"Nicht angemessen"
Stahl-Tarifvertrag erzürnt Arbeitgeber-Spitze

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) haben die Tarifeinigung in der westdeutschen Stahlindustrie als zu hoch kritisiert.

HB BERLIN/DUISBURG. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte, auch wenn es der Branche derzeit recht gut gehe, sei eine Lohnerhöhung von 3,5 % nicht angemessen. "Man hat hier nicht widerstanden, eine überproportionale Lohnerhöhung zu machen, die voll in die Preiskalkulation eingehen wird.“ Aus Arbeitgebersicht wäre es sinnvoller gewesen, die Einmalsituation wie den derzeitigen Stahlboom auch mit einer Einmalzahlung zu bedienen und die proportionale Steigerung deutlich niedriger zu halten.

Ein BDA-Sprecher sagte, der Abschluss könne kein Orientierungspunkt für andere Tarifverhandlungen in diesem Jahr sein. Der Stahl-Abschluss sei von branchenspezifischen Faktoren geprägt wie die außergewöhnlich günstige Geschäftsentwicklung in diesem Bereich.

Dagegen pflichtete Deutschlands größter Stahlkonzern Thyssen-Krupp dem Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Stahl, Helmut Koch, bei. Dieser hatte erklärt: "Unter dem Druck eines Arbeitskampfes können und wollen wir mit diesem Abschluss leben." Ein Thyssen-Krupp-Sprecher sagte in Duisburg, der Abschluss sei "gerade noch vertretbar“. Bei einem Streik wäre die Versorgung der Kunden gefährdet gewesen. Ein verschärfter Personalabbau sei durch die zusätzliche Kostenbelastung nicht zu erwarten.

Arbeitgeber und IG Metall hatten sich in der Nacht nach rund achtstündigen Verhandlungen in Dortmund auf den neuen Tarifvertrag für die 85 000 Beschäftigten geeinigt, der eine Laufzeit von 12 Monaten hat. Die 3,5 % mehr Lohn werden ab September gezahlt, für die Monate bis dahin bekommen die Mitarbeiter eine Einmalzahlung von 500 Euro. Lehrlinge sollen 100 Euro erhalten.

Angesichts der Einigung im Tarifstreit dürfte die Gewerkschaft die angekündigte Urabstimmung der gewerkschaftlich organisierten Stahlwerker über einen Streik absagen. Zuvor muss die Tarifkommission aber entscheiden, ob sie das Verhandlungsergebnis akzeptiert. Auch die Arbeitgebergremien müssen zustimmen.

Die Stahltarifverhandlungen für die ostdeutsche Stahlindustrie waren ebenfalls gescheitert. Allerdings hat die Gewerkschaft dort noch keine Urabstimmung beantragt.

Die deutschen Stahlwerke sind angesichts des weltweiten Stahlbooms noch voll ausgelastet. Durch zunehmenden Lageraufbau der Kunden und gestiegene Stahlimporte in die EU sind die Preise jüngst aber leicht unter Druck geraten. Führende Stahlhersteller wie ThyssenKrupp oder Salzgitter haben daher mit Produktionskürzungen reagiert. Ein Ende des Stahlbooms ist nach Einschätzung des deutschen Stahlverbands aber nicht in Sicht. Allenfalls wird eine Abschwächung auf hohem Niveau erwartet.

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