Neues Geschäftsmodell
Rürup fordert den großen Wurf bei der Gesundheitsreform

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup, hat sich für das Ende der privaten Krankenversicherung in ihrer bisherigen Form ausgesprochen.

HB BERLIN. Der Chef des Sachverständigenrats, Bert Rürup, hat sich in den Streit über eine Gesundheitsreform eingeschaltet und sich für das Ende der privaten Krankenversicherung in ihrer bisherigen Form ausgesprochen. Der Wirtschaftsweise fordert die Einführung einer „allgemeinen Versicherungspflicht“. Dies sei die „ökonomisch sinnvollste Lösung“, um die von allen Parteien erhobene Forderung nach einem fairen Wettbewerb zwischen gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) zu verwirklichen, sagte Rürup dem Handelsblatt.

Allerdings würde eine solche Reform „das faktische Aus für das derzeitig dominierende und attraktive Geschäftsmodell der PKV, die kapitalgedeckte substitutive Vollversicherung, bedeuten“. Denn auf einem einheitlichen Markt müssten PKV und GKV – wie in der Schweiz oder in den Niederlanden – nach dem Umlageverfahren arbeiten und einkommens- und risikounabhängige Pauschalbeiträge erheben. Kapitaldeckung könnte und müsste außerhalb der Umlagetarife organisiert werden. Die PKV hätte mit der umlagefinanzierten Vollversicherung ein neues Geschäftsfeld, aber ihr ginge das Neugeschäft bei der kapitalgedeckten Vollversicherung verloren und die bestehenden Prämientarife würden „vergreisen“, also mit der Zeit deutlich teurer werden.

SPD und Union sind sich bislang nicht einig, ob und in welcher Form die PKV in die geplante Gesundheitsreform einbezogen werden soll. Während die SPD die PKV in den Gesundheitsfonds integrieren möchte, lehnt die Union dies ab. Auch von den Koalitionsspitzen, die nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe am Abend im Kanzleramt zusammentrafen, wurde keine schnelle Entscheidung erwartet.

Deutlich wandte sich Rürup gegen Überlegungen, die heutige PKV an der Finanzierung der GKV zu beteiligen. Die PKV sei weder „parasitär“ noch „unsolidarisch“, und eine Kofinanzierung der GKV durch ein Anzapfen der nahezu 90 Mrd. Euro an Alterungsrückstellungen sei „definitiv der falsche Weg“.

PKV und GKV arbeiteten nach unterschiedlichen Prinzipien. Dies führe dazu, dass es weder einen echten Wettbewerb zwischen den einzelnen gesetzlichen und privaten Versicherern gebe. Denn Kennzeichen der GKV seien Kontrahierungszwang, beitragsfreie Mitversicherung der Kinder und Umlagefinanzierung über lohnbezogene Beiträge, während die PKV auf dem Kapitaldeckungsverfahren basiere und nach einer Prüfung zum Versicherungseintritt risikogerechte Prämien erhebe. Wettbewerb setze aber einen gemeinsamen Markt voraus, sagte Rürup.

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