Nobelpreisträger vs. Kanzlerkandidat
Rote Konsenssauce à la Steinbrück

Auf der Frankfurter Buchmesse trifft SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Beide sind für ihre markigen Sprüche bekannt. Doch das Treffen verlief anders als erwartet.
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Der eine gehört zu den berühmtesten Ökonomen der Welt, der andere könnte neuer Bundeskanzler werden. Beide sind nicht für Zurückhaltung bekannt. Auf der Frankfurter Buchmesse traf Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften, auf den frisch gekürten SPD-Kanzlerkandidaten, Peer Steinbrück.

Für genug Zündstoff war gesorgt. Schließlich hat Stiglitz ein kontroverses Buch im Gepäck. Es heißt „Der Preis der Ungleichheit“ und zeigt, wie die Schere zwischen Arm und Reich das Wachstum lähmt. Und weil der „Preis der Ungleichheit“ für die gebundene Ausgabe bei 24,99 Euro liegt, kann etwas Werbung nicht schaden. Deshalb wurde dem Publikum am Stand des Vorwärts-Verlags Appetit auf eine Diskussion gemacht.

Doch es kam anders. Denn Steinbrück und Stiglitz servieren ihre ökonomischen Wahrheiten in trauter Einigkeit und mit der großen Kelle: In Amerika wird die Ungleichheit immer größer, lamentiert Stiglitz. „Diesen Trend gibt es exakt auch in Deutschland“, stimmt Steinbrück ein. Europa spart sich zu Tode, argumentiert Stiglitz. „Im Fiskalpakt von Angela Merkel fehlt die Wachstumskomponente“, fügt Steinbrück hinzu. Das Publikum klatscht an den richtigen Stellen.

Steinbrück, selbst studierter Volkswirt, lauscht dem US-Ökonomen aufmerksam. Nur wenn Stiglitz‘ Übersetzerin mit dem Finanzkauderwelsch kämpft, wippt er ungeduldig mit den Füßen. Einmal – es ist ein typischer Steinbrück-Moment – kann der Hanseat nicht anders: „Da ging eben eine feine Ironie in der Übersetzung verloren“, korrigiert er die Dolmetscherin. Dabei hätte Steinbrück eine Übersetzung eher nötig: Während Stieglitz seine Argumente mit prägnanten Beispielen würzt, serviert Steinbrück verbales Graubrot. Er spricht vom „Primat der Politik“, von der „monokausalen Therapie der Schuldenkrise“, vom „Einkommensdefizit für Frauen“.

Bei allem Gerede über Gerechtigkeit verliert Steinbrück kein Wort darüber, dass er selbst wegen seiner Nebeneinkünfte in der Kritik steht, die auch aus der Finanzbranche stammen. Nur einmal zeigt er Demut, bei der Abgeltungsteuer für Kapitalerträge. An deren Einführung war Steinbrück 2009 als Finanzminister der Großen Koalition maßgeblich beteiligt, mit 25 Prozent liegt sie deutlich unter dem Einkommenssteuersatz. „Das war ein Fehler, den ich gerne korrigieren würde, wenn die SPD die Gelegenheit dazu bekäme, in der nächsten Regierung mitzuwirken“, sagt Steinbrück. Alles-oder-Nichts-Wahlkampf schmeckt anders.

Zum Nachtisch präsentiert der 65-Jährige ein Frikassee aus Wahlkampfphrasen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, bessere Bildungschancen, mehr Steuergerechtigkeit. Für Steinbrück bedeutet das eine Erhöhung der Einkommens- und Erbschaftssteuer, auch für Unternehmer. Aber nicht zu sehr, schließlich dürfe man die kleinen Mittelständler und die Handwerker nicht bestrafen.

Das Fazit: „Sie haben sich gut verstanden“, sagt die Moderatorin der Diskussion, die keine war. Und weiter: „Das war ein schönes Gespräch!“

Kommentare zu " Nobelpreisträger vs. Kanzlerkandidat: Rote Konsenssauce à la Steinbrück "

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  • @SayTheTruth
    Die HARTZ4-Leute und die Politiker werden 100 % aus Steuergeldern bezahlt.

