Nikotin-Diskussion
Union will totales Zigaretten-Verbot

Die Debatte über gefährliche Zusätze in Tabakwaren spitzt sich zu. Nachdem Verbraucherministerin Künast ankündigt hat, Krebs erregende Stoffe in Zigaretten zu verbieten, geht die Union sogar noch weiter. Gesundheitsexperten von CDU und CSU fordern ein generelles Verbot der "gemeingefährlichen Mordinstrumente".

HB BERLIN. Der Vorsitzende des Ausschusses für Volksgesundheit im Europaparlament, Karl-Heinz Florenz (CDU), sagte der „Bild“-Zeitung (Dienstag): „Die Zigaretten, wie sie heute angeboten werden, sind gemeingefährliche Mordinstrumente und müssen sofort vom Markt.“

Auch die drogenpolitische Sprecherin der Unions-Fraktion im Bundestag, Gerlinde Kaupa (CSU), unterstützt die Forderung. „Man fragt sich, warum wir uns mit all den Krebs erregenden Zusatzstoffen aufhalten und nicht gleich Zigaretten insgesamt verbieten", sagte Kaupa der Zeitung.

Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hatte zuvor erklärt, alle Krebs erregenden Zusatzstoffe von Zigaretten zu verbieten und sämtliche bei der Herstellung verwendeten Substanzen veröffentlichen zu wollen. An diesem Mittwoch werde sie eine 1147 Seiten umfassende Liste mit sämtlichen Zusatzstoffen von Zigaretten ins Internet stellen.

Zu den verwendeten Stoffen gehörten beispielsweise Menthol, Rum, Lakritze, Kakao, Zucker, Glycerin oder Weinsäure. Auch Johannisbrotkernmehl, Milchsäure, Ammoniak, Zellulosefaser, Maissirup und Pflaumenextrakt werden laut „Bild am Sonntag“ auf der Liste aufgeführt.

Zusatzstoffe dieser Art sind zwar für Lebensmittel zugelassen. Künast will dem Zeitungsbericht zufolge aber untersuchen lassen, welche Substanzen bei der Verbrennung des Tabaks giftige Stoffe freisetzen oder dazu dienen, süchtig zu machen. „Wissenschaftler vermuten, dass mit Zusätzen wie Menthol und Ammoniak die Sucht verstärkt wird - etwa indem der Hustenreiz beim Inhalieren gelindert oder die Nikotinaufnahme erhöht wird“, sagte Künast.

Bei Stoffen wie Kakao und Honig bestehe zudem der Verdacht, dass sie Jugendlichen das Rauchen erst schmackhaften machten. Künast: „Das ist wie bei den Alcopops: Jugendlichen würde harter Stoff niemals schmecken. Sie finden das Zeug nur genießbar, weil es pappesüß ist."

Die FDP hat die von Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) geplante Liste über Zusatzstoffe in Zigaretten im Gegensatz zur Union kritisiert. „Frau Künast sollte die Stoffe erst prüfen und dann veröffentlichen“, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der FDP Gudrun Kopp der „Berliner Zeitung“. So lange man nicht wisse, welche Wirkung ein Stoff habe, führe die Liste nicht zu mehr Aufklärung, sondern trage zur Verunsicherung der Verbraucher bei.

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