Neues Uno-Zentrum in Bonn
Bundeshauptstadt für einen Tag

Eine vergessene Hauptstadt sieht anders aus. Gestern morgen herrschte im alten Regierungsviertel am Rhein sogar Hektik wie zu Zeiten der Bonner Republik: Absperrungen, Polizeieskorten, Kamerateams, Zaungäste. Alles wurde wieder aufgeschlossen und funktionierte für einen Tag wie bis vor sieben Jahren, bevor die Regierung nach Berlin umzog.

DÜSSELDORF / BONN. Im Palais Schaumburg, dem alten Kanzleramt, sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan über einen möglichen deutschen Sitz im Weltsicherheitsrat. Im früheren Plenarsaal des Bundestages feierten sie Bonn als Uno-Stadt. Und im ehemaligen Abgeordneten-Hochhaus nebenan sind seit Dienstag elf Uno-Organsationen konzentriert, die bisher über die Stadt verteilt waren. Die „Bundesstadt“ ist nun neben Genf, Wien und Paris vierter offizieller Uno-Sitz in Europa.

Auf dem „Langen Eugen“, dem Wahrzeichen der alten Bundeshauptstadt, prangt das blau-weiße Logo der Vereinten Nationen. Der Plenarsaal wurde zum Internationalen Kongresszentrum, demnächst ziehen in das alte Angeordnetenhaus Mitarbeiter des Uno-Klimasekretariats Organisation Nummer zwölf.

Das Rheinland-Städtchen feiert mit seiner neuen Aufgabe als wichtigstem deutschen Uno-Standort eine Renaissance. Inoffiziell steht längst fest, dass Bonn einer der wichtigsten Uno-Standorte Europas werden will. 640 Uno-Mitarbeiter arbeiten bereits in Bonn; nach dem Umzug sollen es noch mehr werden.

Verklungen ist die Häme, als 1995 das Uno-Sekretariat zur Bekämpfung der Wüstenbildung und das Sekretariat zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen mit einer Handvoll Mitarbeitern an den Rhein zogen. Alle Städte-Rankings belegen, dass der Strukturwandel der Stadt nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin geglückt ist. Größter Arbeitgeber ist nicht mehr der Bund, sondern die Deutsche Telekom; im Schürmann-Bau sitzt die Deutsche Welle.

Die Stadtverwaltung teilt gerne mit, dass es den Bonnern heute genauso gut gehe wie zuvor. Bonn hat steigende Einwohnerzahlen, die Arbeitslosenquote ist im Bundesvergleich unterdurchschnittlich und die Bürger gehören auch ohne die Politiker zu den reichsten im Land. Es würde nicht überraschen, wenn die Stadt demnächst eine Studie veröffentlicht mit dem Tenor, dass die Bonner auch die Glücklichsten sind. Die Geburtenrate, einer der höchsten in Nordrhein-Westfalen, lässt darauf schließen.

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