„Nicht ein Beweis“
Verteidiger von Motassadeq fordern Freispruch

Freispruch haben die Verteidiger des als Terrorhelfer angeklagten Mounir El Motassadeq den Marokkaner gefordert. In seinem Plädoyer vor dem Hamburger Oberlandesgericht (OLG) sagte Anwalt Udo Jacob am Freitag: „Es ist nicht ein einziger Beweis für die gesamte Anklage gegeben.“

HB HAMBURG. ,Die Bundesanwaltschaft wirft Motassadeq vor, als Mitglied einer Hamburger Terrorzelle um die späteren Todespiloten des 11. September 2001 Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen geleistet zu haben. Die Anklagevertreter hatten bereits 15 Jahre Haft für den Marokkaner gefordert.

In einem ersten Verfahren war der 31-Jährige vom OLG zu dieser Höchststrafe verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte den Urteilsspruch jedoch wegen Mängeln in der Beweisführung aufgehoben. US-Geheimdienste und deutsche Behörden hatten möglicherweise entlastende Aussagen des mutmaßlichen Terrordrahtziehers Ramzi Binalshibh gesperrt. Das Urteil in der Neuauflage des Prozesses soll am 19. August fallen.

„Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass jemals eine terroristische Vereinigung in Hamburg-Harburg entstanden ist“, sagte Jacob. Es habe lediglich mehr oder wenige lose Treffen der späteren Attentäter und anderer gegeben. Dass diese Gruppe irgendwelche Anschlagpläne ersonnen habe, sei nicht bewiesen. „Bloßes Gerede über den Dschihad (Heiliger Krieg) begründet noch keine terroristische Vereinigung.“

Jacob warf der Bundesanwaltschaft vor, ihre Anklage auf Unterstellungen zu gründen. Er kritisierte auch die amerikanischen und deutschen Ermittlungsbehörden. Im ersten Prozess hätten sie mit der Aussage von Binalshibh und anderer Terrorverdächtiger dem OLG ein Wissen vorenthalten, dass letztendlich dem Urteil widersprochen habe. „Das Gericht wurde für dumm verkauft“, sagte der Verteidiger. Die USA hatten zusammengefasste Aussagen von Binalshibh und anderen für den zweiten Prozess geliefert. Während die Verteidigung in deren Inhalt eine Entlastung für Motassadeq sieht, hält die Anklage die Zeugen für unglaubwürdig.

Die Geldgeschäfte und Mietangelegenheiten, die Motassadeq für einige der späteren Todespiloten erledigt hatte, nannte Jacob „normale Gefälligkeiten“. Sie hätten keineswegs, wie von der Anklage behauptet, zur „Verschleierung“ der angeblichen Attentatspläne gedient.

Der Anwalt verteidigte auch einen Aufenthalt Motassadeqs in einem Ausbildungslager der El Kaida in Afghanistan. Der Marokkaner hatte diesen mit religiösen Verpflichtungen begründet. „Seine ganze Ausbildung dort war für ihn nicht mit El Kaida oder Osama bin Laden in Zusammenhang“ gestanden, sagte Jacob.

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