Niedriglöhne
Sozialkassen entgehen Milliarden

Den Sozialkassen entgehen durch die vielen Niedriglöhne in Deutschland jährlich 4,2 Milliarden Euro. Darauf weist ein Arbeitsmarktforscher hin – und kritisiert die Gewerkschaften.

HB BERLIN. Auf die Milliardensumme hat der Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, Gerhard Bosch, am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur hingewiesen. Bei dieser Schätzung würden die Ausfälle gegenüber einem Mindestlohn von 7,50 Euro berechnet, der sogar noch unter den Mindestlöhnen in Frankreich und vielen anderen westlichen Ländern liege.

Bosch kritisierte im Zusammenhang mit Niedriglöhnen scharf die christlichen Gewerkschaften in Deutschland. Diese seien bereit, „quasi jeden Tarifvertrag zu unterzeichnen. Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro tarifvertraglich unterzeichnet“.

So werde auch das ursprüngliche Ziel der Hartz-Gesetze unterlaufen, dass Leiharbeiter den gleichen Lohn bekommen wie Beschäftigte im Betrieb. Bei der Leiharbeit gebe es zurzeit „eine ganz rasante Zunahme, gerade in den Kernbereichen unserer Industrie“.

Der Arbeitsforscher lehnte auch den Vorschlag des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers für eine Mindestrente ab: Die sei nur ein Reparaturversuch wegen der zunehmend schlechteren Arbeitsverdienste.

„Das halte ich für falsch, nur bei der Rente anzusetzen“, sagte Bosch. „Die Rente kann nicht alle Probleme des Arbeitsmarktes lösen. Da muss man schon im Arbeitsmarkt ansetzen, durch Mindestlöhne etwa.“

Eine von zahlreichen Politikern ernsthaft in Erwägung gezogene Vollbeschäftigung in Deutschland hält der Arbeitsmarktexperte nur mit höheren Löhnen für möglich. „Wir werden Vollbeschäftigung nur erreichen, wenn der Konjunkturaufschwung nicht mehr auf einem, sondern auf zwei Beinen steht“, sagte er.

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