Neues Konzept
Experten plädieren für allgemeine Unternehmensteuer

Ungeachtet der künftigen Regierungskoalition gehen die Arbeiten an einer umfassenden Reform der Unternehmensteuern weiter. Experten haben jetzt ein neues Konzept erarbeitet. Sie empfehlen eine eine allgemeine Steuer, die alle Firmen - unabhängig von der Rechtsform - erfasst und die kommunale Unternehmensteuer integriert.

HB BERLIN. „Eine allgemeine Unternehmensteuer für Kapital- und Personengesellschaften, die auch Teil einer Kommunalfinanzreform ist, stellt eine Vereinfachung dar“, sagte Prof. Johanna Hey von der Stiftung Marktwirtschaft, die das Konzept erarbeiten ließ. Firmen würden nicht mehr drei unterschiedlichen Steuern (Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer) unterworfen, sondern einer niedrigen Unternehmensteuer.

Die derzeit hohe Belastung von Kapitalgesellschaften - das sind Aktiengesellschaften und GmbH - von rund 39 Prozent müsse deutlich gesenkt werden. „Das darf aber nicht die Personengesellschaften, die etwa 80 Prozent der deutschen Unternehmen stellen, benachteiligen“, sagte die Düsseldorfer Expertin. „Die große Herausforderung ist, die Personengesellschaften einzubeziehen in eine deutlich niedrigere Unternehmensbesteuerung. Daran krankt Deutschland bisher.“

Kapitalgesellschaften müssen derzeit 25 Prozent Körperschaftsteuer auf ihren Gewinn zahlen. Hinzu kommt die Gewerbesteuer, deren Höhe von Ort zu Ort variiert. Im Schnitt sind es 14 Prozent. Personengesellschaften zahlen Einkommensteuer, deren Steuersatz gegenwärtig zwischen 15 und 42 Prozent liegt. Auch bei Personengesellschaften wird Gewerbesteuer fällig, sie können sie aber teils mit der Einkommensteuer verrechnen.

Hey plädiert für eine starke Senkung der Unternehmensteuer. „Wir müssen mit einem deutlichem Schritt einsteigen und nicht mit Tippelschritten“. Möglich sei ein Korridor zwischen 25 und 30 Prozent. „Wenn das nur schrittweise gemacht wird, verpufft das Signal an das Ausland.“ Die Frage sei natürlich, ob dies finanzierbar ist. „Es ist aber gefährlich, Steuerpolitik immer nur mit Gegenfinanzierungsargumenten zu betreiben. Wir haben keine andere Wahl.“ Eine Abschottung sei auch europarechtlich nicht mehr möglich.

Gesonderte Klein-Unternehmerregelung

„Wenn es eine Maßnahme mit Selbstfinanzierungseffekt gibt, dann im Bereich der Unternehmensteuer.“ Die Stiftung schlägt vor, dass alle Unternehmen den zu erwartenden niedrigen Satz für einbehaltene Gewinne genießen. Bei Ausschüttung wird der Vorbelastung durch eine ermäßigte Einkommensteuer Rechnung getragen. Eine Doppelbelastung im Progressionsbereich wird vermeiden durch begrenzte Abzugsfähigkeit von Gewinnentnahmen. Diese unterliegen dann nur der Einkommensteuer. Durch eine Klein-Unternehmerregelung werden Firmen mit geringem Gewinn berücksichtigt. Sie bleiben in der Einkommensteuer.

Reine Verlustzuweisungsgesellschaften wie Steuersparfonds sollen trockengelegt werden. Die Verrechnung von Verlusten nur auf Unternehmensebene aber soll uneingeschränkt möglich sein, so Hey. „Wenn ein Unternehmer tatsächlich persönlich für den Verlust eintritt, soll er das in der Einkommensteuer verrechnen können.“ Die Mindeststeuer müsse wieder abgeschafft werden. „Im Unternehmensbereich benötigen wir eine volle Verlustverrechnung. Ansonsten finden risikoreiche Investitionen nicht statt.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%