Doch die gute Anbindung allein macht es nicht. Man kümmert sich in Langenfeld intensiv um die Gewerbetreibenden, errichtet Netzwerke, spricht mit Unternehmern, fragt, wo der Schuh drückt, hilft, wo man kann. Und sei es nur mit einer neuen Bushaltestelle, damit Mitarbeiter morgens bequemer zur Arbeit kommen.
So geschehen mit dem jüngsten Zuzug, dem Ramsch-Verwerter Silag. Die Aktiengesellschaft mit 500 Mitarbeitern kauft Ladenhüter auf, verpackt sie neu und verkauft sie wieder. Der Vorstandsvorsitzende Siegfried Lapawa hatte vom Standort Solingen so sehr die Nase voll, dass er mit Sack und Pack in das alte Agfa-Gevaert-Gebäude nahe der A3 zog. "In Langenfeld", sagt Lapawa, "werden wir mit offenen Armen empfangen." Ihm gefällt es hier so gut, dass er zum Dank ein 41 Quadratmeter großes Transparent ans Firmengebäude pinnen ließ. Lapawas Botschaft, gut zu sehen von der A3: "Steuerparadies Langenfeld: Platz für gute Geschäfte!"
Tatsächlich fährt Langenfeld seit dem vergangenen Jahr die Belastungen sukzessive zurück. Der Gewerbesteuerhebesatz fällt bis zum Jahr 2009 schrittweise von 403 auf 360 Prozent. In zwei Jahren dann hat Langenfeld die niedrigste Gewerbesteuer in ganz NRW. Auch der Hebesatz der Grundsteuer B soll im gleichen Zeitraum von 381 Prozent auf 336 Prozent fallen. Die übrigen Abgaben und Gebühren sind seit Jahren stabil oder sinken sogar leicht, während sie andernorts kräftig steigen. "Sparen ist kein Selbstzweck", sagt Staehler, "wir müssen die Rendite unserer Politik an die Bürger und Unternehmen zurückgeben."
Wen stört da, dass Langenfeld alles andere als eine architektonische Perle ist? Dass es sich hier nicht hübsch flaniert in historischen Gässchen? Langenfeld macht das Beste draus, verkauft sich als modernes Mittelzentrum - nicht schön, aber praktisch. Gute Infrastruktur, viele Freizeitangebote von der Wasserski-Anlage bis zum Reiterhof, und vor allem: viele Parkplätze. "Der Kofferraum", sagt Staehler grinsend, "ist die größte Einkaufstasche des Kunden."
Das zieht offenbar. Die Bürgerschaft steht hinter Staehler, bei der vergangenen Direktwahl erhielt er 70,5 Prozent. "Bayrische Verhältnisse" spottete die Lokalzeitung "Rheinische Post", denn die CDU hat noch dazu im Rat die absolute Mehrheit. Da fällt es der Opposition schwer, sich zu profilieren. Klar, sie würde gern hier und da andere Akzente setzen, aber "im Grunde gibt es nicht so viel zu kritisieren", sagt SPD-Fraktionschef Gerd-Peter Heinrichs.
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Warum Langenfeld weniger Zuweisungen vom Land bekommt..

