Neues Regelwerk habe "legitimen Anspruch"
Kultusministerkonferenz: Verunsicherung beginnt jetzt richtig

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat die Entscheidung der Axel Springer AG und des Spiegel-Verlags kritisiert, wieder die alte Rechtschreibung anzuwenden. Sie führe „in hohem Maße zur Verunsicherung gerade bei Kinder und Jugendlichen“, erklärte das KMK-Sekretariat am Freitag in Bonn.

HB BONN. Seit 1998 lernten etwa 12,5 Mill. Schülerinnen und Schüler nach dem reformierten Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. „Das geschah und geschieht weitestgehend ohne Probleme, wie die Rückmeldungen aus den Schulen zeigen.“

Die Kultusministerkonferenz habe über Jahre dafür Sorge getragen, dass die unterschiedlichen Interessen in die Diskussion um die Rechtschreibreform einbezogen wurden. So gehörten die Bundesverbände der Zeitschriften- und Zeitungsverleger dem Beirat für deutsche Rechtschreibung an und hätten ebenso wie die anderen Mitglieder, wie beispielsweise das PEN-Zentrum Deutschland, der Verband der Schriftsteller, die Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen oder der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in den vergangenen Jahren den Prozess der Rechtschreibreform zustimmend begleitet.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz Doris Ahnen sagte zu der Entscheidung: „Wenn in der Debatte um die Rechtschreibreform laufend von Chaos und Verunsicherung die Rede ist, erlaube ich mir die Frage: Wer verunsichert hier eigentlich die Menschen?“

Die Entscheidung der beiden Verlage zeige keinen Weg auf, wie mit den widerstrebenden Interessen in der Reformdebatte umzugehen sei „und wie sich Sprache künftig weiter entwickeln soll“. Sprache- und Schreibweisen müssten für alle erlernbar sein, sagte Ahnen. Die Schulen entließen Jahr für Jahr über 800 000 junge Menschen in den Arbeitsmarkt. Deshalb sei ein einheitliches Regelwerk „legitimer Anspruch“. Und diese Regeln seien mit der Rechtschreibreform im Sinne der Anwender vereinfacht worden.

Ahnen: „Wir brauchen auch ein einheitliches Regelwerk für den gesamten deutschen Sprachraum.“ Dazu gehörten auch die Länder Österreich, Schweiz und Liechtenstein. Eindinglich warnte die KMK- Präsidentin davor, jetzt eine „rein innerdeutsche Debatte zu führen“.

An dem Reformprozess der deutschen Rechtschreibung seien „über viele Jahre viele Menschen beteiligt gewesen“. Dazu gehörten von Anfang an auch die Verlegerverbände, sagte die KMK-Präsidentin weiter. Es sei deren Aufgabe gewesen, die Auffassungen und Interessen der Verlage dort einzubringen. Um so verwunderlicher sei das jetzige Vorgehen der beiden großen Verlage.

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