Nikab-Frau in ARD-Talk
„Anne Will“ beschäftigt NDR-Rundfunkrat

Dass in der Talk-Sendung von Anne Will eine vollverschleierte Muslimin zu Gast war, sorgt für große Empörung. CDU-Politiker sehen eine Grenze überschritten und fordern die ARD zum Handeln auf. Nun greift der NDR ein.

BerlinDer Auftritt einer vollverschleierten Muslimin in der ARD-Talkshow „Anne Will“ hat scharfe Kritik hervorgerufen. Zuschauer und Politiker hielten Will vor, sie habe dem radikalen Islam damit in der Sendung eine breite Plattform geboten. Im Zentrum der Empörung stand Nora Illi, muslimische Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS), die am Sonntagabend mit einem Nikab auftrat, der nur einen schmalen Sehschlitz freiließ.

Die umstrittene Sendung beschäftigt nun auch die Gremien. Der Rundfunkrat des zuständigen Norddeutschen Rundfunks (NDR) wird sich in seiner Sitzung am 2. Dezember mit dem Thema befassen. Das bestätigte die Vorsitzende Ursula Thümler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ein Urteil über die viel diskutierte Sendung wollte sie noch nicht abgeben. „Ich bitte darum, das Ergebnis der Beratung abzuwarten.“

Zuvor hatte der CDU-Politiker und frühere Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Ruprecht Polenz, Konsequenzen gefordert. „Es war völlig unverantwortlich, eine Vertreterin dieser Dschihad-Vorfeld-Organisation einzuladen. Ein Fall für die Aufsichtsgremien der ARD“, erklärte Polenz auf seiner Facebook-Seite. Er bezog sich auf Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“. Der IZRS sei demnach, anders als es der Name vermuten lasse, keine Vertretung der Schweizer Muslime. Nora Illi, schreibt die Zeitung, stehe vielmehr „für eine kleine, radikal-salafistische Strömung, die in der Schweiz in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte provoziert hat“.

Auftritt mit Niqab erhitzt die Gemüter

Der medienpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Marco Wanderwitz, unterstützte die Forderung nach einem Einschreiten der ARD-Aufsicht „vollumfänglich“, wie er dem Handelsblatt sagte. „Es muss Grenzen geben, wem im Fernsehen ein Podium für die Verbreitung menschenverachtender Positionen geboten wird“, betonte der CDU-Politiker. „Auch wenn das Format auf Widerspruch beziehungsweise Meinungsstreit angelegt ist, dürfen Extreme außerhalb des Verfassungsbogens nicht normal mit am Tisch sitzen.“ Er sei daher „überzeugt“, dass sich die ARD-Gremien mit dem Vorgang befassten. „Ich baue allerdings auch darauf, dass es ein redaktionelles Hinterfragen gibt.“

Scharfe Kritik kam auch vom Unions-Innenexperten Stephan Mayer (CSU). „Wer unverhohlen für die islamistische Ideologie wirbt und die Verbrechen von Islamisten relativiert, hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren“, sagte Mayer der „Bild“-Zeitung. „Mit GEZ-Gebühren darf islamistischer Propaganda keine Bühne geboten werden.“

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