Nicht angemesse
Widerstand gegen Verringerung der Lehrlingsgehälter

Der Vorschlag des DIHK-Präsidenten Georg Braun, die Lehrlingsgehälter drastisch zu kürzen, ist bei Parteien, Gewerkschaften und Handwwerk auf Ablehnung gestoßen. So bezeichnete Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) Brauns vorgeschlagenen Basislohn von 270 Euro als nicht angemessen.

HB BERLIN. Dies sei „doch recht weit entfernt von dem Durchschnitt der Ausbildungsvergütungen“, sagte Clement am Montag in Berlin.

Auch CDU/CSU-Fraktionsvize Ronald Pofalla (CDU) wandte sich gegen eine gesetzliche Reduzierung der Lehrlingsgehälter. Allerdings müssten die Tarifpartien „ohne Denkblockaden“ über Lohn und Ausbildungszeiten sprechen, „damit mögliche Einstellungsbarrieren für Azubis in den Betrieben verschwinden“.

Braun - Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) - hatte am Wochenende niedrigere Gehälter für Lehrlinge gefordert, um die Ausbildungsbereitschaft vor allem in kleineren Unternehmen zu fördern. Eine Ausbildungsvergütung von bis zu 800 Euro sei für viele Betriebe zu hoch. Deshalb schlug Braun eine bundesweite Basisvergütung von 270 Euro vor.

Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer sprach von „scharfmacherischen Vorschlägen“. Er forderte, einem Einfrieren der Ausbildungsentgelte müssten Garantien für mehr Lehrstellen gegenüberstehen. Der Juso-Bundesvorsitzende Björn Böhning ergänzte, mit diesem Vorschlag treibe man die Auszubildenden in die Armut.

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zeigte sich skeptisch. In manchen Branchen werde ausdrücklich mit höheren Lehrlingsgehältern geworben, um Bewerber anzulocken, sagte ZDH- Sprecher Alexander Legowski im ZDF. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) schlug alternativ ein leistungsabhängiges Lehrlingsgehalt vor, bei dem eine Basisvergütung von 300 bis 500 Euro durch leistungsbezogene Zuschläge ergänzt wird.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rief dazu auf, den Anteil der Lehrlinge am wirtschaftlichen Erfolg zu berücksichtigen. DGB- Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock sagte: „Auszubildende sind keine Bittsteller - heute nicht und erst recht nicht morgen, wenn die Unternehmen wieder über Fachkräftemangel klagen.“

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