern“, teilte er selbstbewusst per Pressemitteilung mit.

Ob Höcke auf die Bundespolitik mehr Einfluss gewinnen will, ist für führende AfD-Mitglieder unklar. In Teilen der Partei wird aufmerksam registriert, dass Höcke im Gegensatz zu anderen Landesfürsten bundesweit von Hamburg bis München Termine wahrnimmt. Zudem steht er nicht allein. Der Brandenburger Landesvorsitzende und Bundesvize Alexander Gauland billigt Höckes Vorgehen ausdrücklich. Höcke benutze nun einmal „sehr national-romantische“ Bilder, erklärte in einem Interview. Aus seiner Sicht hat Höcke eine Diskussion darüber angestoßen, „welche Menschen wir ansprechen wollen“. Und das sei gut.

Seite 1:

Petry und Höcke streiten um Parteiausrichtung

Seite 2:

Forsa-Chef: Stärke der AfD liegt an Streit in Union

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%