Neuer Wirtschaftsminister
Brüderle: Jovialer Mittelstands-Freund

Rainer Brüderle ist am Ziel. Der FDP-Politiker wird Bundeswirtschaftsminister. Sein größtes Problem dürfte zunächst sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg sein, aus dessen Schatten er heraustreten muss. Auch mit Großkonzernen hat es der erfahrene Bundespolitiker nicht so – er ist bekennender Fan des Mittelstandes.
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BERLIN. Der formell noch amtierende Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat nicht nur in den Medien eine gute Figur gemacht. Dem Minister war es in den wenigen Monaten seiner Amtszeit auch gelungen, dem Ministerium kräftigen Schub zu geben. Das Haus war während der Amtszeit des zu-Guttenberg-Vorgängers Michael Glos (CSU) in Lethargie versunken. Selbst altgediente Ministeriale waren angetan von der erfrischenden Art des jungen Adligen, dem es mit Charme und Durchsetzungskraft gelang, das Haus wieder nach vorne zu bringen.

Und jetzt also Brüderle. Der joviale Rheinland-Pfälzer besitzt nicht die Strahlkraft seines Amtsvorgängers zu Guttenberg. Allerdings ist er ein mit allen Wassern gewaschener Politiker, der sich auch als Mann der Exekutive einen Namen gemacht hat. Er war elf Jahre lang Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz. In dieser Zeit, von 1987 bis 1998, diente Brüderle vier Ministerpräsidenten: den CDU-Politikern Bernhard Vogel und Carl-Ludwig Wagner sowie den SPD-Politikern Rudolf Scharping und Kurt Beck.

Seit 1998 wirkt Brüderle als Bundespolitiker. Aus dem Stand heraus wurde er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Brüderle ist wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion und leitet den Fraktionsarbeitskreis für Wirtschaft und Finanzen.

Mit seiner umfassenden Regierungserfahrung auf Landesebene empfand er die Oppositionsbank im Bundestag als besonders hart und ungemütlich. Elf lange Jahre hielt er durch. Zuletzt musste er auch noch befürchten, in seinem Politikerleben keinen Ministersessel mehr besetzen zu dürfen. Dass die Wahl auf den 64-Jährigen fiel, war nämlich längst keine Selbstverständlichkeit. Erst als Ende vergangener Woche Gewissheit herrschte, dass Wolfgang Schäuble das Amt des Finanzministers übernehmen würde, stiegen die Chancen für den Diplom-Volkswirt wieder. Da Kanzlerin Angela Merkel sich auf einen Unionsmann im Finanzressort festgelegt hatte, war klar, dass die FDP den Zugriff auf das Wirtschaftsressort haben würde.

Brüderle wird in seinem neuen Amt Gelegenheit haben, sich zu profilieren. Die Agenda seines Ressorts umfasst derzeit wichtige Punkte. Der Deutschlandfonds zur Rettung von Unternehmen, die infolge der Krise in Schieflage geraten sind, wird vom Wirtschaftsministerium gemanagt. Im Wochenrhythmus muss entschieden werden, wer Hilfe bekommt und wem sie verwehrt wird. Allerdings wird der FDP-Politiker künftig häufig gewundene Erklärungen abgeben müssen, wenn Hilfen gewährt werden: Brüderle setzt auf die Kräfte des Marktes und steht Staatseingriffen in die Wirtschaft skeptisch gegenüber.

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