    Wenn ein HARTZ4-Mann dazuverdient,
    muss er sofort 50-80 % an die ARGE zurückerstatten,
    so lange er HARTZ4 bezieht.

    Kann man das bei Politikern nicht auch machen?
    50-80 % der gesamten Nebenverdienste abführen ans Finanzamt,
    Herr Steinbrück !!
    Sofort wäre die Lobby-Arbeit vorbei, stimmts?
    Und Sie wären dann nicht mehr käuflich –
    wie sich's gehören würde.
    Gute Idee ??
    ----------------------------------------------------------------
    „Sehr GUTE IDEE!“
    ----------------------------------------------------------------
    @G.N.
    @SayTheTruth

    Sie haben leider 100% RECHT!

    Diese ganze verlogene schmierige Politbagage ...

    Abschaffen,
    je eher,
    umso besser für die Deutschen und unser Deutschland!

    Egal, welche "Farbe" diese Heuchler haben!

    Der heißt „Steinbrück“,

    MERKEL
    SCHRÖDER
    KOHL …

    wie die nun alle heißen, spielt keine Rolle,
    wir werden als VOLK & LAND wieder die „ARSCHKARTE“ ziehen!

    Unser Volk ist einfach zu „DÄMLICH“,
    um sich von dieser Polit-Pest zu befreien!

    Ich würde alles mittragen, um dieses Gesindel loszuwerden!

    „Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert!

    Kontenance …
    Netiquette …

    Interessiert die Politiker auch einen DRECK!

    Wetten dass!

  • Die HARTZ4-Leute und die Politiker werden 100 % aus Steuergeldern bezahlt.

    Wenn ein HARTZ4-Mann dazuverdient, muss er sofort 50-80 % an die ARGE zurückerstatten, so lange er HARTZ4 bezieht.

    Kann man das bei Politikern nicht auch machen ? 50-80 % der gesamten Nebenverdienste abführen ans Finanzamt Herr Steinbrück !! Sofort wäre die Lobby-Arbeit vorbei, stimmts ? Und Sie wären dann nicht mehr käuflich - wie sich's gehören würde. Gute Idee ??

  • • Noch teurer kam den Steuerzahler ein Jahr später Steinbrücks Blankoscheck für die Gläubiger der Hypo Real Estate (HRE) zu stehen. Zusammen mit seinem Staatssekretär Jörg Asmussen ließ sich Steinbrück von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion über den Tisch ziehen. Er sicherte den Banken eine Übernahme der Verbindlichkeiten der HRE zu, die den Steuerzahler insgesamt wahrscheinlich mehr als 100 Milliarden Euro kosten wird.
    • Nennenswerte Gesetzesinitiativen zur Regulierung der Finanzmärkte blieben während seiner Amtszeit aus.
    • Während des Krisenjahres 2008 lehnte er jegliche konjunkturpolitische Antwort auf die Finanzkrise so lange ab, bis er von der Realität überholt wurde und zähneknirschend den Mini-Konjunkturprogrammen zustimmte, die im November 2008 beschlossen wurden. Im Folgejahr erlebte Deutschland die stärkste Rezession der Nachkriegszeit. Wieder einmal erwies sich Steinbrücks Tatenlosigkeit im Nachhinein als sehr kostspielig.
    • Die SPD hat unter Steinbrück die steuerliche Entlastung der kleinen Einkommen und Renten zusammen mit den Grünen im Bundesrat verhindert.
    • Steinbrück hat mit Merkel zusammen die "Quellensteuer" eingeführt, den Niedrig-SPITZEN-Steuersatz von 25% für Bezieher leistungsloser Einkommen.
    • Steinbrück ist zudem ein Verfechter des unseligen Hartz-IV Systems.

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