Niederländisches Staatsunternehmen
Tennet wird zum außenpolitischen Problemfall

Ein niederländischer Energiekonzern blockiert die deutsche Energiewende. Dem Staatskonzern fehlen finanzielle Mittel für nötige Investitionen. Jetzt soll Wirtschaftsminister Rösler das Problem aus dem Weg räumen.
  • 8

BerlinDie massiven Probleme des Übertragungsnetzbetreibers Tennet bekommen eine außenpolitische Dimension. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will das Thema Ende der Woche bei seinem Besuch in den Niederlanden ansprechen. Der Tennet-Mutterkonzern gehört zu 100 Prozent dem niederländischen Staat.

Im Mittelpunkt der Reise nach Den Haag stehe zwar die Euro-Krise. Der Minister wolle mit seinem niederländischen Amtskollegen Maxime Verhagen aber auch über das Thema Tennet sprechen, hieß es in Regierungskreisen.

Tennet ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Das Unternehmen hat das Netz 2010 vom Eon-Konzern übernommen. In den Tennet-Netzbereich fallen die Offshore-Windparks in der Nordsee. Tennet hatte bereits vor Monaten eingeräumt, es sei vom Kapitalbedarf für den Netzausbau überfordert. Tennet hat nach eigenen Angaben Investitionsentscheidungen über 5,5 Milliarden getroffen, weitere 15 Milliarden Euro seien erforderlich.

Die Probleme des Unternehmens sind politisch brisant. Die Offshore-Windkraft spielt in den Plänen der Bundesregierung eine zentrale Rolle. Wenn es nicht gelingt, die Windparks auf hoher See ans Netz anzubinden, gerät der Zeitplan für die Energiewende in Gefahr. Rösler will Tennet daher in die Pflicht nehmen. In Regierungskreisen hieß es, die Unzufriedenheit mit Tennet wachse von Tag zu Tag. Das Unternehmen erfülle seine Aufgaben nicht.

Seite 1:

Tennet wird zum außenpolitischen Problemfall

Seite 2:

Niederlande will die Last der deutschen Energiewende nicht tragen

Kommentare zu " Niederländisches Staatsunternehmen: Tennet wird zum außenpolitischen Problemfall"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit den einheitlich von der Bundesnetzagentur festgelegten Eigenkapitalzinssätzen für Neuinvestitionen in Strom- und Gasnetze von 9,29% vor Steuern und bei Altanlagen von 7,56% vor Steuern, hat der deutsche Staat nach außen deutlich gemacht wie viel hier zu holen ist.

    Deutschland hat über die Spielregeln die Masse der deutschen Michels zum Selbstbedienungsladen erklärt.

    Wenn ich etwas ohne Not zu verkaufen habe, kann ich mich seelenruhig zurücklehnen und das Steigen der Preise und die Bereitschaft der Käufer noch mehr zu zahlen betrachten.
    Das beschreibt den Fortschritt beim Netzausbau aus meiner Sicht trefflich.

  • Wieso Ausland? Ich dachte, wir sind alle eine europäische Familie, nicht nur wenn's um die Schulden geht. In diesem Fall ist Deutschland in Not und die anderen müssen für einen Bail out sorgen. Warum Tennet nicht an den ESM-Tropf hängen?!!
    So wie die Griechen halt faule Säcke sind (pardon), ist Deutschland ein ständig von Wahnvorstellungen heimgesuchtes Land (in diesem Fall Energiewende). Wer ohne Sünde ist , der werfe den ersten Stein, sagt die Bibel.

  • Der Auftrag der Tennet lautet: Netze bauen und steuern.
    Wenn die das nicht tun wollen oder können, --> enteignen und rausschmeissen !

    Grundsätzlich gibt es 2 Möglichkeiten, Stromkabel von den Stromerzeugern zu den Verbrauchern zu bauen, oder die stromfressende Industrie dorthin zu verlagern wo der der Strom künftig erzeugt wird.
    Die 2. Möglichkeit wurde in Deutschland noch gar nicht angedacht.
    Früher war es aber normal, dass sich die Industrie dort angesiedelt hat wo Eniergie zur Verfügung stand. Heute versucht man alles mit gigantischem Aufwand zu verdrehen.

    Und an alle die glauben dass regenereative Energien zu teuer sind.
    Man mag sich um einige Jahre verschätzen, die Rezession mag die Schätzungen verzerren, aber das Zeitalter des Öls geht zu Ende.
    Das regenerative Energien teurer werden ist klar, aber in Zukunft wird es darum gehen überhaupt welche zu haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%