_

Neuer Wirtschaftsminister: CSU-Chef zündet Allzweckwaffe Guttenberg

Als Allzweckwaffe der CSU gilt er längst. Es ist also kein Wunder, dass Parteichef Horst Seehofer nun auf Karl-Theodor zu Guttenberg als neuen Wirtschaftsminister zurückgreift. Doch ist das Ressort, zumal in diesen Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise, nicht eine Nummer zu groß für den Hoffnungsträger der CSU?

Karl-Theodor zu Guttenberg (links) wird neuer Bundeswirtschaftsminister. Das verkündete CSU-Parteichef Horst Seehofer in München. Foto: Reuters Quelle: Reuters
Karl-Theodor zu Guttenberg (links) wird neuer Bundeswirtschaftsminister. Das verkündete CSU-Parteichef Horst Seehofer in München. Foto: Reuters Quelle: Reuters

BERLIN. CSU-Chef Horst Seehofer schlug am Montag in München nun auch offiziell den bisherigen CSU-Generalsekretär Guttenberg als künftigen Bundeswirtschaftsminister vor. Zuvor war bereits durchgesickert, dass Guttenberg den Posten vom amtsmüden Michael Glos übernehmen soll. Dies ist laut Seehofer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Guttenberg werde im Laufe der Woche sein Amt antreten. Er werde ein guter Anwalt der Wirtschaft in Deutschland sein, sagte Seehofer.

Anzeige

Den ersten Zugriff hätte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer gehabt, sagte Seehofer. Es sei aber besprochen worden, dass Ramsauer den Vorsitz der Landesgruppe behalte. Neuer CSU-Generalsekretär soll der Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt werden, seine Vize die Abgeordnete Dorothee Bär.

Der künftige Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg sagte, er sei sich der großen Herausforderung in dem Amt bewusst. Er werde mit Kraft, Zuversicht, Mut und der notwendigen Bodenhaftung die Aufgabe angehen, sagte Guttenberg am Montag in München. Deutschland stecke in der größten Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre. Der bisherige CSU-Generalsekretär bekannte sich zu einem klaren marktwirtschaftlichen Kurs. Die soziale Marktwirtschaft sei eine Grundfrage seines Denkens und „kein Mittelding zwischen Sozialismus und Liberalismus“.

Guttenberg wies Spekulationen zurück, er habe seine Bereitschaft für das Amt intern an Bedingungen geknüpft. „Wenn einem ein solches Amt angetragen wird, dann stellt man keine Bedingungen, um Himmels willen“, sagte Guttenberg In Medienberichten hieß es zuvor, Guttenberg habe angeblich für die Zeit nach der Bundestagswahl den Vorsitz der CSU-Landesgruppe in Berlin beansprucht, um ein Ticket zurück auf einen Parteiposten zu haben.

Guttenberg sagte, ihm sei klar, dass seine Amtszeit zwangsläufig im Herbst mit der Wahl ende. Auch Seehofer betonte, es habe keinerlei Bedingungen oder Absprachen gegeben. In einer schwarz-gelben Koalition im Bund würde das Wirtschaftsressort tradionsgemäß an die FDP gehen. Guttenberg könnte dann jedoch auch ein anderes Ressort in Berlin übernehmen.

Adelsspross aus Oberfranken, Urenkel eines der Attentäter im Kreis um Graf Stauffenberg, profilierter Kopf in der Außenpolitik – all das ist Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Mit 37 Jahren wird er nun der jüngste Amtschef im Wirtschaftsressort in der Geschichte sein. Doch kann der das Amt in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise ausfüllen? Ist der Sprung vom einem nur dem Fachpublikum bekannten feinsinnigen Außenpolitiker zum Wirtschaftsminister nicht zu gewagt?

  • Die aktuellen Top-Themen
Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Politik versus Wirtschaft: Wie viel Kritik ist erlaubt?

Wie viel Kritik ist erlaubt?

Für Politiker sind Megaveranstaltungen wie der ESC in Aserbaidschan und die WM in Katar Anlass, mehr Demokratie zu fordern. Deutsche Unternehmen hoffen jedoch auf Großaufträge - und geraten schnell zwischen die Fronten.

Weltwirtschaftswachstum: EU rüffelt China, Japan und die USA

EU rüffelt China, Japan und die USA

EU-Kommissionspräsident Barroso und Ratspräsident Van Rompuy fordern, dass alle G20-Länder das Weltwirtschaftswachstum fördern. Europa sei seiner Verantwortung nachgekommen, hieß es, jetzt seien die anderen dran.