Niedrigere Beitragssätze der BKK sind verlockend
Ärzte beklagen Verluste durch Wechsel zur BKK

Die Kassenärzte beklagen Einnahmeausfälle durch den Wechsel von Versicherten zu den günstigeren Betriebskrankenkassen (BKK).

HB/dpa BERLIN. Durch die Mitgliederwanderungen zu den BKK seien dem Gesundheitssystem im vergangenen Jahr mehr als 213 Millionen Euro verloren gegangen, erklärte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Manfred Richter-Reichhelm, am Freitag in Berlin.

„Den Wechsel in eine so genannte Billigkrankenkasse sollten sich Versicherte wohl überlegen“, sagte Richter-Reichhelm. Angesichts der ohnehin schon schweren Finanzkrise im Gesundheitswesen müssten sich die Versicherten darüber klar werden, welche Folgen ein Wechsel haben kann. „Dem gebeutelten System wird so noch zusätzlich Geld entzogen“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung. „Die ärztliche Behandlung ist für alle Versicherten gleich. Die Bezahlung der einzelnen Kassen dafür allerdings nicht“, so Richter-Reichhelm.

Die regional gegliederten Kassenärztlichen Vereinigungen vertreten 140 000 Kassenärzte und Psychotherapeuten gegenüber den Krankenkassen. Die gesetzlichen Krankenkassen überweisen pro Quartal eine einmalige Kopfpauschale an die KV. Mit dieser Summe müssen alle anfallenden medizinischen Leistungen bezahlt werden, auch die der mitversicherten Familienangehörigen.

Die Höhe des Pauschalbetrags sei je nach Kasse unterschiedlich, sagte Richter-Reichhelm. Viele BKK überwiesen eine vergleichsweise niedrige Summe. „In den neuen Bundesländern zahlten die Ersatzkassen im vergangenen Jahr rund 390 Euro je Mitglied, die Betriebskrankenkassen im Schnitt etwa 330 Euro“. Für Westdeutschland lauteten die Werte 515 und 470 Euro. Richter-Reichhelm: „In der Behandlung machen wir Ärzte aber keinen Unterschied. Das Budget für Versicherte in Billigkrankenkassen ist schnell verbraucht - diese Patienten behandeln wir dann umsonst.“

In der Zeit von 1997 bis 2002 wechselten fast vier Millionen gesetzlich Krankenversicherte von den Orts- und Ersatzkrankenkassen in die häufig günstigeren Betriebskrankenkassen. „Für den einzelnen sind die niedrigen Beitragssätze der BKK auf den ersten Blick verlockend“, sagte Richter-Reichhelm. Viele der „Billig-Kassen“ würden aber „schon nach kurzer Zeit ihre Sätze“ anheben. Der Grund sei, dass auch junge und gesunde Versicherte mit steigendem Alter auch kränker würden und die Ausgaben stiegen.

In den alten Bundesländern hätten die KV im Jahr 2002 durch die Wanderbewegung einen Honorarverlust von 179 Millionen Euro verzeichnet. In den neuen Bundesländern schrumpfte die Honorarsumme um 34,6 Millionen Euro. „Diese Entwicklung kann die künftige medizinische Versorgung der Versicherten ernsthaft gefährden“, so der Ärztefunktionär.

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