Neujahrsansprache Merkel sieht in gelungener Einwanderung „Chance von morgen“

In ihrer Neujahrsrede fordert Bundeskanzlerin Merkel die Bürger zum Schulterschluss gegen Ausländerfeinde auf. Sie wirbt um Geduld, Engagement und Zusammenhalt – Deutschland dürfe sich nicht spalten lassen.
Update: 31.12.2015 - 04:37 Uhr

„Wir schaffen das, denn Deutschland ist ein starkes Land“

BerlinKanzlerin Angela Merkel (CDU) hat trotz aller Probleme die mit den vielen Flüchtlingen verbundenen Chancen für Deutschland betont und zum Zusammenhalt gegen Fremdenhass aufgerufen. „Es kommt darauf an, denen nicht zu folgen, die mit Kälte oder gar Hass in ihren Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen“, sagte sie in ihrer vorab veröffentlichten Neujahrsansprache, die an diesem Donnerstag ausgestrahlt werden soll. „Es kommt darauf an, dass wir uns nicht spalten lassen“, betonte sie, ohne die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung zu nennen.

Von gelungener Einwanderung habe ein Land noch immer profitiert, sagte Merkel. „Richtig angepackt, ist auch die heutige große Aufgabe des Zuzugs und der Integration so vieler Menschen eine Chance von morgen.“ Die Kanzlerin warb erneut um Geduld bei der Bewältigung der Krise, die Deutschland noch einiges abverlangen werde. „Das wird Zeit, Kraft und Geld kosten - gerade mit Blick auf die so wichtige Aufgabe der Integration derer, die dauerhaft hier bleiben werden.“

Krisen der Welt bleiben im Fokus

Es gebe aber „ein großartiges bürgerschaftliches Engagement und ein umfassendes Konzept politischer Maßnahmen“. Auch international gehe es darum, die EU-Außengrenzen besser zu schützen, Fluchtursachen zu bekämpfen „und so die Zahl der Flüchtlinge nachhaltig und dauerhaft spürbar zu verringern“. Genauere Angaben zu dieser Reduzierung machte Merkel nicht. Sie wiederholte ihren umstrittenen Satz: „Wir schaffen das, denn Deutschland ist ein starkes Land.“

Die Kanzlerin wandte sich erneut gegen eine Abschottung angesichts der Krisen in der Welt. „Es kommt darauf an, auch in Zukunft ein Land sein zu wollen, in dem wir selbstbewusst und frei, mitmenschlich und weltoffen sind.“ Zugleich gebe es aber Grundvoraussetzungen für das Zusammenleben aller, die die deutsche Gesellschaft trügen. Dazu gehörten „unsere Werte, unsere Traditionen, unser Rechtsverständnis, unsere Sprache, unsere Gesetze, unsere Regeln“.

„... dann ist das nicht mein Land.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 31. August in Berlin
1 von 10

„Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das. Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.“

Angela Merkel in der „Rheinischen Post“ am 10. September
2 von 10

„Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte kennt keine Obergrenze. Das gilt auch für die Flüchtlinge, die aus der Hölle eines Bürgerkriegs zu uns kommen.“

CSU-Chef Horst Seehofer im „Spiegel“ am 11. September zum Entschluss Merkels, Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland kommen zu lassen
3 von 10

„Das war ein Fehler, der uns noch lange beschäftigen wird. Ich sehe keine Möglichkeit, den Stöpsel wieder auf die Flasche zu kriegen.“

Merkel am 15. September in Berlin
4 von 10

„Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am 6. Oktober
5 von 10

„Die Bundeskanzlerin hat ja nicht gesagt: Wir schaffen das mit links.“

Auf einem Plakat von CDU-Mitglieder am 14. Oktober bei einem Regionalkongress der CDU im nordsächsischen Schkeuditz
6 von 10

„Flüchtlingschaos stoppen - Deutsche Kultur + Werte erhalten - Merkel entthronen“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der „Welt“ am 19. Oktober
7 von 10

„Die Flüchtlingskrise ist die größte Herausforderung, vor der Deutschland je stand. Größer als die Wiedervereinigung. Damals trafen Menschen aufeinander, die alle Deutsch sprachen und einen ähnlichen kulturellen Hintergrund hatten. Das ist heute anders.“

Mit Blick auf teils hasserfüllte Diskussionen über Flüchtlinge rief die Kanzlerin zu Sachlichkeit auf. „Es kommt darauf an, dass wir immer auch den Argumenten des anderen zuhören, auch wenn er Sorgen und Chancen anders gewichtet, als man selbst es tut.“

Merkel würdigte die Arbeit vieler Helfer in den vergangenen Monaten. „Danke für die überwältigende und tatsächlich bewegende Welle spontaner Hilfsbereitschaft, die wir in diesem Jahr erlebt haben, als so viele Menschen oft lebensgefährliche Wege auf sich genommen haben, um bei uns Zuflucht zu suchen.“ Neben Polizisten, Soldaten und Behördenmitarbeitern dankte sie ausdrücklich den freiwilligen Helfern „für ihre Herzenswärme und ihre Einsatzbereitschaft, die immer mit diesem Jahr 2015 verbunden sein werden“.

In der Koalition geht der Streit weiter
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Neujahrsansprache - Merkel sieht in gelungener Einwanderung „Chance von morgen“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%