Niedriegere Netzentgelte
Private Stromkunden profitieren kaum

Wunder auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt kann man von der neuen Bundesnetzagentur nicht erwarten. Denn trotz der von ihr gesetzten niedrigen Netzentgelte werden die Gesamtkosten von höheren Preisen für Verbraucher und der Anhebung der Mehrwertsteuer unterlaufen. Für Verbraucher besteht also kein Grund zum Jubeln.

mjh DÜSSELDORF. Insbesondere ist es falsch zu glauben, die Behörde könne dafür sorgen, dass die seit Jahren steigenden und im internationalen Vergleich hohen Strompreise künftig deutlich sinken werden. Denn die Zuständigkeit der Behörde beschränkt sich auf den Netzzugang und die Netzentgelte; das sind die Gebühren, die große Energieversorger ihren Kunden und Anbietern ohne eigene Netze für die Durchleitung von Strom in Rechnung stellen. Diese Entgelte sind zwar ein wichtiger Kostenfaktor, aber nicht der allein ausschlaggebende. „Für zwei Drittel des Strompreises bin ich nicht zuständig“, beschreibt Agenturchef Matthias Kurth seinen begrenzten Handlungsspielraum.

Allerdings sind die Preise, die die Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW für die Stromdurchleitung durch ihre Netze berechnen, recht happig. „Tatsächlich haben die Netzbetreiber in der Vergangenheit übertrieben hohe Gewinne gemacht“, urteilt Hermann-Josef Wagner, Professor am Lehrstuhl für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Universität Bochum. Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher hält sogar eine Kürzung der Netzentgelte von 20 bis 30 Prozent für angemessen. Er wirf den Konzernen „Abzocke“ vor.

Ganz so dramatisch sieht Energiemarktregulierer Kurth die Lage nicht. Inzwischen hat seine Behörde alle vier Übertragungsnetzbetreiber unter die Lupe genommen. Die Bundesnetzagentur kürzte dabei die Anträge der Unternehmen um acht bis 18 Prozent. Bescheide für weitere 20 größere Stromnetzbetreiber ergingen in vier Wochen, sagte Kurth nun in Bonn. Damit sei dann die Überprüfung von 80 Prozent des regulierten Marktes abgeschlossen

Die rund 1 500 Netzbetreiber in Deutschland haben nach dem novellierten Energiewirtschaftsgesetz seit einem Jahr die Pflicht, ihre Daten und Anträge zur Genehmigung von Netzentgelten an die Bundesnetzagentur zu übermitteln. Wie aus einer Erhebung der Agentur hervorgeht, kalkulieren die Unternehmen dabei mit höchst unterschiedlichen Kosten für den Betrieb ihrer Leitungsnetze. Im Extremfall ergibt sich vom teuersten zum billigsten Netzbetreiber ein Unterschied um den Faktor 33. Die Unterschiede könnten nicht allein durch strukturelle Besonderheiten der einzelnen Unternehmen erklärt werden, schlussfolgert Kurth. „Vielmehr lässt diese Bandbreite auf vorhandene Ineffizienzen schließen.“ Es gehe nun darum, die Effizienzreserven zu heben. Denn die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten in Europa.

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