Neuer SPD-Vorstoß: Weniger Rente für Reiche

Neuer SPD-Vorstoß
Weniger Rente für Reiche

Mit einer Studie will der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach die Rentendebatte in eine neue Richtung lenken: Laut der Untersuchung leben Menschen mit höherem Einkommen deutlich länger als diejenigen mit niedrigem Verdienst. Daher müsse entweder der Beitragssatz für Geringverdiener gesenkt oder das Altersgeld für Reichere gekürzt werden.

doe DÜSSELDORF. Dieses Ergebnis präsentiert das von Lauterbach geleitete Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) in einem zwölfseitigen Papier. Die Untersuchung basiert auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) des DIW. Demnach erhält ein Mann mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von unter 1 500 Euro im Schnitt 10,8 Jahre lang Rente. Sein Chef mit mehr als 4 500 Euro im Monat beziehe das gesetzliche Altersgeld dagegen für 18,2 Jahre.

Das derzeitige Rentensystem benachteilige eindeutig Gering- und Normalverdiener, das Äquivalenzprinzip sei eine Schimäre, folgert der Kölner Lauterbach. Konkrete Forderungen will der Ökonom vorerst zwar nicht erheben. Doch nennt die Untersuchung selbst eine theoretische Folgerung: Um die tatsächlichen Ausgaben für die jeweilige Personengruppe zu decken, müsste der Beitragssatz für Geringverdiener von 19,5 auf 15 Prozent gesenkt werden. Wer 3 500 bis 4 500 Euro verdient, der müsste 20,7 Prozent bezahlen. Für Bezieher höherer Gehälter würde der Beitrag auf 23,1 Prozent klettern oder das Altersgeld müsste gekürzt werden.

Im Sozialministerium wird Lauterbachs Vorschlag mit äußerstem Unbehagen aufgenommen. Offiziell lehnt Ressortchef Franz Müntefering (SPD) jede Stellungnahme ab. Tatsächlich befeuern die Rechenexempel aber die parteiinterne Debatte über die Anhebung des Rentenalters neu. Lauterbach hat bereits Gespräche mit den Gewerkschaften geführt.

Sieben Wochen vor den Wahlen in drei Bundesländern wächst bei der SPD die Nervosität. Auch im Präsidium der Partei kam es am Montag zu einer heftigen Auseinandersetzung über das die Rente mit 67. „Das war die hitzigste Sitzung seit langem“, berichteten Teilnehmer. Mehrere Sozialdemokraten äußerten in der Sitzung erneut Unbehagen über das Verfahren. Sie seien von dem Vorstoß Münteferings „überrascht“ gewesen. Müntefering wies die Vorwürfe als „schwer nachvollziehbar“ zurück. Er habe in Interviews und im Parteirat zuvor über seine Pläne berichtet.

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