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Neues Spitzenduo: Grün ist die...?

In einer Urabstimmung haben die Grünen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt zu den Anführern des Bundestagswahlkampfs erkoren. Eine durchaus überraschende Wahl. Aber wofür steht das neu formierte Duo eigentlich?

BerlinJürgen Trittin und – das ist etwas überraschend – Katrin Göring-Eckardt, so heißt also das neue Spitzenduo der Grünen, das gemeinsam in den Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr ziehen wird. Was ist von den beiden zu erwarten?

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Zunächst will das neu formierte Duo breite Wählerschichten ansprechen. Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckardt sagte am Samstag vor Journalisten in Berlin, die jüngsten Erfolge der Grünen in Baden-Württemberg zeigten, „dass die bürgerliche Mitte eine bessere Gesellschaft will“. Die Grünen wollten einen Kurs einschlagen, „der für Zusammenhalt steht“.

Dazu zählten eine menschlichere Flüchtlingspolitik, gesellschaftliche Teilhabe von Migranten, echte Gleichberechtigung für Homosexuelle und mehr Demokratie, sagte sie bei der Pressekonferenz. Mit „harten Fakten“ solle „das Versagen“ der amtierenden Regierung deutlich gemacht werden. Der Wahlkampf dürfe aber auch Spaß machen, versicherte Göring-Eckardt.

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Der ebenfalls durch die Urwahl als Spitzenkandidat nominierte Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, die Partei müsse das gesamte Spektrum an Themen abbilden. Beide Kandidaten machten deutlich, dass sie nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr die Ablösung von Schwarz-Gelb durch eine rot-grüne Koalition anstreben. Es gehe um „Grün oder Merkel“, sagte Göring-Eckardt. „Deutschland braucht einen Kurswechsel“, betonte Trittin. Als zentrale Wahlkampfthemen nannte er die Energiewende, Gerechtigkeit und einen „neuen Aufbruch für eine offene Gesellschaft“.

Göring-Eckardt hatte bei der Urwahl mit 47,3 Prozent ein überraschend gutes Ergebnis erhalten, Trittin erzielte mit 71,9 Prozent ein noch besseres Resultat. Demgegenüber scheiterten Ko-Fraktionschefin Renate Künast mit 38,6 Prozent und Parteichefin Claudia Roth mit 26,2 Prozent klar. Mit Spannung wird nun erwartet, ob Roth auf dem Hannoveraner Parteitag am kommenden Wochenende erneut für den Vorsitz kandidiert.

Das Experiment der innerparteilichen Demokratie, das die Grünen als erste Partei gewagt haben, hat funktioniert. Politisch ändert sich zwar nicht viel. Für Chefin Claudia Roth ist es jedoch ein eindeutiges Fanal.

Künast setzt auf Geschlossenheit

Künast gratulierte artig den Gewinnern. Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt hätten jetzt das „starke Votum der Partei im Rücken“ und alle gemeinsam den Auftrag, die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abzulösen, sagte Künast am Samstag. Die Berliner Bundestagsabgeordnete unterlag bei der Abstimmung mit 38,6 Prozent klar und kam hinter dem Spitzenduo nur auf den dritten Platz.

Sie werde ihre „Kraft als Fraktionsvorsitzende und natürlich auch in meinem Landesverband Berlin und im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg dafür einsetzen“, wieder in Regierungsverantwortung zu kommen, betonte Künast. Sie fügte hinzu: „Wir können es schaffen und werden es gemeinsam und geschlossen angehen, die Regierung Merkel abzulösen und durch eine handlungsfähige Regierung von Grünen und SPD zu ersetzen.“

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