Neues Flughafenkonzept
Provinzflughäfen: Absturzgefährdet

In der ganzen Republik haben Bürgermeister und Landesfürsten für große Summen kleine Flughäfen aufgerüstet - regionale Prestigeobjekte, die Verluste einfahren, etwa der Flughafen Leipzig-Altenburg. Geht es nach der Bundesregierung, soll es den Wildwuchs künftig nicht mehr geben.

ALTENBURG. Idylle. Eine wolkenlose Sommeridylle im Altenburger Land in Ostthüringen. Die Sonne flirrt, die Luft steht, nur Getier regt sich. Im knietiefen Gras zirpen Grillen, in den Laubbäumen zwitschern Vögel. Der Spuk, der gleich wie ein hitziges Gewitter über das Land brausen wird, beginnt mit einem Blitzen am blauen Horizont.

Ein Strich nähert sich. Die weißen Tragflächen des Flugzeugs reflektieren die Sonne. Mit der Maschine zieht ein Rauschen auf, erfüllt die Luft, erst leise, dann lauter, und wird schließlich zum ohrenbetäubenden Dröhnen. Flug FR8926 aus London-Stansted drückt das Fahrwerk auf die Piste. An Bord sind 135 Passagiere.

Willkommen am Flugplatz Leipzig-Altenburg - einem der überflüssigsten Flughäfen Deutschlands. Gerade mal 20 planmäßige Starts und Landungen gibt es hier pro Woche. Zu wenige zum wirtschaftlichen Überleben, zu viele zum Sterben.

Diese und andere Pisten werden von Landespolitikern, die keine Kosten und Mühen scheuen, damit etwas abhebt in ihrer Provinz, künstlich am Leben gehalten, ebenso wie von Europas größter Billig-Fluggesellschaft Ryanair, einer begeisterten Bevölkerung und umtriebigen Geschäftsführern.

Geht es nach dem Bundesverkehrsministerium, soll es dies in Zukunft nicht mehr geben. In einem Entwurf zum neuen Flughafenkonzept des Bundes, der dem Handelsblatt vorliegt, ist von "Fehlentwicklungen und Fehlinvestitionen", von unnötiger "Kannibalisierung" die Rede. Namen und Orte werden in dem 81-Seiten-Papier nicht genannt. Im Fokus aber stehen Flughäfen wie Leipzig-Altenburg, Zweibrücken und Kassel-Calden, die an Landesgrenzen liegen und auf Kosten ihrer Nachbarn Leipzig-Halle, Saarbrücken und Paderborn-Lippstadt wachsen.

Der Entwurf muss zwar noch mit den Ländern sowie dem Wirtschafts- und Umweltministerium abgestimmt werden, doch schon heute ist klar: Für einige Provinzpisten wird es eng.

"Der Bund will die öffentlichen Mittel mehr lenken. Konzentriert werden sollen diese vor allem auf die beiden Drehkreuze Frankfurt und München sowie sieben weitere internationale Flughäfen", sagt Michael Stumpf, Geschäftsführer des European Center for Aviation Development in Darmstadt, das am Flughafenkonzept mitgearbeitet hat.

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