Neues Gesetz in Deutschland
Pharmaindustrie droht mit Boykott

Eigentlich gilt Deutschland als Paradies der Pharmaindustrie. Doch mit einem neuen Gesetz hat die Bundesregierung die Lobbyisten gegen sich aufgebracht, die nun mit Boykott drohen.
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Die europäische Pharmaindustrie hat Deutschland mit schwerwiegenden Folgen gedroht, falls die Hersteller neuer Medikamente ihre Pillen zu Dumping-Preisen verkaufen müssten. Seien die Preise nicht auskömmlich, würden die Firmen Neuheiten eben nicht mehr auf den deutschen Markt bringen, sagte der Generaldirektor der Europäischen Vereinigung der Pharmazeutischen Industrie und ihrer Verbände (Efpia), Richard Bergström, dem Handelsblatt.

Hintergrund ist das neue Arzneimittelneuordnungsgesetz - kurz: „Amnog“ -, das dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen bei den Preisverhandlungen über neue Medikamente eine harte Gangart ermöglicht. „Das Gesetz ist dabei, in seinen Auswirkungen die Versorgung mit dringend benötigten pharmazeutischen Innovationen zumindest in Deutschland drastisch zu verschlechtern“, sagte Bergström.

Das „Amnog“ und seine Folgen sind Hauptthemen auf der Jahrestagung des Verbands, die morgen in Potsdam beginnt. Während in anderen Ländern die Pharmapreise traditionell reguliert werden, galt Deutschland bislang als Pharmaparadies, da es für neue patentgeschützte Medikamente keine Preiskontrolle gab. Nach neuer Rechtslage müssen die Kassen den vom Hersteller für ein neu zugelassenes Medikament frei festgelegten Preis nun nur noch ein Jahr lang zahlen.

Zugleich sind die Hersteller verpflichtet, in diesem Jahr der Prüfbehörde Dossiers für eine frühe Nutzenbewertung vorzulegen, die Bezug nehmen auf eine vom GBA ausgewählte Vergleichstherapie. Dann folgen die Preisverhandlungen. Zwar sei es für globale Pharmakonzerne selbstverständlich, ihre neuen Medikamente bewerten zu lassen oder über Preise zu verhandeln, so die Pharmalobby. „Aber die Praxis, wie sie sich in Deutschland nun abzeichnet, kennt nur ein Argument: Je billiger, desto besser“, klagt Bergström, der bis 2011 den schwedischen Arzneimittelverband geleitet hatte.

Dem für die Bewertung des Nutzens neuer Medikamente zuständigen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und dem Gemeinsamen Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen warf er vor, die neuen Medikamente nach umstrittenen Kriterien zu begutachten. Der Krankenkassen-Spitzenverband ziehe für die Preisfindung Länder mit schwacher Wirtschaftskraft als Vergleich heran.

Bislang hat nur ein Unternehmen diese Verhandlungen erfolgreich zu Ende gebracht. Astra-Zeneca erzielte für sein neuartiges Herzmedikament mit dem Wirkstoff Ticagrelor nach eigenen Angaben einen guten Preis. Das Produkt erhielt vom GBA die zweitbeste Note „beträchtlicher Zusatznutzen“. Die Mehrheit der Firmen war mit ihren Produkten - insgesamt wird derzeit über rund 28 neue Medikamente verhandelt - deutlich weniger erfolgreich.

Vier Konzerne sind aus dem Verfahren bereits ausgestiegen oder haben die geplante Markteinführung neuer Produkte zurückgezogen. Ein Kassen-Sprecher sagte, Medikamente mit echtem Zusatznutzen hätten gute Chancen, einen guten Preis zu erzielen. Verschwänden aber Präparate ohne Zusatznutzen vom Markt, sei dies kein Verlust.

Kommentare zu " Neues Gesetz in Deutschland: Pharmaindustrie droht mit Boykott"

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  • Versucht die Pharmaindustrie jetzt den Druck auf die Politik zu erhöhen, indem sie lebensnotwendige Medikamente nicht mehr im notwendigen Umfang an die Krankenhäuser liefert?

  • Wie wäre es einfach mit "weniger Fressen ?". Wer ist schuld an Adipositas ? Die Pharmaindustire ? Die Nahrungsmittelhersteller ? Oder doch der Bürger selbst, der sich hirnlos und gelangweilt von der vielen Freizeit träge vor die Glotze hockt, und sich mit Unmengen an Nahrung in die Fettleibkeit und Diabetes frisst ?

    Ich weiß ja nicht wie es Ihnen geht, aber mich hat bisher weder die Nahrungsmittelindustrie, noch die Pharmaindustrie dazu gezwungen, regelmäßig mehr als das 1,5-fache meines eigentlichen energetischen Tagesbedarfs in mich rein zu stopfen.

    Beherzigt man ein paar ganz, ganz simple Dinge und verwendet ein Minimalmaß an Selbstdisziplin (woran es ja normalerweise scheitert), dann liegt man auch mit 50 Lebensjahren noch weit von der Adipositas entfernt - trotz eifrigen Genusses und ohne Askese.

  • Und die 120.000 Jobs werden nur von den 82.000.000 Mio Bürger bezahlt, die übertrieben teuere Medikamente kaufen müssen. Pharmafirmen bezahlen also übertriebene Gehälter und machen dazu noch Milliardengewinne.

    Was ist denn, Ihrer Ansicht nach, billiger für das Volk?

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