Nora Illi bei „Anne Will“
Empörung über Auftritt von vollverschleierter Muslimin

In der Talkshow „Anne Will“ debattierten die Gäste über die Radikalisierung von Jugendlichen. Die Schweizer Muslimin Nora Illi trat mit Niqab auf. Ihr Auftritt hat scharfe Kritik hervorgerufen. Auch der Sender reagiert.

Berlin/BernEine Frau in Vollverschleierung, zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen. Obendrein eine, die anscheinend Werbung macht für einen radikalen Islam? Was Deutschland aufregt, hat die Schweiz längst abgehakt. Eher schmunzelnd nimmt man zur Kenntnis, dass „die Niqab-Nora“ im Ausland mal wieder Furore macht. Kürzlich im österreichischen Fernsehen und nun in der ARD-Talkshow „Anne Will“.

„Dass man im Fernsehen dem radikalen Islam eine solche Plattform bietet, finde ich abenteuerlich!“, twitterte der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke am Montagmorgen. Die frühere baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) kommentierte: „Zustimmung. Provokation. Und Quote. Morgen redet jeder darüber. Medienkrise zu Zeiten von Talkshow-Overkill...“

Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach und der Autor Ahmad Mansour warfen ihr in der Talkshow vor, sie verherrliche den Krieg in Syrien. Moderatorin Anne Will hielten die beiden vor, sie habe dem radikalen Islam mit dem Auftritt von Illi in der Sendung eine breite Plattform geboten. Dazu hieß es vom NDR: „Die umstrittene Haltung von Frau Illi zum Beispiel zur Problematik der Ausreise von Jugendlichen nach Syrien ist deutlich zutage getreten und heftig debattiert worden.“ Die Zusammensetzung der Diskussionsrunde habe zu einer „angemessenen wie notwendigen Auseinandersetzung“ geführt.

Auftritt mit Niqab erhitzt die Gemüter

Erst kürzlich hat das Parlament in Bern mit knapper Mehrheit dem Antrag der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) zugestimmt, ein landesweites Burkaverbot gesetzlich zu verankern. Das haben auch die TV-Auftritte von Nora Illi (32) nicht verhindern können.

Vor einigen Jahren sorgte die vierfache Mutter aus dem Berner Multikulti-Stadtviertel Bümpliz freilich noch für mediale Schockwellen. „Mein Schleier gibt mir ein Gefühl von Freiheit“, erklärte sie 2010 in der Talksendung „Club“ des Schweizer Fernsehens (SRF) – und löste Proteste von Frauenrechtlerinnen aus.

Illi war damals gerade Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) geworden. Rasch stieg sie zur Symbolfigur der Islam-Debatten auf. Eine wortgewandte Frau mit Vollschleier und Schweizer Pass, das hatte es vorher noch nicht gegeben.

Neben ihrem unerschütterlichen Bekenntnis zur konservativen Ausprägung des Islams bewies die Konvertitin gelegentlich auch Humor. Als Illi in einem Online-Chat der Zeitung „Blick“ gefragt wurde, ob sie ihren Schleier auch mal ablege und wie sie sich dann fühle, sagte sie: „Nur beim Suppenessen mit Niqab kann es Schwierigkeiten geben.“

Wenn sich in der Schweiz kaum noch jemand über Illi aufregt, liegt das auch an der Erkenntnis, dass sie lediglich eine kleine Minderheit muslimischer Frauen vertritt. Der IZRS ist keineswegs eine Art Dachorganisation für die rund 400.000 Muslime in der Schweiz, wie der hochtrabende Name vermuten lassen könnte. Vielmehr handelt es sich um einen radikal-islamischen Verein, der vom Nachrichtendienst beobachtet und vom Mainstream der Muslime gemieden wird.

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Empörung über Auftritt von vollverschleierter Muslimin

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Vom Punk zur strengen Muslimin

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