Neuer Vertrag in Baden-Württemberg
Metalltarife bekommen Konjunkturklausel

Nach einer Marathonsitzung von Arbeitgebern und Gewerkschaften steht der neue Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie im Pilotbezirk Baden-Württemberg. Den Arbeitgebern gelang es, Einmalzahlungen und Sonderklauseln hineinzuverhandeln. Erste Reaktionen der Börse deuten darauf hin, dass die Anhebung für die Firmen zu stemmen ist.

HB SINDELFINGEN. Die Einigung für die 800 000 Branchenbeschäfigten in Baden-Württemberg sieht vor, dass die Löhne und Gehälter zum 1. Juni 2007 um 4,1 Prozent steigen. Nach 12 Monaten gibt es eine weitere Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1,7 Prozent. Die Arbeitgeber setzten durch, dass diese zweite Erhöhung auf Betriebsebene verhandelbar ist. Von Juni bis Oktober 2008 gibt es zudem einen Konjunkturbonus von 0,7 Prozent obendrauf. Für die Monate April und Mai 2007 bekommen die Beschäftigten 400 Euro zusätzlich als Einmalzahlung.

Die Laufzeit des Vertrages beträgt 19 Monate. Die Einigung in Baden-Württemberg gilt als Pilotabschluss für die gesamte Branche mit bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten. Damit ist der erste Metaller-Streik seit fünf Jahren abgewendet.

Der Abschluss belastet die Unternehmen nach Darstellung von Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell im laufenden Jahr mit 3,9 Prozent. Für das kommende Jahr bezifferte Roell die finanzielle Belastung am Freitag in Sindelfingen für zehn Monate mit 2,0 Prozent.

Die IG Metall zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. „Das ist ein Ergebnis mit Augenmaß, das in die Zeit passt“, sagte Südwest-Bezirksleiter Jörg Hofmann am Freitag in Sindelfingen. „Wir haben eine ordentliche Vier vor dem Komma und eine satte Einmalzahlung. Damit haben wir erreicht, was zu erreichen war.“ Außerdem sei in Struktur und Volumen der von den Arbeitgebern geforderte Konjunkturbonus verhindert worden. Einmalzahlungen blieben weiterhin ergänzende Zahlungen, die den Tarifvertrag lediglich glätteten. Schließlich sei auch der Angriff auf das Weihnachtsgeld abgewehrt und somit der von den Arbeitgebern angestrebte Wechsel in der Tarifpolitik verhindert worden.

Die IG Metall hatte bis zum Freitag mit massiven Warnstreiks ihre Kampfbereitschaft demonstriert. Wären die Verhandlungen im Südwesten ohne Ergebnis geblieben, hätte die größte deutsche Industriegewerkschaft sehr schnell eine Urabstimmung über einen Arbeitskampf beschlossen. Die IG Metall war mit der Ausgangsforderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in die Tarifrunde gegangen. Die Arbeitgeber hatten zunächst 2,5 Prozent mehr Entgelt und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent für zwölf Monate angeboten.

Auf den Kapitalmärkten wurde die Nachricht von der Einigung mit Erleichterung aufgenommen. „Der Lohnabschluss von 4,1 Prozent ist gesichtwahrend für die Gewerkschaft und moderat für die Firmen“, sagt ein Marktbeobachter. Das Thema „Streik“ dürfte demnach die Hausse der Industrie-Werte nicht mehr belasten.

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