Noch keine entscheidende Annäherung
50:50-Chance auf Tarif-Einigung

Begleitet von Warnstreiks sind die Metalltarifverhandlungen in die entscheidende Phase gegangen. Nach mehr als 14-stündigen Gesprächen wird nun in kleiner Runde um einen Kompromiss gerungen. Die Chance auf eine Einigung soll bei „50:50“ liegen.

HB SINDELFINGEN. Ein Arbeitgebersprecher sprach in Sindelfingen von konstruktiven Gesprächen. „Wir verhandeln mit dem Ziel, etwas hinzukriegen“. Konkrete Details über die Gespräche, die am Morgen nach mehreren nächtlichen Unterbrechungen fortgesetzt wurden, waren nicht bekannt. Porsche-Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück hatte in der Nacht zum Freitag erklärt, die Arbeitgeber hätten ein verbessertes Angebot vorgelegt. Zahlen nannte er nicht. Hück sprach von einer 50:50-Chance für eine Einigung. Er sagte, die Belegschaften seien derzeit ungewöhnlich stark mobilisiert und wollten keine Zurückhaltung bei den Löhnen mehr. „Das dürfen die Arbeitgeber nicht unterschätzen.“ Er hoffe, dass die Vernunft siege und nicht der Geiz der Arbeitgeber, sagte Hück.

Aus Verhandlungskreisen war auch zu hören, dass sich die Parteien trotz eines mehr als 16 Stunden andauernden Verhandlungsmarathons noch nicht entscheidend näher gekommen. „Wir liegen bei Volumen und Struktur noch weit auseinander“, hieß es. Beide Parteien ringen in Sindelfingen in kleiner Runde um eine Einigung.

„Beide Seiten loten aus, was geht“, meinte ein Sprecher von IG Metall und Südwestmetall. Vor der Wiederaufnahme der Gespräche hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft intern in ihren jeweiligen Gremien beraten. Die Tarifkommission der IG Metall solle am Nachmittag um 14 Uhr am Verhandlungsort tagen. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent Tariferhöhungen für die 3,4 Millionen Beschäftigten in Deutschlands Schlüsselindustrie. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber bestand aus 2,5 Prozent mehr Entgelt und einem befristeten Konjunkturzuschlag in Höhe von 0,5 Prozent.

Die Gespräche in Sindelfingen hatten am Donnerstagnachmittag begonnen. Beide Seiten hatten zum Start der Verhandlungen ihren Einigungswillen bekräftigt. Nach Gewerkschaftsangaben legten am Donnerstag in zahlreichen Bundesländern rund 300 000 Beschäftigte aus rund 1 100 Betrieben befristet die Arbeit nieder, um ihre Forderung nach höheren Einkommen zu bekräftigten. Die IG Metall hatte die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen am Freitag zu verstärkten Warnstreiks aufgerufen. IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild sagte mit Blick auf die schwierigen Tarifverhandlungen, in dieser Phase könne „eine nochmalige Verstärkung des Drucks die Einigungschancen verbessern“. Beschäftigte, die zu Protesten aufgerufen worden seien, sollten die Aktionen über die ursprünglich geplante Dauer hinaus verlängern.

Der Ausgang der Tarifgespräche galt als völlig offen. Die IG Metall hatte im Falle eines Scheiterns mit einem Arbeitskampf gedroht. Eine Urabstimmung könnte bereits in der kommenden Woche starten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%